MarathonDauertest: Specialized Epic S-Works 29

Christoph Listmann

 · 11.10.2012

Dauertest: Specialized Epic S-Works 29Foto: Georg Grieshaber

Während es sonst von Worldcup-Mechanikern Q-Tip gepflegt wird, ging das Specialized Epic S-Works 29 bei Redakteur Listmann durch die Hölle. Es hat die Folter ausgezeichnet überlebt.


Dauertest-Leistung: 2.756 Kilometer, ca. 35.000 Höhenmeter bergab

Was hat dieses Bike alles über sich ergehen lassen müssen. Messfahrten mit Data-Recording, 24-Stunden-Rennen, Gondel-Wochenenden mit 4500 Bergab-Höhenmetern pro Tag. Mit schnellen, schmalen Reifen nutzte ich es als Rennrad-Ersatz auf dem Weg zur Arbeit, mit kernigem Profil ging ich Enduros jagen – erstaunlich, was im Fahrwerk steckt, das eher für den CC-Worldcup konstruiert wurde. Ich schraubte im Testzeitraum alle neuen 29er-Komponenten dran, die probiert werden mussten (u. a. drei verschiedene Gabeln, auf die Teleskop-Stütze wollte ich dann nicht mehr verzichten). Außerdem ertrug das sündteure Epic viele verschiedene Fahrer. Jedem, der erleben wollte, wie ein 29er fährt, habe ich das Epic unter den Hintern geklemmt: "Hier, probier’ selbst!" Die Behandlung war entsprechend lieblos: schnell mit dem Hochdruckreiniger drüber, Fahrerwechsel. Schlechter ergeht es auch einem Billig-Mietwagen nicht. Niemand, der 7200 Euro abgedrückt hat, würde sein Bike so behandeln. Erstaunlich, dass als einzige Kriegsverletzung ein eingelaufenes Innenlager bleibt – hier müssen neue Lager rein. Außerdem machten die Leichtbaubremsen mehrfach Mucken. Die Skepsis gegenüber den superleichten Carbon-Laufrädern war unbegründet. Sie steckten alle Misshandlungen weg und laufen rund wie am ersten Tag. Nach diversen Reifenwechseln blieb ich den Onza Canis treu: griffig auch bei Nässe und Fels, pannensicher und vor allem mit geringem Verschleiß.


Fazit: Zur Markteinführung 2011 war es konkurrenzlos das beste, schnellste 29er-Fully. Der Einsatzbereich ist durch die großen Laufräder trotz des geringen Federwegs gigantisch. Ein Bike, an dem man überall und lange Freude hat.


Defekte / Veränderungen:
1. Teleskop-Stütze montiert – 150 km: Specialized Command Post erleichtert das Leben. Nicht mehr wegzudenken.
2. Innenlager eingelaufen – 670 km: Lager mehrmals wieder gängig gemacht
3. Gabel zu Testzwecken gewechselt – 1100 km: auf SID XX umgebaut, später eine Fox 32 F100 Terralogic montiert.

  Das Epic S-Works in Aktion mit BIKE-Testchef Christoph ListmannFoto: Robert Niedring
Das Epic S-Works in Aktion mit BIKE-Testchef Christoph Listmann
  Am Fahrwerk gab es nichts auszusetzen, den Federweg nutzt man voll.Foto: Georg Grieshaber
Am Fahrwerk gab es nichts auszusetzen, den Federweg nutzt man voll.
  Die linke Kettenstrebe ist stumpf vom Schuhkontakt.Foto: Georg Grieshaber
Die linke Kettenstrebe ist stumpf vom Schuhkontakt.
  Christoph Listmann (38), Bike-Testleiter: Fährt Bike seit 1989; Gewicht 78,5 kg; Größe 1,92 m; Fahrertyp All Mountain/Marathon; Lieblingsrevier Sölden/ÖtztalFoto: Robert Niedring
Christoph Listmann (38), Bike-Testleiter: Fährt Bike seit 1989; Gewicht 78,5 kg; Größe 1,92 m; Fahrertyp All Mountain/Marathon; Lieblingsrevier Sölden/Ötztal

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