MarathonMerida Ninety-Nine

Christoph Listmann

 · 10/21/2011

Merida Ninety-NineFoto: Markus Greber

Mit dem Ninety-Nine knallt Merida der Race-Konkurrenz eins vorn Latz: superleicht, superschnell, dabei superkomfortabel.

Dem Ninety-Nine muss man mit der richtigen Attitüde begegnen. Ein Fully, das unter 9,5 Kilo wiegt, ist ein Spezialwerkzeug. Ein Skalpell. Kein Everyday-Cruiser. Es ist eines der wenigen Bikes, bei dem man enges Lycra tragen MUSS. Bei dem die auf eine Stunde veranschlagte Testrunde nach 53 Minuten zu Ende ist. Bei dem die Runde komplett im großen (39er) Blatt geht. Bei dem man gegen die Vernunft einen Gang schwerer schaltet, weil die Beschleunigung so geil ist. Gegenüber dem Vorgänger Ninety-Six besitzt das Ninety-Nine ein neues Rahmen-Layout mit neuer Dämpfer-Position und -Anlenkung. Der Vollcarbon-Rahmen soll 1,9 Kilo wiegen (mit 160 g Dämpfer), neu sind Taper-Steuerrohr, Postmount-Bremsaufnahme und die kugelgelagerte Carbon-Wippe. Die 7700 Euro teure Team-Version verdient ihre Bezeichnung nicht nur durch die VW-Multivan-Sticker. Das Bike ist aus der Box raus Weltmeister-tauglich ausgestattet. Highlight: Die superleichten Laufräder wiegen 3,1 Kilo komplett und das trotz Scandium-Felgen, nicht etwa Carbon.

Dass die Besohlung spitz ist, nimmt man hin. Wie beim Cup-Reifen auf einem Sportwagen muss man mit den Maxxis-Pneus wissen, was man tut. Übermut empfiehlt sich nicht. Die Federung funktioniert so gut, dass man sie nicht spürt, das ist ein Qualitätsmerkmal. Antriebseinflüsse treten nicht auf, das belegt auch die Berechnung im BIKE-Labor. Wir haben 111 Millimeter Federweg ermittelt, auf der Testrunde nutzten wir den fast aus. Die Gabel mit Twin-Shot-System lässt sich von 98 auf 64 mm reduzieren und zusätzlich blockieren, also auch im abgesenkten Zustand verriegeln. Mit komplett gesperrtem Fahrwerk saugt man auf der Straße Rennradfahrer in seinen Windschatten. Der Lenkwinkel ist 70,5 Grad steil (dadurch auch für 120er Gabeln tauglich), zusammen mit dem leichten Vorderrad ergibt dies ein enorm flinkes Lenkverhalten. Rennfahrer lieben obendrein den 74,5 Grad steilen Sitzwinkel. Die Sitzposition fällt entsprechend sportlich aus.


Fazit: Racefully der Spitzenklasse. Zielsetzung technisch auf höchstem Niveau realisiert, auf dem Trail ein blitzschnelles Rasiermesser für Könner.


PLUS Superleicht, sehr effizientes Fahrwerk, rennmäßiges Handling
MINUS hoher Preis

Foto: Markus Greber
  Neu entwickelter Hinterbau mit superleichtem Dämpfer und antriebsneutraler Kinematik. Neu sind u. a. Postmount-Bremsaufnahme und die kugelgelagerte Carbon-Wippe.Foto: Markus Greber
Neu entwickelter Hinterbau mit superleichtem Dämpfer und antriebsneutraler Kinematik. Neu sind u. a. Postmount-Bremsaufnahme und die kugelgelagerte Carbon-Wippe.
  Dem Rennsport verpflichtet: gutes Cockpit mit 660er-Lenker sowie zweimal Lockout für die Fernbedienung von Gabel und Hinterbau.Foto: Markus Greber
Dem Rennsport verpflichtet: gutes Cockpit mit 660er-Lenker sowie zweimal Lockout für die Fernbedienung von Gabel und Hinterbau.
  Auf unserem Prüfstand zeigt der Hinterbau mehr als die angegebenen 100 Millimeter Federweg. Viel Komfort für einen Racer! Wenn man nicht gerade Straßentraining machen will, wird das Lockout durch die gute Effizienz unnötig.Foto: Christoph Listmann
Auf unserem Prüfstand zeigt der Hinterbau mehr als die angegebenen 100 Millimeter Federweg. Viel Komfort für einen Racer! Wenn man nicht gerade Straßentraining machen will, wird das Lockout durch die gute Effizienz unnötig.

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