Trailbike Scott Spark 700 Tunes Plus im Dauereinsatz

Josh Welz

 · 22.02.2018

Trailbike Scott Spark 700 Tunes Plus im DauereinsatzFoto: Robert Niedring
Trailbike Scott Spark 700 Tunes Plus im Dauereinsatz

Das Scott Spark lockte BIKE-Chefredakteur Josh Welz von der Enduro- in die Trail-Liga. Doch die Beziehung ging früh in die Brüche. Sehr zur Freude einiger Kollegen.


LAUFLEISTUNG 2705 Kilometer | 45.200 Höhenmeter

Es war vor einem Jahr. Gerade hatte ich das Spark voller Vorfreude als Dauertest-Bike empfangen, da war es auch schon vorbei mit all dem Frohsinn. Ein blöder Unfall, Knie-OP, Saison im Eimer – von da an hätte das schicke Trailfully sein Dasein eigentlich als schnödes Therapie-Gerät fristen müssen. Doch die Reize des edlen Scotts waren auch manchem Kollegen nicht verborgen geblieben. So wurde das Bike gleichermaßen als Dienstgefährt für Langstreckenabenteuer und für Bikepark-Ausflüge entliehen. Ich selbst kurbelte auf dem Spark 1800 Kilometer überwiegend auf knieschonenden Flachetappen. Am Ende schafften es diverse Piloten auf 2705 Kilo- und 45200 Höhenmeter.

Verlagssonderveröffentlichung

Die unterschiedlichen Fahrertypen, die es auf das Spark abgesehen hatten, machen dann auch seinen universellen Charakter deutlich: Den knapp bemessenen Federweg haben die Schweizer mit flachen Winkeln kombiniert und damit so etwas wie den Prototypen des modernen Trailbikes geschaffen. Freilich funktioniert dieses Konzept besonders gut in dünnluftigen Preissphären: Bei 7799 Euro müssen selbst Fachhandelsmarken nicht um den letzten Heller feilschen: Sram-XX1-Eagle-Antrieb, Fox-Factory-Fahrwerk und leichte Syncros-TR1.5-Laufräder – damit schafft es das Spark trotz 2,8 Zoll breiter Maxxis-Recon-Schlappen auf 11,6 Kilo.

Apropos Reifen: Ich bin kein ausgemachter Freund von Plus-Pneus. Aber an diesem Bike machen sie Sinn. Denn für technische Downhills ist der Federweg trotz 66,6 Grad flachem Lenkwinkel knapp. Die Plus-Reifen bringen das Quäntchen Zusatzkomfort.

Auch verschleißtechnisch kann sich die Bilanz des Sparks sehen lassen: Drei Sätze Bremsbeläge, eine aufgesplisste Zughülle und eine verbogene Steckachse – das war’s. Darüber hinaus attestiert BIKE-Laborleiter Christoph Allwang dem Spark die Halbwertzeit eines Schiffsdiesels. Gibt’s auch Kritik? Das tiefe Tretlager erfordert beim Pedalieren auf Wurzel-Trails äußerste Vorsicht, die (180er) Scheiben vorne dürften größer ausfallen, und der – an sich lobenswerte – Twinloc-Hebel funktionierte am Ende zäh.


FAZIT: leichtes Multitalent, das im Dauerbetrieb kaum Federn ließ. Würde ich es mir kaufen? Ja. Aber meine Frau würde mir bei dem Preis wohl den Hals umdrehen!

  Scott Spark 700 Tuned Plus: verbogene SteckachseFoto: Robert Niedring
Scott Spark 700 Tuned Plus: verbogene Steckachse


DEFEKTE / WARTUNG


• 820 km – Verbogene Steckachse: Hoher Sprung, flache Landung, geringer Federweg – diese Kombination steckte die 15-Millimeter-Achse nicht ohne Blessuren weg. Den Hersteller hat es trotzdem gewundert: "Haben wir noch nie gesehen."
• 900 km / 1900 km – Bremsbeläge verschlissen: Drei Sätze Bremsbeläge – kein übermäßiger Verschleiß für die geleisteten Kilo- und Höhenmeter. Allerdings fiel die Sram Guide Ultimate mit ihren 180er-Scheiben nicht nur durch mäßige Bremsleistung, sondern auch durch Schleif- und Quietschgeräusche auf.


TUNING


• 960 km – Griffwechsel: Die Scott-eigenen Gummis waren im Nu verschlissen und wurden gegen weniger komfortable, aber langlebigere Contec-Trail-Schraubgriffe ersetzt.

  Scott Spark 700 Tuned Plus – Schwergängiger Twinloc-Hebel: Zwei Fliegen mit einer Klappe: Mit dem Twinloc-Hebel lässt sich die Plattform an Dämpfer und Gabel zweistufig vom Lenker aus verstellen. Allerdings ist der Hebelweg für das Lockout recht lang, und mit der Zeit wurde der Hebel immer schwergängiger. Am Ende war die Zughülle aufgesplisst und musste getauscht werden. Foto: Robert Niedring
Scott Spark 700 Tuned Plus – Schwergängiger Twinloc-Hebel: Zwei Fliegen mit einer Klappe: Mit dem Twinloc-Hebel lässt sich die Plattform an Dämpfer und Gabel zweistufig vom Lenker aus verstellen. Allerdings ist der Hebelweg für das Lockout recht lang, und mit der Zeit wurde der Hebel immer schwergängiger. Am Ende war die Zughülle aufgesplisst und musste getauscht werden. 


DAS SAGEN DIE LESER

"Sieht nicht nur toll aus, es fährt sich auch so. Als Umsteiger vom Race-Spark bin ich voll happy – außer mit der Bodenfreiheit: Hatte schon mehrere Beinahe-Abflüge auf Wurzel- und Fels- Trails und mittlerweile einen Satz Pedale in Einzelteile zerlegt. Mit 29er-Radsatz wär’ das vermutlich nicht passiert. Aber ich liebe das Bike trotzdem ..." Urs Grendelmeier

"Achtet mal auf die Einführung von Schaltzügen und Bremsleitung in den Rahmen. Dort scheuert es bei allen 2017er-Modellen an den Leitungen." Fritz Grünewald

"Mega, aber über die Reifen sollte man sich Gedanken machen. Nur für trockenes Geläuf. Einsatz im Bikepark ist mit Downhill-Reifen gerade so machbar." Sven Dietsche


BEZIEHUNGS-HIGHLIGHTS


Wechselnde Partnerschaften
Seine Beziehungs-Highlights hatte das Spark beim Fremdgehen: Langstreckenbestie Henri Lesewitz entführte das Spark auf eine Vier-Tage-Tour mit 9000 Höhenmetern, und Dauertest-Kollege Franz Fischer erklomm damit eine Woche lang praktisch jeden Gipfel am nördlichen Gardasee.


Funktionalität 6 von 6 Punkten
Haltbarkeit 5 von 6 Punkten


DER TESTER


Josh Welz, BIKE-Chefredakteur, 50 Jahre
Größe / Gewicht 1,83 m / 80 kg
Fahrerprofil Mittellange Touren, technische Trails
Lieblingsreviere Saalbach, Bayerische Voralpen, Hausrunden auf den Isar-Trails

  Scott Spark 700 Tuned PlusFoto: Robert Niedring
Scott Spark 700 Tuned Plus


Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe BIKE 12/2017 können Sie in der BIKE-App (iTunes und Google Play) lesen oder die Ausgabe im DK-Shop nachbestellen:

Meistgelesene Artikel

Unbekanntes Element