Marathon

Test: KTM Scarp 29 Prestige Di2 2015

Christoph Listmann

 · 27.05.2015

Test: KTM Scarp 29 Prestige Di2 2015Foto: Daniel Simon

Das Top-Modell Prestige paart modernste Technik mit extravagantem Rahmen-Design. Das ist fast schon Kunst.

KTM und Rennsport, das gehört zusammen wie Mozartkugel und Salzburg. So ist das Flaggschiff der Österreicher – wie könnte es anders sein – ein Racefully von Format. Schon die Optik des Vollcarbon-Rahmens begeistert. Die Formsprache verspricht Vortrieb. Auch die Rock-Shox-RS1-Upside-down-Gabel fügt sich perfekt ins Bild. Genauso gut ist den Entwicklern die Integration der XTR Di2 gelungen. Der Akku ist in der Sattelstütze versteckt, Leitungen und Züge bestmöglich geführt. Der Blick auf die Geometrie zeigt einen steilen Lenkwinkel (verspricht agile Lenkung), lange Kettenstreben und ein tiefes Tretlager (steht für Fahrstabilität bergab). Die Sitzposition fällt nicht so rennmäßig aus wie beim Cannondale. Die Zielgruppe dürfte daher etwas größer sein. Das Scarp besitzt durchaus Langstreckenqualitäten.

Der Blick auf das breite Cockpit zeigt: Hier fehlt was – nämlich der linke Schalthebel. KTM nutzt die Stärken der Di2 konsequent. Schließlich reicht dank der Syncro-Shift-Funktion der rechte Hebel für alle 22 Gänge aus. Der vordere Umwerfer wechselt automatisch die Kette. Der linke Daumen kann sich damit voll auf die Bedienung des Full-Sprint-Hebels konzentrieren, der Gabel und Dämpfer gleichzeitig scharfmacht. Ein Klick, und es geht vorwärts: Die straffe Plattform hilft an kurzen Rampen und langen Anstiegen gleichermaßen. Man sitzt angenehm und kann sich gut vorstellen, viele Stunden lang den Streckenmarkierungen eines Marathons zu folgen. Sobald es ruppig wird, entspannt ein Zucken mit dem Daumen das Fahrwerk. Die RS1 spricht fein an, das Heck ebenso. Es nutzt wie die Gabel den Federweg jedoch nicht ganz aus. Was aber auch an der glitschigen Teststrecke und der dadurch mangelnden Risikobereitschaft der Testfahrer gelegen haben könnte. Geht es bergab, vermittelt das Scarp unmittelbar Vertrauen. Es verträgt hohes Tempo, die Reifen passen zum Einsatzbereich. Ein super Bike. Doch für das Urteil "Super" reicht es nach BIKE-Maßstäben gerade so nicht. Gegenüber den Mitbewerbern verliert das Scarp Punkte in den Kriterien Gewicht, Garantie (nur drei Jahre) und Steifigkeit.


PLUS Schönes Design, gelungenes Handling, gute Rahmen-Details
MINUS Harte Griffe, nur drei Jahre Garantie, mäßig steif


Fazit Schnittiger Marathon-Racer, der mit seinem ausgefallenen Design beeindruckt. Liefert bergauf wie bergab eine überzeugende Vorstellung und ist preislich nicht ganz so abgehoben wie die Mitbewerber.


Die Alternative: Für 7599 Euro steigt man aufs Top-Modell in 27,5 Zoll. Das Scarp 27 Prestige Di2 besitzt Fox- statt Rock-Shox-Fahrwerk, der Rest bleibt gleich. Die mechanische XTR startet bei KTM ab 4899 Euro.

  KTM verzichtet auf den linken Schalthebel, setzt voll  auf die Syncro-Shift-Funktion. Dadurch braucht sich der linke Daumen nur mit dem Full-Sprint-Lockout beschäftigen.Foto: Daniel Simon
KTM verzichtet auf den linken Schalthebel, setzt voll auf die Syncro-Shift-Funktion. Dadurch braucht sich der linke Daumen nur mit dem Full-Sprint-Lockout beschäftigen.
  Ärgerlich: Die Bremsleitung legte mangels Schutzfolien das Material der RS1-Gabel am KTM Scarp frei. Stolze Besitzer müssen ihre neuen Bikes unmittelbar sorgsam abkleben.Foto: Daniel Simon
Ärgerlich: Die Bremsleitung legte mangels Schutzfolien das Material der RS1-Gabel am KTM Scarp frei. Stolze Besitzer müssen ihre neuen Bikes unmittelbar sorgsam abkleben.
  Geometrie KTM Scarp 29 Prestige Di2 2015Foto: BIKE Magazin
Geometrie KTM Scarp 29 Prestige Di2 2015
  KTM Scarp 29 Prestige Di2 2015: Die RS1 zeigt eine frühe, hohe Endprogression, wirkt straffer als das Heck. Den Federweg nutzten wir insgesamt nicht aus.Foto: BIKE Magazin
KTM Scarp 29 Prestige Di2 2015: Die RS1 zeigt eine frühe, hohe Endprogression, wirkt straffer als das Heck. Den Federweg nutzten wir insgesamt nicht aus.

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