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Ist die regionale Fertigung von Fahrrädern nachhaltiger?

BIKE Magazin

 · 17.01.2022

Ist die regionale Fertigung von Fahrrädern nachhaltiger?Foto: Marius Maasewerd

Viele Hersteller wollen die Produktion zurück nach Deutschland verlagern. Ist das nachhaltiger? Und was hat die mangelnde Zuverlässigkeit in Asien damit zu tun?

Immer mehr Hersteller wollen ihre Produktion von Fernost zurück nach Deutschland verlagern. Klar, regional ist nachhaltiger als global, oder? Und was hat die mangelnde Zuverlässigkeit in Asien damit zu tun? Wir haben vier prominente Stimmen der Bike-Branche eingefangen.

  Lutz Scheffer, Konstrukteur: "Die Verlagerung der Produktionen zurück nach Deutschland hat mit schnellerer Verfügbarkeit zu tun. In Sachen Nachhaltigkeit unterscheidet sich das aber kaum. Zwar entfällt der Transport, doch der macht nur einen Bruchteil aus. Vielleicht machen Kompromisse Sinn. Hersteller könnten ihre Rahmen und Teile ausschließlich mit Containerschiffen transportieren, die auf Kraftstoff mit weniger Schadstoffen setzen."Foto: Colin Stewart
Lutz Scheffer, Konstrukteur: "Die Verlagerung der Produktionen zurück nach Deutschland hat mit schnellerer Verfügbarkeit zu tun. In Sachen Nachhaltigkeit unterscheidet sich das aber kaum. Zwar entfällt der Transport, doch der macht nur einen Bruchteil aus. Vielleicht machen Kompromisse Sinn. Hersteller könnten ihre Rahmen und Teile ausschließlich mit Containerschiffen transportieren, die auf Kraftstoff mit weniger Schadstoffen setzen."
  Jürgen Schlender, Alutech Cycles: "Auf Zusagen aus Asien ist wenig Verlass. Daher schweißen wir unsere Rahmen jetzt in Deutschland. Wenn mich der Kunde anruft und einen Rahmen bestellt, schau’ ich ins Lager und kann verlässlich ein Auslieferungsdatum nennen. Wirklich nachhaltig wird es aber erst, wenn auch die Rohstoffe in Europa produziert werden, denn die kommen immer noch aus Asien. Den Kunden gefällt die Idee jedenfalls."Foto: Georg Grieshaber
Jürgen Schlender, Alutech Cycles: "Auf Zusagen aus Asien ist wenig Verlass. Daher schweißen wir unsere Rahmen jetzt in Deutschland. Wenn mich der Kunde anruft und einen Rahmen bestellt, schau’ ich ins Lager und kann verlässlich ein Auslieferungsdatum nennen. Wirklich nachhaltig wird es aber erst, wenn auch die Rohstoffe in Europa produziert werden, denn die kommen immer noch aus Asien. Den Kunden gefällt die Idee jedenfalls."
  Christian Gemperlein, Carbon Team: "Wir produzieren in Portugal. Weniger aufgrund der Nachhaltigkeit, mehr wegen der kurzen Wege und der damit verbundenen Zuverlässigkeit. Die Fertigung unterscheidet sich deutlich von der in Asien. Wir haben ein anderes Verarbeitungs­verfahren und damit höhere Qualität. Wirklich nachhaltiger sind im Grunde nur die Arbeitsbedingungen, die sind nämlich auf EU-Niveau."Foto: Hersteller
Christian Gemperlein, Carbon Team: "Wir produzieren in Portugal. Weniger aufgrund der Nachhaltigkeit, mehr wegen der kurzen Wege und der damit verbundenen Zuverlässigkeit. Die Fertigung unterscheidet sich deutlich von der in Asien. Wir haben ein anderes Verarbeitungs­verfahren und damit höhere Qualität. Wirklich nachhaltiger sind im Grunde nur die Arbeitsbedingungen, die sind nämlich auf EU-Niveau."
  Markus Bischoff, Oechsler (3D-Druck): "Die Krise hat vielen Firmen aufgezeigt, wie abhängig wir von Fernost sind. 3D-Druck in Deutschland macht Unternehmen flexibler und erspart ihnen lange Lieferzeiten. Doch das ist nicht alles. 3D-Druck lässt spezielle Verfahren zu – z. B. in Sachen Individualität. Wir drucken aktuell Sattelpolster für Specialized. Denkbar sind in Zukunft auch Griffe, Helme oder Schoner. Hierfür ist der 3D-Druck wie gemacht."Foto: Hersteller
Markus Bischoff, Oechsler (3D-Druck): "Die Krise hat vielen Firmen aufgezeigt, wie abhängig wir von Fernost sind. 3D-Druck in Deutschland macht Unternehmen flexibler und erspart ihnen lange Lieferzeiten. Doch das ist nicht alles. 3D-Druck lässt spezielle Verfahren zu – z. B. in Sachen Individualität. Wir drucken aktuell Sattelpolster für Specialized. Denkbar sind in Zukunft auch Griffe, Helme oder Schoner. Hierfür ist der 3D-Druck wie gemacht."

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