Marathon-FullyDauertest Giant Anthem Advanced Pro 2 – 3750-km-Fazit

Jan Timmermann

 · 25.01.2023

Dauertest Giant Anthem Advanced Pro 2
Foto: Georg Grieshaber

Im Giant Anthem Advanced Pro 2 sieht der größte Bikehersteller der Welt mehr als nur ein Marathon-Fully. Wie schlägt sich das Konzept aus leichtem Chassis, Vario-Stütze und Federwegsplus im Langzeittest?

Es lässt sich unschwer erkennen, dass das Ziel bei der Entwicklung des Giant Anthem Advanced Pro 2 nicht ausschließlich die Bestzeit war. Zwar verabschiedet sich Giant am Hinterbau vom bekannten Maestro-System des Vorgängermodells. Flexende Sitzstreben und eine Carbon-Wippe sparen dafür einiges an Gewicht. 2,4 Zoll breite Reifen und eine Teleskopstütze mit 150 Millimetern Hub serienmäßig sprechen aber eher die Sprache eines Down-Country-Bikes. Dazu passen auch die 110-Millimeter-Gabel mit dicken 34er-Standrohren und der 67,4 Grad flache Lenkwinkel.

Ausstattung: Der Blick auf die Teileliste

Da das Pro-3-Modell in Deutschland und Österreich nicht verkauft wird, ist das Giant Advanced Pro 2 ein teures Einstiegsmodell in Giants neuem Racefully-Line-up. Zumal die Taiwanesen den Preis während des Testzeitraums um 200 Euro auf nun 5399 Euro erhöht haben. Dafür ist der Blick auf die Teileliste ernüchternd: Shimano-SLX-Antrieb, Deore-Bremsen, Laufräder und Anbauteile der Eigenmarke. Auf der Haben-Seite stehen dafür ein mit 1640 Gramm sehr leichter und schicker Carbon-Rahmen sowie ein Fox-Performance-Fahrwerk.

Kein Maestro-System: Giant verzichtet auf die bekannte untere Umlenkwippe sowie ein Lager. Stattdessen arbeitet der abgestützte Eingelenker mit Flex im Carbon-Hinterbau.Foto: Georg Grieshaber
Kein Maestro-System: Giant verzichtet auf die bekannte untere Umlenkwippe sowie ein Lager. Stattdessen arbeitet der abgestützte Eingelenker mit Flex im Carbon-Hinterbau.

Mit langem Reach und steilem Sitzwinkel integriert die neue Geometrie den Fahrer zentral im Bike. Von der gestreckten Sitzposition konservativer Racebikes hat sich Giant verabschiedet. Hinter der hohen Front sitzt man aufrechter und komfortabler als von klassischen 100-Millimeter-Fullys gewohnt. Trotz der Sparausstattung gefiel auf langen Tages-Touren auf der Schwäbischen Alb der Vortrieb des 11,5 Kilo leichten Anthem. Im Advanced-Carbon-Rahmen stecken ganz klar Marathon-DNA und Tuning-Potenzial. Trotz ihrer Breite rollen die Maxxis-Rekon-Reifen im Tubeless-Setup schnell, Platten waren während des Testzeitraums keine zu beklagen. Im Trail-Anstieg zeigt sich das neue Hinterbaukonzept sehr lebendig und generiert viel Grip. Allerdings wippt der Dämpfer im Wiegetritt und lässt sich auch mit zugeschalteter Plattform nicht vollständig beruhigen. Der Druckpunkt der günstigen Shimano-Bremsen ist weniger definiert als bei teureren Modellen.

Stark, schnell & sicher: Das Giant Anthem auf dem Trail

Seine Stärken spielt das Giant vor allem auf Touren mit hohem Trail-Anteil aus. Bergab erzeugen der flache Lenkwinkel, die breiten Reifen und der 750 Millimeter breite Lenker ein hohes Sicherheitsgefühl. Im deutschen Mittelgebirge erwies sich das Anthem bergab als echter Bestzeitenjäger. Satt und stabil läuft das Bike durch schnelle, ruppige Passagen. Auf den Trails im Schwarzwald und im Pfälzerwald fühlte sich das Anthem dank steifer Gabel mit Federwegsplus mehr nach leichtem Trailbike als nach Rennfeile an. Durch langgezogene, offene Kurven läuft das Giant wie auf Schienen und nimmt viel Tempo mit. In engen Spitzkehren braucht es jedoch einen größeren Input vom Fahrer, um das Anthem zum Richtungswechsel zu bewegen.

