Eurobike-Neuheiten 2015: Lapierre mit großer Modellpflege

  • Christoph Listmann
 • Publiziert vor 6 Jahren

Die Franzosen gehen mit der nächsten Generation des elektronischen E:i Auto-Fahrwerks an den Start. Außerdem: Ein neues XC-Fully, Modellpflege mit weniger Carbon und ein spektakulärer Downhiller.


Zesty AM: Modellpflege beim 150-Millimeter-Bike

Das Zesty AM gibt es wahlweise mit dem elektronischen E:i Auto Fahrwerk.

Der Carbon-Hauptrahmen bleibt wie er war, Hinterbau und Wippe werden 2015 aber auch bei den Top-Bikes aus Alu sein. Das ist ungewöhnlich in Zeiten, wo fast alle Hersteller auf immer mehr Carbon setzen. Doch 80 Gramm Gewichtsvorteil und identische Steifigkeit der Carbon-Sitzstreben und der Wippe standen für Lapierre in keinem sinnvollen Verhältnis zu den höheren Produktionskosten. Auch soll die Lagerung der Wippe in der Aluversion widerstandfähiger sein. Dafür will man fürs gleiche Geld eine bessere Ausstattung bieten. Die genauern Preise gibt Lapierre aber erst bei der Eurobike bekannt.

Beim hochwertigsten Modell 827 und dem abgebildeten 527 ersetzt die sehr gute Rock Shox Pike die etwas weniger leistungsfähige Fox 32 des Vorgängers. Auch die restliche Ausstattung wird trailtauglicher: Breitere Lenker (750 mm) und kürzere Vorbauten sollen der Zesty AM-Reihe bessere Bergabfahrleistungen bringen. Zwei Carbon- und zwei Supreme 6-Aluminium-Ausführungen in 27,5 Zoll sind geplant.

Dazu gibt es das Zesty Trail auch in 29 Zoll mit auf XC und Marathon ausgelegter Ausstattung (SID-Gabel) und 120 Millimetern Federweg. Auch hier vier Varianten. E:i Auto ist bei den jeweils teureren Modellen mit RockShox-Federung optional erhältlich.


Spicy: Das Enduro teilt sich den Rahmen mit dem Zesty AM 

Ein Zentimeter mehr Federweg an der Pike RCT3 (160mm) macht den Lenkwinkel ein halbes Grad flacher (66,5°). Mit stabilem Sram-Rail-50-Laufradsatz und verstärkter Michelin-Bereifung (WildRock'R 2 vorne und Wildgrip'R hinten) ist es 12,8 Kilo schwer. Das Team gibt es nur mit E:i Auto. Bei zwei weiteren Modellen (527 und 327) mit Supreme 6-Alurahmen kann man auf das elektronische Fahrwerk auch verzichten.

Wer ein Enduro sucht, findet es beim Modell Spicy. Technisch hält es sich nah am Zesty.


DH Team – neuer Downhiller 

Supra Link heißt das neue Fahrwerk des DH Team.

Mit dem 27,5-Prototyp des neuen DH-Bikes hat jüngst Emmeline Ragot beim Weltcup in Fort William den Sieg eingefahren. Der neue Rahmen wurde in enger Zusammenarbeit mit Downhill-Legende Nicolas Vouilloz entwickelt. Ein mehrfach abgestützter Eingelenker ersetzt das komplexe Pendbox-System des Vorgängers. Der niedrigere Drehpunkt sorgt für bessere Bremstraktion. Die vom Motocross-Sport inspirierte Supra Link-Kinematik vereint sehr feines Ansprechverhalten mit einer stark progressiven Kennlinie. Der Alurahmen ist mit 4,5 Kilo knapp 200 Gramm leichter als der Vorgänger, soll aber deutlich steifer sein – dessen Carbonschwinge hatte für schwere Fahrer zu viel Flex. Zwei Varianten wird es geben: das 727 DH und das hier abgebildete DH Team eine Race-Replica mit dem gleichen Rock Shox-Sram-Aufbau, den auch das Gravity Republic Team im Weltcup einsetzt..

Das neue Downhill-Bike kriegt ein neues Fahrwerk verpasst.


