Modern und leichtGiant Anthem 2022

Adrian Kaether

 · 18.11.2021

Modern und leicht: Giant Anthem 2022Foto: Adrian Kaether
Modern und leicht: Giant Anthem 2022

Ein erstklassiges Fahrwerk hatte das Giant Anthem schon länger. Für 2022 steht das Race-Bike auch mit moderner Geometrie und einem superleichten Rahmen im Startblock.

In Sachen Fahrwerk war das Giant Anthem schon länger eines der Top-Mountainbikes der Marathon-Liga. Das Problem: Vieles andere wirkte am 2018 letzmals überarbeiteten Anthem etwas unharmonisch und in die Jahre gekommen. Lenk- und Sitzwinkel „oldschool“, der Reach lang, die Front tief, der Lenker breit. So saß man sehr gestreckt auf der Rennfeile und trat bei hohem Sattelauszug schnell von hinten in die Pedale.

  Das neue Giant Anthem für 2022: 29 Zoll, 110/100 Millimeter Federweg, 11,26 Kilogramm (BIKE-Messung). Dass das neue Giant nicht noch leichter ist, geht auf das Konto der dickeren 34er-Gabel und Fox' Live-Valve-System.Foto: Georg Grieshaber
Das neue Giant Anthem für 2022: 29 Zoll, 110/100 Millimeter Federweg, 11,26 Kilogramm (BIKE-Messung). Dass das neue Giant nicht noch leichter ist, geht auf das Konto der dickeren 34er-Gabel und Fox' Live-Valve-System.
Verlagssonderveröffentlichung

Das neue Giant Anthem für 2022 ist ein völlig anderes Bike. Ausgewogen, harmonisch, modern. Die Geometrie ist angenehm sportlich, der Rahmen jetzt richtig leicht. Auch dank der neuen Hinterbau-Konstruktion, die mit flexenden Sitzstreben gegenüber dem Vorgänger Gewicht einspart. Diesen Hinterbau kombiniert man in Taiwan jetzt mit einer dickeren Gabel, die in Kombination mit einer langen Vario-Sattelstütze auch wilde Trail-Ritte möglich macht.

  Das Live-Valve-System ist das elektronische Fahrwerk von Fox. Bei Bedarf, zum Beispiel im Wiegetritt, strafft es den Dämpfer automatisch. So wird beim Sprint die volle Energie in Vortrieb umgesetzt.Foto: Georg Grieshaber
Das Live-Valve-System ist das elektronische Fahrwerk von Fox. Bei Bedarf, zum Beispiel im Wiegetritt, strafft es den Dämpfer automatisch. So wird beim Sprint die volle Energie in Vortrieb umgesetzt.

Das neue Giant Anthem 2022 im Überblick

  • Einsatzbereich: XC-Race, Marathon
  • Laufradgröße: 29 Zoll
  • Federweg: 110/100 Millimeter
  • Fahrwerk: Fox Live Valve
  • Gewicht: 11,26 Kilogramm (BIKE-Messung)
  • Rahmengewicht: 1761 Gramm ohne Dämpfer (BIKE-Messung)
  • Zwei Carbon-Modelle für 5199 Euro und 7699 Euro.
  • Teleskop-Stützen (30,9 mm) serienmäßig mit 150 Millimetern Hub bei Rahmengröße L
  Das günstigere der beiden Carbon-Modelle, das Anthem Advanced Pro 2, steht mit Fox-Performance-Fahrwerk und SLX-Gruppe für 5199 Euro beim Händler. Das eigentliche Einstiegsmodell Advanced Pro 3 wird in Deutschland und Österreich nicht verkauft.Foto: Giant
Das günstigere der beiden Carbon-Modelle, das Anthem Advanced Pro 2, steht mit Fox-Performance-Fahrwerk und SLX-Gruppe für 5199 Euro beim Händler. Das eigentliche Einstiegsmodell Advanced Pro 3 wird in Deutschland und Österreich nicht verkauft.
Das neue Design der Kabeleinlässe bietet eine saubere Optik und klemmt Kabel für Schaltwerk, Bremse und Variostütze am Steuerrohr.
Foto: Giant

Modern, aber wendig: Die Geometrie des Giant Anthem 2022

Mit einem Lenkwinkel von 69 Grad und einem Sitzwinkel von 73,5 Grad war die Geometrie des bisherigen Anthem schon länger nicht mehr zeitgemäß. Damit ist jetzt Schluss. Mit dem neuen Anthem verabschiedet sich Giant von Geometrien klassischer Racefullys und setzt eigene Akzente. Der Lenkwinkel des neuen Marathon-Bikes ist mit 67,5 Grad deutlich flacher als bisher, der Sitzwinkel ist mit 75,5 Grad spürbar steiler.

  Ein völlig neuer Rahmen mit moderner Geometrie prägt das neue Anthem. Der Sitzwinkel ist steiler, der Rahmen länger, der Lenkwinkel flacher als bisher. Einen Lenkanschlag verbaut Giant übrigens nicht. Nervig, da so leicht die Armaturen im edlen Carbon-Oberrohr landen können.Foto: Georg Grieshaber
Ein völlig neuer Rahmen mit moderner Geometrie prägt das neue Anthem. Der Sitzwinkel ist steiler, der Rahmen länger, der Lenkwinkel flacher als bisher. Einen Lenkanschlag verbaut Giant übrigens nicht. Nervig, da so leicht die Armaturen im edlen Carbon-Oberrohr landen können.

