KaufberatungSo finden Sie das richtige E-Mountainbike

Stephan Ottmar

 · 07.12.2015

Kaufberatung: so finden Sie das richtige E-MountainbikeFoto: Markus Greber
Kaufberatung: so finden Sie das richtige E-Mountainbike
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3000 Euro sind für ein vernünftiges E-Mountainbike schnell verpulvert. Bei solchen Summen sollten Sie vorher genau überlegen, worauf es Ihnen ankommt, damit der Lustkauf nicht im Frust endet.

Wer beim Lieblings-Italiener die Wahl hat zwischen Pizza und Pasta, kann bedenkenlos eine Bauchentscheidung treffen. Je nach Lust und Laune mag das eine oder das andere Gericht die beste Wahl sein. Wer ein E-Bike kaufen möchte, hat es da schwerer – und trägt die Konsequenzen länger. Ein Essen ist 24 Stunden später verdaut, ein Rad steht für Jahre im Keller. Und nur wenn der Kauf gut war, darf das Bike so oft wie möglich an die frische Luft und muss nicht in den Katakomben verstauben.

Sie haben die Entscheidung getroffen, unter die E-Mountainbiker zu gehen? Herzlichen Glückwunsch! Dann liegen Sie voll am Puls der Zeit. Kaum eine Fahrradgattung verzeichnet aktuell größere Wachstumsraten. Die Showrooms der Hersteller sind voll mit einer bunten Auswahl individueller Designs, bestückt mit Komponenten auf unterschiedlichen Preisniveaus. Die Schwierigkeit ist, aus dieser Angebots-Fülle das Richtige herauszufiltern. Das ist vor allem für Einsteiger nicht einfach. Wer kann sagen, welche Ansprüche er an einen Sportwagen hat, wenn er noch nie am Steuer saß? Wenn Sie noch nie ein E-Bike ausprobiert haben, muss der erste Schritt eine Probefahrt sein – nur so erfahren Sie, was E-Biken bedeutet. Eine kleine Warnung voraus: Rechnen Sie unbedingt damit, dass sich sofort nach dem ersten Aufsitzen ein breites Grinsen auf Ihr Gesicht schleicht. Das ist völlig normal – und sagt nichts über die Qualität des Modells! Aber erst so eine Testfahrt schafft das grundsätzliche Verständnis dafür, was mit solchen Rädern möglich ist. Der zweite Schritt besteht dann aus ­einer sehr genauen Analyse Ihrer persönlichen Ansprüche. Bei Mountainbikes ist die Spezialisierung weit fortgeschritten. Je nach Einsatzbereich sind die verschiedenen Gattungen mehr oder weniger sinnvoll. Welcher Typ Mountainbike am besten zu Ihnen passt, finden Sie über unsere Typologie hier heraus.

Verlagssonderveröffentlichung
  Wenn das E-MTB optimal zu den eigenen Ansprüchen passt, ist Fahrspaß garantiert.Foto: Markus Greber
Wenn das E-MTB optimal zu den eigenen Ansprüchen passt, ist Fahrspaß garantiert.

Doch auch in puncto Motor müssen ­einige Entscheidungen getroffen werden. Die erste ist, welche Leistung und Endgeschwindigkeit der Antrieb liefern soll. In unseren Tests von E-Mountainbikes beschränken wir uns auf Pedelecs mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde. Diese Klasse bietet die breitesten Einsatzmöglichkeiten und jeder darf sie ohne Führerschein und Zusatzkenntnisse überall dort steuern, wo Fahrräder erlaubt sind. Für Klassen mit höheren Geschwindigkeiten gelten recht restriktive Gesetze. Die Bezeichnung Pedelec bedeutet, dass der Motor nur dann unterstützt, wenn der Fahrer selbst zusätzlich in die Pedale tritt.
Für Mountainbikes mit Vollfederung kommen aus unserer Sicht nur Mittelmotoren in Frage. Das haben auch die Hersteller verstanden; Fullies werden nur noch sehr vereinzelt mit Hinterradmotoren ausgestattet. Denn Standard-Nabenmotoren – bei denen der Motor fix im Hinterrad verbaut ist – haben gegenüber den Mittelmotor-Konzepten den großen Nachteil, dass die Drehzahl des Motors gegenüber der Drehzahl des Hinter­rades nicht übersetzt werden kann. Elektromotoren funktionieren aber besser, wenn die Drehzahlen höher ­liegen. Die Folge: Der Zusatzschub der Hinterradantriebe ist bei niedrigen Geschwindigkeiten meist gering. Und wenn es steil bergauf geht, laufen diese Systeme schneller heiß. Wer häufig Touren mit steilen Anstiegen macht, sollte also ein Mittelmotor-Bike kaufen.

