MarathonTrek Top Fuel 9.9 SL im Test

Christoph Listmann

 · 11/23/2016

Trek Top Fuel 9.9 SL im TestFoto: Jens Heilmann

Nein, jetzt mal nichts über Drogen. Top Fuel ist nichts zum Spritzen, Aufkochen oder Achlucken. Hier geht’s um Power und Flammen.

Trek teilt die Biker in wissende und unwissende. Insider verstehen sofort den Zusammenhang von Modellname und Fahreigenschaften. Für alle anderen: Als Top Fuel werden Klassen im Dragstersport (Beschleunigungsrennen) bezeichnet, bei denen Nitromethan als Treibstoff verwendet wird. Top-Fuel-Piloten sitzen auf einem Pulverfass. Auf Asphalt wie im Gelände. Doch von vorn: Das brandneue Top Fuel ersetzt das ehemals beste Pferd im Stall von Trek, das Superfly FS. Die Neuentwicklung profitiert in Sachen Steifigkeit vom Boost-148-Standard. Der ermöglicht kürzere Kettenstreben, macht das Bike wendiger und die Laufräder steifer. Die Laufradgröße wächst mit der Rahmengröße. Von 17,5 Zoll an rollt das Bike auf 29, darunter auf 27,5 Zoll großen Rädern. Nur das getestete Top-Modell zieht alle Register, bietet den Vollcarbon-Rahmen und die sündteuren DT-Swiss-Carbon-Laufräder. 8999 Euro (Rahmen 3199 Euro) sind trotzdem heftig – der Abstand zu den Mitbewerbern ist groß. Erwartungsgemäß liefert das Top Fuel im Testlabor Spitzenwerte ab: Leichtester Rahmen, geringstes Gesamtgewicht, sehr steifer Gesamteindruck. Solange das Terrain nicht zu extrem wird, ist das Top Fuel die Messlatte. Gewaltiger Vortrieb, lange Geometrie – mit blockiertem Fahrwerk sprintet man wie mit einem Rennrad. Richtig raues Gelände wird zum Ritt auf der Rasierklinge. Die Reifen haben den Grenzbereich eines Dragster-Slicks im Regen, die frontlastige Sitzposition bestraft Sekundenschlaf sofort. Die RS1-Gabel funktionierte schwächer als gewohnt, auch das Heck reagierte erstaunlich zäh. Wie ein Dragster spricht auch das Top Fuel zwei Typen Kunden an: Profis und Liebhaber. Achtung: Shimanos XTR-Schaltung mit 32 Zähnen vorne und 11–40 hinten reicht für ein Etappenrennen kaum aus. Gut: 40 Jahre Garantie. Als Crash Replacement gewährt Trek aber nur 20 Prozent Rabatt.


Fazit: Das Top Fuel ist ein Feuerstuhl für besondere Tage – ein Dragster ist auch kein Alltagsauto. Kein anderes Racefully hängt so gut am Gas, keins fährt schneller. Also los: Schluss mit dem Lotterleben. Kalorien zählen, Wattmesser kaufen, Lizenz lösen und endlich das Energy-Food-Abo abschließen.


Die Alternative: Es ist ein krasser Preisunterschied zum günstigeren Top Fuel 9.8 SL (4999 Euro, 11 Kilo). Dafür muss man auf den Carbon-Hinterbau und die RS1-Gabel verzichten. Geschaltet wird mit Sram X01/X1 (BIKE 10/15).

  Trek Top Fuel 9.9 SLFoto: BIKE Magazin
Trek Top Fuel 9.9 SL
  Trek: Das Fahrwerk ist sportlich, begeistert aber nicht restlos. Wir haben vorne nur 87 mm genutzt und hinten gerade mal 93 von 109 mm.Foto: BIKE Magazin
Trek: Das Fahrwerk ist sportlich, begeistert aber nicht restlos. Wir haben vorne nur 87 mm genutzt und hinten gerade mal 93 von 109 mm.
  Trek Top Fuel 9.9 SLFoto: BIKE Magazin
Trek Top Fuel 9.9 SL
  Trek: Robuster Schlagschutz unterm Unterrohr. Gute Idee, denn der Rahmen kostet alleine 3199 Euro.Foto: Jens Heilmann
Trek: Robuster Schlagschutz unterm Unterrohr. Gute Idee, denn der Rahmen kostet alleine 3199 Euro.
  Trek: Der Xloc-Lockout treibt dem Fahrwerk das letzte Quäntchen Humor aus. Blockiert geht das Top Fuel vorwärts wie ein Rennrad.Foto: Jens Heilmann
Trek: Der Xloc-Lockout treibt dem Fahrwerk das letzte Quäntchen Humor aus. Blockiert geht das Top Fuel vorwärts wie ein Rennrad.
  Trek: Eins können wir dem Top Fuel attestieren: Es ist das schnellste Race-Fully, das Trek je gebaut hat. Aber nicht das komfortabelste.Foto: Jens Heilmann
Trek: Eins können wir dem Top Fuel attestieren: Es ist das schnellste Race-Fully, das Trek je gebaut hat. Aber nicht das komfortabelste.
  Trek: Breite Carbon-Laufräder von DT Swiss mit schmalen Semislicks.Foto: Jens Heilmann
Trek: Breite Carbon-Laufräder von DT Swiss mit schmalen Semislicks.

Meistgelesene Artikel