Dauertest – All Mountain: Merida One-Forty 7.700

Partner auf Zeit: Merida One-Forty 7.700 im Test

  • Thomas Roegner
 • Publiziert vor 4 Jahren

Das One-Forty 7.700 von Merida zeigt sich auf der Höhe der Zeit: moderne Geometrie, stimmige Optik. Doch wie schlägt sich der Taiwanese im Dauerbetrieb für einen Transalp-Guide?


Dauertest-Leistung: 1980 Kilometer | 36.200 Höhenmeter

Wenn ich als Guide eine Gruppe von Mountainbikern über die Alpen führe, muss mein eigenes Material zuverlässig und ohne Mucken funktionieren – Stress habe ich schon mit den Bikes meiner Gäste. Gleich vorweg: Das Merida One-Forty 7.700 hat diese Aufgabe mit Bravour erfüllt. Kein einziger Defekt, keine knarzenden Lager, keine Ausfälle – und das nach drei Transalp-Touren, zwei Trail-Camps in Livigno und dem Feierabendeinsatz auf meinen fränkischen Haus-Trails.

Zeitgemäß, aber unauffällig – so würde man das äußere Erscheinungsbild des Meridas beschreiben: schwarzer Hauptrahmen, leuchtend blauer Schriftzug, blaue optische Marker (Griffe, Satteldekor) – das harmoniert sogar mit den Einstellelementen von Gabel und Dämpfer, schreit aber auch nicht "Rock ’n’ Roll!". Das Chassis des All Mountains wirkt steif – kein Wunder: Der geschwungene Hauptrahmen aus Hydroform-Alu wie auch der Hinterbau sind mit zusätzlichen Streben verstärkt. Damit hat sich das Bike sowohl auf rütteligen Hochgebirgsabfahrten wie auch im Bikepark Livigno als sehr spurtreu erwiesen. Hilfreich auch: die langen Kettenstreben, der lange Radstand, der flache Lenkwinkel und der 740 mm breite Lenker. Auch steinige, verblockte Trails vom Plamort hinab, auf dem Penegal oder am Monte Gazza nimmt das feinfühlige 145-mm-Fahrwerk mit Bravour. Lediglich in engen Serpentinen könnte das Merida agiler sein. Im Uphill überzeugt das One-Forty mit komfortabler Sitzposition, wenngleich es ein bisschen leichter sein dürfte und auf dem kleinen Blatt wie auch im Wiegetritt etwas Unruhe ins Fahrwerk kommt.

Die XT-Ausstattung verschlang drei Paar Bremsbeläge und fünf Fläschchen Kettenöl – sonst nichts. Allerdings wäre jetzt ein Tausch von Kettenblättern, Ritzeln und Kette fällig. Der Prologo-Kappa2-Sattel ist nichts für Weicheier – eine gewisse Sitzhärte sollte man mitbringen. Manko im Detail: Durch die Zugverlegung am Unterrohr streift ab und zu die Bremsleitung am Hinterreifen. Die Rock Shox Reverb Stealth sackte zum Schluss des Dauertests ein bis zwei Millimeter ein – die alte Krankheit, die in der Regel mit Entlüften zu beheben ist.


FAZIT: Könnte das Merida One-Forty ein Kilo abspecken und bliebe genau so robust, wäre es mein Traum-Ganzjahres-Bike.


Funktionalität   5 von 6 Punkten
Haltbarkeit 6 von 6 Punkten


DEFEKTE / WARTUNG


1340 km: Absinken der Reverb-Sattelstütze
Das altbekannte Problem: Wegen ein paar Millimetern Höhenspiel musste die Rock-Shox-Teleskopstütze entlüftet werden.


910 km: Bremsbeläge erneuert hinten
Nicht einmal 1000 Kilometer, aber reichlich Höhenmeter im steilen Terrain, erfordern den ersten Belagwechsel.


1840 km: Bremsbeläge erneuert vorne und hinten
Zweiter Pitstopp: Erfreulich lange hielten die vorderen Beläge.