Günstig, aber gut: Für einen Preis von über 5000 Euro gibt es am Anthem nur Shimano-Deore-Bremsen. Die Stopper funktionieren jedoch einwandfrei.Foto: Georg Grieshaber
Günstig, aber gut: Für einen Preis von über 5000 Euro gibt es am Anthem nur Shimano-Deore-Bremsen. Die Stopper funktionieren jedoch einwandfrei.

Haltbarkeit: Das Anthem überzeugt

Die Vario-Stütze entwickelte schon früh leichtes laterales Spiel. Bei schlammigen Bedingungen an der Albkante blieb sie abgesenkt stecken, funktionierte nach Ausbau und Reinigung aber wieder zuverlässig. Zwar laufen alle Züge noch geschmeidig, doch der Lockout-Hebel vermeldet ein störendes Knarzen. Federgabel und Dämpfer sprechen weiterhin feinfühlig an. Nach 2500 Kilometern war die erste KMC-Kette verschlissen, zum Ende des Tests die zweite. Während die Bremsscheiben noch ausreichend Dicke aufweisen, sind die ausdauernden Originalbeläge nun abgefahren – nach knapp 3800 Kilometern eine günstige Investition. Hinterbaulager, Steuersatz und Innenlager blieben trotz Dreckbeschuss dicht, entwickelten kein Spiel und laufen weiterhin reibungslos. Auch die Naben drehen sich noch sauber, und die Speichenspannung passt. Insgesamt liefert das Giant Anthem Advanced Pro 2 in Sachen Dauerhaltbarkeit eine überzeugende Vorstellung.

Dauerhaft schön: Im Lack des Anthem schimmern Glitzer-Flakes. Ein zeitloses Design, das lange gefällt.Foto: Georg Grieshaber
Dauerhaft schön: Im Lack des Anthem schimmern Glitzer-Flakes. Ein zeitloses Design, das lange gefällt.

Fazit: Dauertest Giant Anthem Advanced Pro 2

“Das Giant Anthem Advanced ist ein perfektes Bike für schnelle Hausrunden und lange Mittelgebirgs-Touren. Vor allem bei hohem Trail-Anteil geht die Kombination aus leichtem Carbon-Rahmen und abfahrtsorientierten Parts gut auf. Angesichts des Preises kann die einfache Ausstattung nicht begeistern. Dafür funktionieren die Teile zuverlässig und ausdauernd.” Stephan Gerlach, BIKE-Dauertester
Stephan Gerlach,
 BIKE-Dauertester, Café-Besitzer und Model (
44 Jahre, 70 kg, 180 cm
): Er liebt die Langstrecke und fährt gerne 
Trailtouren an der schwäbischen Albkante.Foto: Privatfoto
Stephan Gerlach, BIKE-Dauertester, Café-Besitzer und Model ( 44 Jahre, 70 kg, 180 cm ): Er liebt die Langstrecke und fährt gerne Trailtouren an der schwäbischen Albkante.

Technische Daten und Bewertung: Dauertest Giant Anthem Advanced Pro 2

  • Rahmenmaterial: Carbon, Größe L
  • Preis / Gewicht: 5199 Euro / 11,5 kg o. Pedale
  • Federweg: 108 mm /104 mm
  • Laufradgröße: 29 Zoll
  • Gabel / Dämpfer: Fox 34 Float Performance / Fox Float Performance Elite

Laufleistung: 3750 km | 85500 hm

Bewertung Giant Anthem Advanced Pro 2Foto: BIKE-Testabteilung
Bewertung Giant Anthem Advanced Pro 2

Kosten im Dauerbetrieb

Auch am Ende des Dauertests laufen Federelemente und Laufräder noch einwandfrei. Hohe Service-Kosten blieben aus. Gemessen an der einfachen Ausstattung ist der Wertverlust hoch. Dafür fallen die Verschleißkosten gering aus.

*Den Wertverlust ermittelten wir anhand vergleichbarer Gebrauchtangebote auf den gängigsten Plattformen. | en.Foto: BIKE-Testabteilung
*Den Wertverlust ermittelten wir anhand vergleichbarer Gebrauchtangebote auf den gängigsten Plattformen. | en.

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