Trotzdem kann es sinnvoll sein, sich für ein E-Mountainbike mit Heck­antrieb zu entscheiden; nämlich dann, wenn die Ansprüche an die Bergauf­qualitäten nicht so entscheidend sind. Wer nur moderate Anstiege befährt oder sehr kurze steile Rampen bewältigen muss, kommt auch mit einem Heckantrieb gut zurecht und bezahlt weniger. Wenn Sie die Entscheidungen zum Einsatzbereich und Motorkonzept getroffen haben, finden Sie in unserem Magazin regelmäßig intensive Tests aktueller E-Mountainbikes, in denen wir die Bikes beschreiben, analysieren und bewerten. In diesem Special haben wir 16 Räder getestet. Eine Bauchentscheidung ist so überflüssig und das richtige Bike schnell gefunden. Und Pizza oder Pasta beim Lieblingsitaliener schmecken nach einer ordentlichen Biketour dann gleich doppelt so gut.

Welcher Fahrertyp sind Sie?

Wenn Sie bereits länger Mountainbiken, kennen Sie natürlich die Anforderungen, die Sie an Ihr Bike stellen. Starten Sie gerade erst durch, können Sie sich an den folgenden Charakteren orientieren:


Hardtail-Fahrer

  E-MTB-Hardtails gibt es viele am Markt.Foto: Daniel Simon
E-MTB-Hardtails gibt es viele am Markt.

E-Mountainbiker mit relativ geringen Ambitionen im Gelände sind in dieser Gruppe zu Hause. Wer ein komfortables Rad sucht, das sich bequem auf Schotter- und Waldwegen bewegen lässt und nur relativ selten fahrtechnisch anspruchsvolles Gelände unter die Stollen bekommt, der ist in dieser Klasse gut aufgehoben. Außerdem sind die Bikes günstiger als Vollgefederte. Heck- oder Mittelmotor? Egal.


All Mountain-Biker

  All Mountains sind E-MTB-Fullys mit bis zu 150 mm Federweg.Foto: Daniel Simon
All Mountains sind E-MTB-Fullys mit bis zu 150 mm Federweg.

Der Begriff All Mountain umschreibt den klassischen Tourenfahrer. Die Bikes müssen ordentliche Fahrwerke besitzen, um auch in herausforderndem Terrain zu brillieren. Sie sollten Federwege zwischen 100 und 150 Millimeter besitzen. Je mehr Federweg, desto geländetauglicher. Mit diesen Bikes absolvieren Sie lange Touren – egal, ob entspannt auf dem Radweg oder auf anspruchsvollen Alpen-Trails.


Freerider

  Die Königsklasse unter den E-MTB-Fullys: die Enduro- und Freeride-Bikes.Foto: Georg Grieshaber
Die Königsklasse unter den E-MTB-Fullys: die Enduro- und Freeride-Bikes.

Wer sein Bike als Gondel- oder Shuttle-Ersatz sieht, braucht ein Enduro- oder Freeride-Bike. Potente Fahrwerke sind ein Muss. Ab 150 Millimeter geht’s los, mehr ist besser. Das Limit ist hier der Akku, denn mehr als 1000 Höhenmeter schafft kaum ein Antriebssystem ohne ordentliche Unterstützung vom Fahrer. E-Bikes in dieser Klasse sind derzeit noch selten.

Nützliche Infos zu E-Mountainbikes

Vieles, was für Mountainbikes gilt, lässt sich auf E-Bikes übertragen – aber es gibt Unterschiede.


Radgröße Früher waren 26-Zoll-Räder bei Mountainbikes Gesetz. Seit wenigen Jahren gilt das nicht mehr. Zwei neue Radgrößen haben das alte Maß abgelöst: 27,5 und 29 Zoll. Die größeren 29-Zöller rollen etwas leichter, die kleineren 27,5er-Räder sind etwas wendiger und eignen sich meist besser für kleinere Menschen.

