Arbeitsgerät: Stevens Jura Team im Langzeittest Arbeitsgerät: Stevens Jura Team im Langzeittest Arbeitsgerät: Stevens Jura Team im Langzeittest

Dauertest: Stevens Jura Team

Arbeitsgerät: Stevens Jura Team im Langzeittest

  • Armin Herb
 • Publiziert vor 4 Jahren

Der leichte Marathonrenner mit Aluminiumrahmen erweist sich nach dezentem Tuning als absolut Touren-tauglich. Nur Fans anspruchsvoller Trail-Abfahrten dürften die 120 mm Federweg nicht ausreichen.


Dauertest-Laufleistung: 1.962 Kilometer | 43.020 Höhenmeter

Die Vorgaben waren klar: Leicht und robust musste das Bike sein. Ganz old school, schwöre ich dabei immer noch auf Rahmen aus Aluminium. Immerhin sollte mich das Bike auf Recherchen zu vielen Mehrtages-Touren in den Alpen begleiten, das heißt als echtes Arbeitsgerät herhalten. Wenn das Gepäck schon üppig und schwer ausfällt, darf das Bike gerne gewichtsoptimiert sein. Das Stevens Jura bietet dazu ganz gute Voraussetzungen. Vor allem das überraschend geringe Gewicht von 11,7 kg hat mich überzeugt. An die wettkampforientierte Marathon-Geometrie musste ich mich etwas gewöhnen, obwohl sie vom Fahrer keine übermäßig gestreckte Körperhaltung fordert. Mit ein paar Testrunden an der Isar und auf Mittelgebirgs-Touren im Schwarzwald tastete ich mich langsam an den neuen "Arbeitsrenner" heran.

Auf langen, nicht sonderlich steilen Anstiegen, zeigt sich das Stevens voll und ganz in seinem Element. Auf kniffligen Trails und steilen Abfahrten tut man sich eher schwer damit, vor allem aufgrund der Geometrie und des relativ kurzen Federweges. Aber dafür wurde es auch nicht designt. Mit etwas Tuning mutiert der Marathonrenner zu einem ordentlichen Touren-Bike: Ein 22er-Kettenblatt vorne statt einem 24er, verbessert merklich die Klettereigenschaften, sodass ich damit selbst am brutalen Schlussanstieg zum Anna-Schutz-Haus in Osttirol kaum aus dem Sattel musste. Conti-X-King-Reifen im Austausch gegen die sportlichen Schwalbe Rocket Ron und Thunder Burt machen zwar langsamer, bringen aber mehr Traktion und die gewünschte Sicherheit in Schotterkurven. Und für mehr Langstreckenkomfort habe ich die Originallenkergriffe gegen Ergon GX-1 getauscht. Das XTR-Komplettpaket funktionierte sowieso stets tadellos wie ein Quarzuhrwerk.

So entwickelte sich Zug um Zug eine neue Bike-Liebe. Zugegeben, mit Anlaufschwierigkeiten, denn schon nach den allerersten Kilometern nervte das Stevens mit höllischem Knarzen, was auch nach rund 1200 km nochmals auftrat. Das Fetten aller Innenlager und ein partieller Lagertausch konnten die Liebe schließlich noch retten.


FAZIT: mit weniger als 12 kg Gewicht ein robuster, Touren-tauglicher Marathon­renner. Allerdings eine Liebe auf den zweiten Blick, da die Beziehung mit nervtötendem Knarzen begann.


Funtionalität   4 von 6 Punkten
Haltbarkeit   5 von 6 Punkten

Daniel Simon Positiv überrascht: Ohne jegliche Beanstandung, und das über viele harte Monate, verrichteten die XTR-Schaltung und die XTR-Bremsen ihren Dienst. 


DEFEKTE | WARTUNG


• 15 km: sämtliche Lager gefettet – Lautes Knarzen nervt gleich von Anfang an.
• 1218 km: Industrielager getauscht – Das Knarzen ist zurück! Zwei Industrielager am Wippendrehpunkt liefen rau, werden gegen neue Lager getauscht, andere Lager werden neu gefettet.
• 1313 km: Bremsbeläge gewechselt – Die Beläge der Shimano-XTR-Bremse haben für meine Verhältnisse
erstaunlich lange gehalten.


TUNING


• 50 km: Sitzkomfort erhöht – Der Oxygen-Sattel wurde gegen einen Selle Italia SLR getauscht.
• 70 km: Reifenwechsel – Schwalbe Rocket Ron und Thunder Burt mussten für mehr Grip und Pannenschutz den Conti X-King weichen.
• 200 km: Übersetzung optimiert – 22 statt 24 Zähne am kleinen Kettenblatt ebnen selbst lange
Kletterstücke und maximieren die Zeit im Sattel.
• 350 km: Griffe getauscht – Für mehr Komfort auf ausgedehnten Touren wurden die Ergon-GX-1- Schraubgriffe mit kleinem Flügel montiert.


Das sagen die Leser: "Da ich nicht der versierteste Fahrer bin, gleicht das Rad viel aus, und ich habe ein sehr sicheres Fahrgefühl. Grandios ist das Lockout für Gabel und Dämpfer mit nur einem Hebel." Sascha Weber, Facebook


Der Tester: Armin Herb, Fahrradjournalist; 57 Jahre/1,67 m/63 kg
Fahrerprofil: Als klassischer Touren-Biker bevorzugt Armin aussichtsreiche Uphills ohne Seilbahnunterstützung. Bergab fährt er am liebsten auf flowigen Trails.
Lieblingsgsreviere: Chiemgauer Alpen, Tirol, Trentino, Karwendel, Zugspitzregion


Beziehungs-Highlights: Hütten-Tour – Von Lienz in Osttirol hinein in den Nationalpark Hohe Tauern, 63 km und 2712 Höhenmeter. Kein Problem für das sanft getunte Marathon-Bike, nicht mal die Steilrampe zum Anna-Schutzhaus.

