Duell BMC Fourstroke gegen Rocky Mountain Element

Christoph Listmann

 · 12.06.2013

Duell BMC Fourstroke gegen Rocky Mountain ElementFoto: Ronny Kiaulehn
Duell BMC Fourstroke gegen Rocky Mountain Element

Wer Trails mag, wird diese Bikes lieben. BMC und Rocky Mountain zeigen, wie man bewährte Konzepte durch Tuning noch besser macht.

Pimp my ride – der Titel einer TV-Serie auf MTV wurde vor zehn Jahren zum geflügelten Wort der gesamten Tuning-Branche. Egal, ob bei Auto oder Bike, "pimp my ride" steht für verbessern, verschönern, verschnellern. BMC und Rocky Mountain hatten die gleiche Idee und pimpen ihre 29er-Rennmaschinen auf Trail-Tauglichkeit. Dazu stecken sie längere Gabeln und Teleskop-Stützen in ihre bekannten Fahrwerke, feilen an Übersetzung und Reifenwahl. Woher diese Inspiration kommt, wird bei den Modellbezeichnungen schnell klar: BC steht für die anspruchsvollen Trails von British Columbia. Trailcrew heißt bei BMC die Entwickler-Spezialeinheit mit Fahrspaß-Auftrag. Doch nun zur Frage: Who pimps it right – welches ist besser gelungen?

Verlagssonderveröffentlichung

Beide Fullys besitzen edle Carbon-Hauptrahmen mit Alu-Hinterbau und beenden dieses Kriterium mit ausgezeichneten 2,4 Kilo Fahrwerksgewicht unentschieden. Für Verarbeitung und Detaillösungen zeichnen wir beide Rahmen mit der Höchstpunktzahl aus. Etwas steifer ist die BMC-Konstruktion, und beim kompletten Laufradgewicht hat das BMC den Stollen um fast 300 Gramm vorn. Dieser Vorsprung manifestiert sich auch beim Gesamtgewicht. Die Federwege ähneln sich, allerdings stattet Rocky Mountain das Element mit einer absenkbaren Talas-Gabel aus, was steilen Rampen den Schrecken nimmt – der Punkt geht an Kanada. Der Pimp-my-ride-Eingriff geht nicht spurlos am ursprünglichen Bike-Konzept vorbei: Die aufgemotzten Gabeln verändern die Geometrie, flachen den Sitz- und Lenkwinkel um ein Grad ab. Um so mehr Sinn macht also die Niveau-Regulierung, beim BMC schiebt man eben den Sattel etwas weiter nach vorne. Schweiz und Kanada spielen bei der Ausstattung auf ähnlichem Niveau – Gleichstand.

Gemessen am Preis werfen beide Hersteller nicht gerade mit Edelteilen um sich. Die SRAM-X9-Schaltgruppe kreiden wir beiden Bikes an. Ob man mit der Dreifach-Kurbel am Rocky oder der Zweifach-Garnitur des BMC glücklicher wird, ist eine Frage des individuellen Geschmacks. Die größere Übersetzungsbandbreite kriegt man definitiv beim Element BC, wenn sich auch beide Bikes beim 24-36-Klettergang nicht unterscheiden. Die Herstellergarantie erstreckt sich bei beiden Bikes auf fünf Jahre, die Kanadier bieten das Element in fünf Rahmengrößen an. Das BMC ist leichter, preisgünstiger und gewinnt das Duell auf dem Papier: ein Punkt Vorsprung. Auf dem Trail wird man mit beiden glücklich, hier bleiben die erfahrbaren Unterschiede gering. Das BMC ist länger und sportlicher, das Rocky unterstützt mit der kompakteren Sitzposition einen verspielteren Fahrstil.


Fazit Christoph Listmann, BIKE-Testleiter:

BMC und Rocky Mountain haben ihren Race-Fahrwerken mit Testosteron aufgespritzt und umgesetzt, was sich anspruchsvolle Biker wünschen. Mehr Federweg, Teleskop-Sattelstütze und andere Finessen machen aus den Marathon-Maschinen potente Trail-Räuber. Sie sind dadurch leichter zu kontrollieren, fahren sicherer und nähern sich dem Traum "ein Bike für alles" an. Das Rocky hinterlässt den besseren Allround-Eindruck, das BMC ist einen Tick sportlicher und 500 Euro günstiger. Coole Bikes sind sie beide.


BMC Fourstroke FS 02 29 Trailcrew
PLUS Sportliches Handling, leichtes Fahrwerk, Liebe zum Detail, Bashguard
MINUS Flacher Lenker, kurzer Vorbau, nur drei Rahmengrößen

  BMC Fourstroke FS 02 29 Trailcrew 2013Foto: Georg Grieshaber
BMC Fourstroke FS 02 29 Trailcrew 2013
  BMCs VPP-System nutzt den Federweg in der Praxis aus, ist jedoch ebenfalls – besonders im Wiegetritt – nicht frei von Antriebseinflüssen.Foto: Georg Grieshaber
BMCs VPP-System nutzt den Federweg in der Praxis aus, ist jedoch ebenfalls – besonders im Wiegetritt – nicht frei von Antriebseinflüssen.
  Dank SRAMs Matchmaker-Schelle ist das Cockpit sehr aufgeräumt. Der flache Lenker gefiel den Testern nicht, ein Riserbar wäre angenehmer.Foto: Georg Grieshaber
Dank SRAMs Matchmaker-Schelle ist das Cockpit sehr aufgeräumt. Der flache Lenker gefiel den Testern nicht, ein Riserbar wäre angenehmer.
  Mehr Fahrkomfort bietet das BMC, im Wiegetritt spürt man etwas Unruhe im VPP-Hinterbau – typisch für diese Bauart. Auch hier hilft der Trail-Modus.Foto: BIKE Magazin
Mehr Fahrkomfort bietet das BMC, im Wiegetritt spürt man etwas Unruhe im VPP-Hinterbau – typisch für diese Bauart. Auch hier hilft der Trail-Modus.


Rocky Mountain Element 970 RSL BC Edition
PLUS Leichtes Fahrwerk, vielseitiger als das Modell Element, aufgeräumtes, breites Cockpit
MINUS Relativ schwere Laufräder, hoher Preis

  Rocky Mountain Element 970 RSL BC Edition 2013Foto: Georg Grieshaber
Rocky Mountain Element 970 RSL BC Edition 2013
  Die knapp 100 Millimeter nutzbarer Federweg am Heck bleiben in der BCEdition unangetastet. Statt Dämpfer-Lockout gibt’s das CTD-System.Foto: Georg Grieshaber
Die knapp 100 Millimeter nutzbarer Federweg am Heck bleiben in der BCEdition unangetastet. Statt Dämpfer-Lockout gibt’s das CTD-System.
  Viel Federweg an der Gabel, dazu eine Niveau-Regulierung, die an sehr steilen Anstiegen hilfreich wird, denn die längere Gabel flacht den Sitzwinkel ab.Foto: Georg Grieshaber
Viel Federweg an der Gabel, dazu eine Niveau-Regulierung, die an sehr steilen Anstiegen hilfreich wird, denn die längere Gabel flacht den Sitzwinkel ab.
  Nur das Rocky hat eine Niveau-Regulierung an der Gabel. Das Heck zeigt Tendenz zum Wippen, braucht den Trail-Modus am Dämpfer.Foto: BIKE Magazin
Nur das Rocky hat eine Niveau-Regulierung an der Gabel. Das Heck zeigt Tendenz zum Wippen, braucht den Trail-Modus am Dämpfer.

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