Rassiges Race-FullyMerida Ninety-Six 9.Team im Test

Stefan Loibl

 · 27.05.2016

Rassiges Race-Fully: Merida Ninety-Six 9.Team im TestFoto: Sportograf
Rassiges Race-Fully: Merida Ninety-Six 9.Team im Test

Von Rennfahrern für Rennfahrer. Und für solche, die es gerne wären: Weil sogar Hardtail-Verfechter José Hermida im Worldcup aufs Ninety-Six umsattelte, taten wir das für unseren Renneinsatz auch...

Wir griffen fürs Etappenrennen Protective BIKE Four Peaks zum neuen Racefully der Taiwanesen – statt zum Hardtail. Doch streng genommen ist das Merida Ninety-Six eine Mogelpackung, aber eine positive. Denn auf dem Prüfstand im BIKE-Labor und unter Rennbedingungen konnten wir aus dem straffen Monarch-Dämpfer 100 Millimeter herauskitzeln. Vier Millimeter mehr also, die sich im Sattel optimal nutzen lassen: sensibel genug, um groben Schotter herauszufiltern und am Ende des Federwegs nicht übertrieben progressiv. Wenn man das Fahrwerk straff mit 20–25 Prozent SAG abstimmt, spürt man auch bei schnellen Antritten kaum Kraftverluste. Geht es im Windschatten mit Kette rechts über befestigte Pisten oder gar Asphalt, haben RS-1-Gabel und Dämpfer sowieso nichts mehr zu melden. Denn ein Daumenklick am hydraulischen Kombi-Hebel macht das Racefully fast zum Starrbike. Dass die Rennfahrer des Multivan Merida Biking Teams bei der Geometrie einiges Mitspracherecht hatten, spürt man ab der ersten Minute im Sattel. Im Vergleich zum Marathon-Fully Ninety-Nine wurde das Oberrohr verkürzt, aber gleichzeitig der Reach einen Tick länger. Ein etwas flacherer Lenkwinkel, kürzere Kettenstreben und ein kürzerer Radstand sorgen dafür, dass das Ninety-Six agil um enge Kurven zirkelt, sich dabei aber deutlich entspannter steuern lässt als das Ninety-Nine. Auf eine sportliche Sattelüberhöhung muss man aber dank des –5-Grad-Vorbaus nicht verzichten. Leider standen am Test-Bike noch nicht die leichten Serienlaufräder zur Verfügung, die das Gewicht der Team-Version um etwa ein halbes Kilo drücken sollen.

Verlagssonderveröffentlichung

Womit Hobby-Racer aber bei Alpenrennen ernsthaft ins Schwitzen kommen, ist die Einfach-Schaltgruppe. Denn, schraubt man sich ein kletterfreundliches Blatt an die Kurbel, fehlt in Drückerabschnitten ein großer Gang – und andersherum.

  Ein Race-Fully durch und durch: das Merida Ninety-Six 9.Team.Foto: Hersteller
Ein Race-Fully durch und durch: das Merida Ninety-Six 9.Team.

Test-Fazit zum Merida Ninety-Six

Rassiges Racefully für anspruchsvolle Strecken mit überraschend hohen Komfortreserven. Um die 1x11-Übersetzung drücken zu können, braucht man allerdings die entsprechenden Oberschenkel.

Update für 2017 für das Merida Ninety-Six

In der Saison 2016 warteten die Kunden vergeblich auf das Bike wie Merida bekanntgab. Umstrukturierungen beim Produktionspartner verhinderten, dass das neue Bike zeitgerecht auf den Markt kommt. „Wir werden deshalb im Frühsommer das Ninety-Six Modelljahr 2017 präsentieren und haben den Verzug dazu genutzt, gleich einige neue Trends umzusetzen", versprach Merida-Entwicklungsleiter Jürgen Falke. Für 2017 wurde dem Race-Fully, das der Tscheche Ondrej Cink im Worldcup fährt, ein neuer asymmetrischer Hinterbau spendiert, der deutlich steifer sein soll. Zudem kommt am Hinterbau der Boost-Standard zum Einsatz, der kürzere Kettenstreben (6 mm) und ein steiferes Hinterrad möglich macht. Die 2017er-Modelle des Ninety-Six sollen ab Herbst 2016 in die Merida-Shops rollen.


PLUS Souveränes Handling, sport­liche Sitzposition, aufgeräumtes Cockpit mit Doppel-Remote
MINUS 1x11-Gänge für Alpenrennen zu wenig Bandbreite

  Die Geometrie des Merida Ninety-Six 9.Team aus dem BIKE-LaborFoto: BIKE Magazin
Die Geometrie des Merida Ninety-Six 9.Team aus dem BIKE-Labor
  Voller Vortrieb: Ein Daumenklick am XLoc-Full-Sprint-Hebel macht aus dem Ninety-Six ein Starrbike – perfekt für festen Untergrund.Foto: Hersteller
Voller Vortrieb: Ein Daumenklick am XLoc-Full-Sprint-Hebel macht aus dem Ninety-Six ein Starrbike – perfekt für festen Untergrund.
  Mehr als der Name verspricht: 100 gut nutzbare Millimeter Hub bietet das Heck des Merida Ninety-Six.Foto: Hersteller
Mehr als der Name verspricht: 100 gut nutzbare Millimeter Hub bietet das Heck des Merida Ninety-Six.


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