Geometrie Rein auf der Basis von Geometriedaten lässt sich kein Bike kaufen. Mit etwas Erfahrung lässt sich jedoch auf Basis der Angaben eine gewisse Tendenz ableiten. Probieren Sie ein Bike vor dem Kauf aber unbedingt aus.

Fahrwerks-setup Um Federgabel und den Hinterbau optimal anzupassen, ist eine Menge Detailwissen nötig. Das umfangreiche Fahrwerks-Special von BIKE hilft weiter.

Transport E-Bikes wiegen in der Regel um die 20 Kilo. Wenn Sie Ihr Rad mit dem Auto transportieren wollen, raten wir zu einem Träger für die Anhänger­kupplung. Muss man die Bikes sehr hoch heben, ist das mühsam. Achten Sie darauf, die Gewichts­beschränkung des Radträgers nicht zu überschreiten.

Ausstattung: Darauf sollten Sie beim E-MTB achten


REIFEN

  ReifenFoto: Georg Grieshaber
Reifen

Ständige Pannen nerven. Weil E-Bikes schwerer sind, brauchen sie stärkere Reifen-Karkassen, um Durchschläge zu vermeiden. Leichte Mountainbike-Reifen sind hier nicht sinnvoll. Die meisten Reifenhersteller bieten verstärkte Versionen an.


SCHALTUNG

Foto: Markus Greber

Einige Motortypen ermöglichen lediglich ein Kettenblatt an der Kurbel. Wer steil bergauf fahren möchte, sollte hier auf eine große Gangspreizung achten. Besonders sinnvoll sind Kassetten mit einem großen 42er-Ritzel.


BREMSEN

  BremsenFoto: Daniel Simon
Bremsen

Große Bremsscheiben an Mountainbikes ergeben aus zweierlei Gründen Sinn: Zum einen sinkt die Bedienkraft, zum anderen erhöht sich die Standfestigkeit. Für E-MTB-Bremsscheiben gilt: vorne und hinten nicht kleiner als 180 mm.


FAHRWERK

  FahrwerkFoto: Markus Greber
Fahrwerk

Federgabel und Dämpfer beeinflussen maßgeblich die Funktion des Fahrwerks. Hochwertige Komponenten lassen sich sehr fein abstimmen und perfekt auf Fahrer und Untergrund ­anpassen. Zusätzlich erhöhen Steckachsen die Steifigkeit.

Das passende Zubehör


1 RADHOSE UND TRIKOT

Foto: Daniel Simon

Wer lange im Sattel sitzt, braucht unbedingt eine Radhose mit Sitzpolster, um Scheuerstellen im Schritt in Schach zu halten. Eine Überhose ist nicht unbedingt notwendig, hat aber optische Vorzüge. Ein atmungsaktives Trikot dazu ist sinnvoll.


2 RUCKSACK UND INHALT

Foto: Georg Grieshaber

Für die Tour ist ein bequemer Bike-Rucksack mit Wasserreservoir praktisch, denn viele E-Bikes bieten keine Möglichkeit zur Montage eines Flaschenhalters. Was muss rein? Ersatzschlauch, Pumpe, Minitool und eine Regenjacke sind die minimale Ausstattung.


3 HANDSCHUHE

Foto: Daniel Simon

Für Mountainbiker haben sich Handschuhe mit langen Fingern bewährt. Sie schützen vor dem schmerzhaften Kontakt mit Ästen und bieten guten Grip am Bremshebel. Bei einem Sturz lassen sich Abschürfungen an den Händen vermeiden.


4 PEDALE UND SCHUHE

Foto: Hersteller

Wenn Sie viel und ausdauernd mit geringer Motorunterstützung radeln, empfehlen wir Klickpedale und entsprechende Radschuhe. Wer sich damit nicht anfreunden mag, greift zu stabilen Plattformpedalen und Radschuhen mit flacher, griffiger Sohle.


5 HELM UND BRILLE

Foto: Georg Grieshaber

Pedelec-25-Fahrer können auf die fast unbegrenzte Auswahl an Radhelmen zurückgreifen. Für alle, die schneller fahren, wird es schwierig, denn für diese junge Klasse gibt es kaum spezielle Radhelme. Eine Brille gegen Fahrtwind, spritzende Steinchen und Äste ist unbedingt empfehlenswert.

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