Merida One-Forty 7.700: Belagverschleiß – Drei Paar Bremsbeläge runtergehobelt: Bei 36000 hm Jahres­leistung und 80 kg Fahrergewicht ist dieser Verschleiß nicht außergewöhnlich.


TUNING


370 km: Reifenwechsel
Tausch des Schwalbe Rock Razor Snake Skin 2.35 gegen einen Schwalbe Hans Dampf 2.35 nach der ersten Transalp (370 km). Die kleinen Mittelstollen lieferten bei Nässe und steilen Aufstiegen zu wenig Traktion. Eine 200er-Disc vorne würde ich schweren Fahrern empfehlen.


DER TESTER
Thomas Roegner, Bikeguide, Touren-Autor
56 Jahre / 1,80 m / 80 kg
Fahrerprofil: Lange Touren, knackige Trails und reichlich Alpenüberquerungen
Lieblingsgsreviere: Südtirol, Südafrika, Südalpen


BEZIEHUNGS-HIGHLIGHTS

Alpen, Alpen, Alpen – Ganz klar, bei mir als Transalp-Guide musste sich das One-Forty vor allem auf den Trails der Alpen bewähren, insbesondere auf dem Weg zum Gardasee. Beispiele: der Bunker-Trail (101) vom Plamort, der 500 auf dem Penegal (Mendel-Pass) und der 602 vom Monte Gazza/Gardasee. Steil, steinig, mitunter technisch. Mit
145 mm Federweg, flachem Lenkwinkel und steifem Chassis für das Merida-All-Mountain kein Problem.

Tester Thomas Roegner in den Alpen


DAS SAGEN DIE LESER


"Ich bin mit der 2015er-Version die BIKE Four Peaks gefahren. Das Bike ist super. Natürlich ist man bei Bergauf-Schotterpassagen mit einem Hardtail besser bedient. Wenn es ruppig wird, hat man dank Trail-Modus aber super Traktion." (Jo First, Facebook)


"Ein super Teil. Macht alles mit. Flowtrails, Treppen, Bikepark, Haarnadelkurven. Und auf langen Touren ist es sehr bequem. Daumen hoch." (Michael Melcher, Facebook)


Test: Merida One-Forty 7.700

Hersteller/Modell/Jahr
Merida One-Forty 7.700 / 2015
Fachhandel/Versender
Fachhandel
Herstellerangaben
Allgemeine Infos
Merida & Centurion Germany GmbH, 07159/9459-600, www.merida.de
Material/Grössen/Testgrösse
/ H: S, M, L, XL / L
Preis
2699.00
Preis (Rahmen)
BIKE-Messdaten
Gewicht ohne Pedale
13920.00
Lenk-/Sitzrohrwinkel
67.20
Vorbau-/Oberrohrlänge
60.00
Radstand/Tretlagerhöhe
1192.00
Federweg Vo. min/max, Hi. min/max
-/-, -/-
Übersetzung
2
BB Drop/Reach/Stack
-17.00/447.00/610.00
Ausstattung
Gabel/Dämpfer
Fox 32 Float 27.5 150 CTD/Fox Float CTD Boostvalve, Performance Series
Kurbel/Schaltwerk/Schalthebel
Shimano XT/Shimano XT/Shimano XT
Bremsanlage/Bremshebel
Shimano XT/Shimano XT
Laufräder/Reifen
- Shimano XT DT-Swiss 530D Shimano XT DT-Swiss 530D/Schwalbe Nobby Nic Evo Pace Star Snake Skin 2,35 Schwalbe Rock Razor Evo Pace Star Snake Skin 2,35
BIKE Urteil¹
Das BIKE-Urteil gibt die Labormesswerte und den subjektiven Eindruck der Testfahrer wieder. Das BIKE-Urteil ist preisunabhängig. BIKE-Urteile: super (150-125 P.), sehr gut (124,75-110 P.), gut (109,75-90 P.), befriedigend (89,75-65 P.), mit Schwächen, ungenügend.

Themen: All MountainDauertestMeridaOne-FortyTest


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