X-Control: Tourenfully mit neuem Rahmen

Die Neuauflage des günstigen 100-Millimeter-Fullys bekommt einen komplett überarbeiteten Rohrsatz, behält aber den Dual-Link-Hinterbau (VPP). Auch hier verbauen die Franzosen ihr leichtes Supreme 6-Aluminium. Vorne federt eine Rock Shox Recon Gold mit 120 Millimetern Federweg. Der Lenkwinkel wurde gegenüber dem Vorgänger um 1,5° auf jetzt 68° abgeflacht. Der Rahmen soll steifer geworden sein und mehr Reifenfreiheit besitzen. Der Rahmen ist sowohl für eine Teleskopstütze mit interner Zugführung, als auch für das E:i-System vorbereitet.

Das 100 Millimeter Fully kriegt einen neuen Rohrsatz verpasst.


Erster Fahrtest: Zesty AM 527 mit E:i Auto

Die elektronisch gesteuerte Dämpferverstellung geht in die dritte Runde. Die ersten beiden Varianten waren mit den vielen Kabeln am Lenker und dem klobigen Bordcomputer nicht wirklich elegant. Auch hatten wir des öfteren Probleme mit der Zuverlässigkeit.


2015 kommt E:i Auto. Lapierre hat das System vereinfacht. Ein kleiner Kunststoffkasten seitlich neben dem Vorbau beherbergt die Elektronik. Ein Kabel und die Lenkerfernbedienung wurden eingespart. Der Akku wurde kleiner und lässt Platz für einen Trinkflaschenhalter. Über einen einzigen großen Druckknopf lässt sich das System einstellen. Drei Sensibilitätsstufen stehen im Automatikmodus zur Verfügung. Eine Leuchtdiode zeigt den Status: Rot für Lockout, gelb für Trailmodus und grün für offen. Diese Modi lassen sich – wenn man will – auch einzeln manuell anwählen.

  Die dritte Generation des E:i-Systems funktioniert unauffällig und effektiv. Die Elektronik passt den Hinterbau schnell und sinnvoll jeder Fahrsituation an.

Die Abstimmung des E:i Auto klappt intuitiv: Den Knopf vier Sekunden gedrückt halten, dann zeigt die Diode den angewählten Status. Das war's. Zwei Tage auf dem Pressecamp in Les Gets und anschließend bei zwei weiteren Testfahrten auf heimischen Trails konnte ich dem elektronischen Fahrwerk auf den Zahn fühlen. Dabei zeigte sich schnell, dass das System jeder manuellen Dämpferverstellung überlegen ist. Das Zesty 527 AM ist im Antritt straff und beschleunigt sehr gut. Keine Energie verpufft in der Federung und dennoch arbeitet die Federung aktiv und sensibel, wenn sie soll. Permanent und blitzschnell reagiert das System auf wechselnden Untergrund, ohne dass man einen Gedanken daran verschwendet. Nach einer halben Kurbelumdrehung auf glattem Belag blockiert der Dämpfer. Je nach Sensibilität müssen die Schläge mehr oder weniger stark sein, um die Druckstufe zur Hälfte oder ganz zu öffnen. Bei Sensibilitätsstufe eins und zwei reichen kleine Unebenheiten wie ein Weiderost oder ein Gullydeckel. Stufe drei verlangt nach etwas höherem Fahrtempo – bei sportlicher Fahrweise war dieser Modus ideal. Die Software wurde überarbeitet und reagiert jetzt bei niedrigerer Kadenz (Minimum 35 Kurbelumdrehungen pro Minute statt zuvor 55), damit auch sehr langsames Treten bergauf den Dämpfer blockiert.

Bei diesem Test war das System zehn Stunden reiner Fahrzeit im Einsatz, ohne dass der Akku Probleme bereitet hätte. Die Ladezeit liegt bei 1,5 Stunden. Funktionsausfälle, oder falsche Reaktionen im Gelände, gab es auch nicht.


Fazit: In der dritten Evolutionsstufe scheint das elektronische Fahrwerk seine Kinderkranheiten abgelegt zu haben. Das Zesty AM fuhr sich sehr spritzig und aktiv, liess dabei aber keinen Komfort vermissen. Die Bauteile des Systems sind unauffällig in das Bike integriert und die funktionieren einwandfrei. Ob E:i Auto auch langfristig überzeugen kann, wird ein Langzeittest zeigen.

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