Armin Herb Hütten-Tour: Von Lienz zum Nationalpark Hohe Tauern


Test: Stevens Jura SL Team

Hersteller/Modell/Jahr
Stevens Jura SL Team / 2014
Fachhandel/Versender
Fachhandel
Herstellerangaben
Allgemeine Infos
Stevens Vertriebs GmbH, 040/716070-0, www.stevensbikes.de
Material/Grössen/Testgrösse
Alu / H: 16, 18, 20, 22 / 16 "
Preis
4499.00
Preis (Rahmen)
BIKE-Messdaten
Gewicht ohne Pedale
11550.00
Lenk-/Sitzrohrwinkel
67.20
Vorbau-/Oberrohrlänge
90.00
Radstand/Tretlagerhöhe
1138.00
Federweg Vo. min/max, Hi. min/max
-/-, -/-
Übersetzung
3
BB Drop/Reach/Stack
-28.00/418.00/575.00
Ausstattung
Gabel/Dämpfer
Fox 32 Float 120 27.5 CTD/Fox Float, CTD, Kashima Boostvalve, Remote
Kurbel/Schaltwerk/Schalthebel
Shimano XTR/Shimano XTR/Shimano XTR
Bremsanlage/Bremshebel
Shimano XTR/Shimano XTR
Laufräder/Reifen
Mavic Crossmax SLR - - - -/Schwalbe Rocket Ron 2,1 Evo Pace Star Schwalbe Thunder Bert 2,1Evo Pace Star
BIKE Urteil¹
Das BIKE-Urteil gibt die Labormesswerte und den subjektiven Eindruck der Testfahrer wieder. Das BIKE-Urteil ist preisunabhängig. BIKE-Urteile: super (150-125 P.), sehr gut (124,75-110 P.), gut (109,75-90 P.), befriedigend (89,75-65 P.), mit Schwächen, ungenügend.

Themen: Armin HerbDauertestJura TeamStevensTest


Lesen Sie das BIKE Magazin. Einfach digital in der BIKE-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag
Anzeige
  • Test 2015: Trek Remedy 9.8 29
    Das All Mountain Trek Remedy 9.8 29 im Test

    19.11.2014Gewicht, Steifigkeit und Qualität des Federwegs. An diesen drei entscheidenden Stellrädern haben die Trek-Entwickler gedreht und präsentieren ihr Ergebnis in Form des neuen ...

  • Test 2016 – Plus-Hardtails: Bulls Copperhead 3 RS+
    Bulls Copperhead 3 RS+ im Test

    07.02.2017Fahrfertige 12,3 Kilo zeigt unsere Waage an, der Bestwert in diesem Vergleich. Das Copperhead 3 RS+ lässt die Anzeigenadel nur 900 Gramm weiterzucken als sein Bruder mit schmalen ...

  • Test Exoten-Bikes 2015: Moots X YBB 29
    Moots X YBB 29 im BIKE-Test

    06.01.2016Wenn es etwas gibt, das den Flair der Zeitlosigkeit verkörpert, dann Titan. Bei der Schmiede Moots trifft der edle Werkstoff auf eine fast schon fanatische Liebe zum Detail.

  • Dauertest: Specialized Stumpjumper Expert Evo

    10.09.2013Mit der Evo-Version motzt Specialized seinen Touren-Klassiker Stumpjumper zum Abfahrtsmonster auf.

  • Dauertest: Giant Anthem Advanced SX
    Trail-Rakete: Giant Anthem Advanced SX

    21.06.2019Auch das Giant Anthem Advanced SX basiert auf einem Marathon-Rahmen. Mit fast 100.000 Höhenmetern musste es sich im harten Trail-Einsatz beweisen.

  • Test 2016: Mountainbike Dämpfer Fox Float X2
    MTB Dämpfer Fox Float X2 im Kurztest

    26.08.2016Er gilt als der potenteste Luftdämpfer im Fox-Portfolio. Selbst Überflieger Aaron Gwin vertraute in so manchem Downhill-Worldcup auf das neue Produkt ohne Stahlfeder.

  • Shimano XTR gegen SRAM X.O

    24.07.2006Nur sieben XTR Dual-Control-Prototypen verteilte Shimano an Top-Racer in der ganzen Welt. BIKE konnte das Flaggschiff der Japaner jetzt schon in der Praxis testen – uns zwar gegen ...

  • Test 2021: Lampen fürs E-MTB
    Scheinwerfer: 6 Leuchten mit StVZO-Zulassung im Test

    19.01.2021Kurze Tage, lange Nächte – da endet die Hausrunde oft im Dunkeln. Mit diesen Scheinwerfern mit Prüfzeichen kommst Du sicher ans Ziel.

  • Test Topeak Nano Torqbar
    Der Mini-Drehmomentschlüssel Nano Torqbar im Test

    21.01.2016Beim Schrauben an Carbon- und Titanteilen sind Drehmomentschlüssel Pflicht. Doch meist sind sie teuer und klobig. Nicht so der Nano Torqbar von Topeak, den wir getestet haben.