Damit man trotzdem nicht zu kurz sitzt, wurde der Reach um 15 Millimeter verlängert. Die Front steht jetzt auch dank der längeren Gabel einen Zentimeter höher als beim tiefen, sportlichen Vorgänger. Verkürzte Kettenstreben (431 statt 437 Millimeter) sollen den wendigen Charakter des Racefullys bewahren.

  Weil das Live-Valve-Fahrwerk so teuer ist, bleibt trotz des hohen Preises beim Topmodell "nur" Geld für die Shimano XT. Die liefert zuverlässige Performance, muss sich beim Gewicht aber der XTR geschlagen geben.Foto: Georg Grieshaber
Weil das Live-Valve-Fahrwerk so teuer ist, bleibt trotz des hohen Preises beim Topmodell "nur" Geld für die Shimano XT. Die liefert zuverlässige Performance, muss sich beim Gewicht aber der XTR geschlagen geben.

Abkehr von Maestro: Neuer Hinterbau mit flexenden Streben

Zugunsten des Gewichts verzichtet Giant beim neuen Anthem auch auf den bekannten Maestro-Hinterbau. Das aufwändige Design mit zwei Wippen und schwimmendem Dämpfer hatte sich in der Vergangenheit bewährt, ging jedoch wegen der Vielzahl an Gelenken zulasten von Gewicht und Haltbarkeit. Der neue Hinterbau kommt im klassischen Racebike-Design mit stehendem Dämpfer und flexenden Streben und soll die Qualitäten des bisherigen Fahrwerks mit einem geringeren Gewicht verbinden.

  Die Fox 34 bietet einen guten Kompromiss aus Leichtbau und Performance. Eine gute Wahl, um dem starken Hinterbau bergab Paroli bieten zu können.Foto: Georg Grieshaber
Die Fox 34 bietet einen guten Kompromiss aus Leichtbau und Performance. Eine gute Wahl, um dem starken Hinterbau bergab Paroli bieten zu können.
  Der Franzose Antoine Philipp vom Giant Factory Offroad-Team testet einen Prototyp seines neuen Wettkampf-Bikes beim UCI-Worldcup in Lenzerheide.Foto: Michal Cerveny
Der Franzose Antoine Philipp vom Giant Factory Offroad-Team testet einen Prototyp seines neuen Wettkampf-Bikes beim UCI-Worldcup in Lenzerheide.

Kontrolliert-verspielt: Das Giant Anthem auf dem Trail

Höhere Front, steilerer Sitzwinkel, kurze Kettenstreben: Wird das Giant Anthem dadurch zum Down-Country-Bike? Wir konnten uns auf matschigen, rutschigen Trails bereits einen ersten Eindruck vom neuen Racebike aus Taiwan verschaffen. Was dabei sofort auffällt: der hohe Wohlfühlfaktor. Auf dem neuen Anthem sitzt man deutlich moderner und Vorderrad-orientierter als auf dem Vorgänger. Die etwas höhere Front ist angenehmer für den Fahrer, ohne dass in steileren Passagen das Vorderrad zu schnell leicht wird.

So lässt sich das Anthem bergauf wie bergab intuitiv auch über rutschige Trails steuern und bleibt insgesamt recht handlich. Im Antritt ist das Anthem angenehm sportlich und direkt, auch dank der leichten Laufräder, die im Sprint das Gesamtgewicht des Bikes effektiv kaschieren.

  Via Bluetooth und App kann man noch tiefer in die Fahrwerkskonfiguration des Live-Valve-Systems einsteigen. Das Grund-Setup erledigt man aber ohne Smartphone ganz einfach mit einem Knopf am Batteriefach.Foto: Georg Grieshaber
Via Bluetooth und App kann man noch tiefer in die Fahrwerkskonfiguration des Live-Valve-Systems einsteigen. Das Grund-Setup erledigt man aber ohne Smartphone ganz einfach mit einem Knopf am Batteriefach.

Das Fahrwerk scheint trotz des neuen Designs an die Qualitäten des alten Bikes anzuknüpfen. Ruhig im Sitzen, auch im Wiegetritt und doch sensibel gegenüber kleinen Schlägen. Lediglich die neue Version des Fox Live-Valve-Systems hinterlässt einige Fragezeichen. Zwar reagiert es schnell und lässt sich intuitiv auf die eigenen Vorlieben abstimmen, dämpft aber auch im offenen Modus spürbar straff. Ob das Mehrgewicht und der hohe Preis den leichten Effizienzgewinn am Racefully wirklich rechtfertigen, oder ob man eine klassischen Fernbedienung am Lenker bevorzugt, muss jeder selbst entscheiden.

Einen ausführlichen Test mit allen Labordaten und Fahrbericht gibt's demnächst in BIKE 2/2022 – ab 4. Januar im Handel

  11,26 Kilogramm schwer und 7699 Euro teuer. Dafür kommt das Anthem Advanced Pro 1 auch mit leichten, hauseigenen Carbon-Laufrädern, kompletter Shimano-XT-Gruppe und Fox Performance-Elite-Fahrwerk mit Live-Valve. Das eigentliche Topmodell Advanced Pro 0 mit Fox Factory Fahrwerk und XTR-Gruppe wird es in Deutschland und Österreich nicht zu kaufen geben.Foto: Adrian Kaether
11,26 Kilogramm schwer und 7699 Euro teuer. Dafür kommt das Anthem Advanced Pro 1 auch mit leichten, hauseigenen Carbon-Laufrädern, kompletter Shimano-XT-Gruppe und Fox Performance-Elite-Fahrwerk mit Live-Valve. Das eigentliche Topmodell Advanced Pro 0 mit Fox Factory Fahrwerk und XTR-Gruppe wird es in Deutschland und Österreich nicht zu kaufen geben.

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