HardtailNehmerqualitäten: Conway RLC7

Christoph Allwang

 · 16.03.2020

Nehmerqualitäten: Conway RLC7Foto: Georg Grieshaber

Das Conway-Hardtail RLC zählt zwar nicht zu den Big Playern im Mountainbike-Rennzirkus, ködert aber mit schnittiger Optik. Kann der Preis/Leistungs-Race-Bike im Langzeittest bestehen?

LAUFLEISTUNG: 2.320 km | 29.450 hm

Epic, Scale oder F-SI heißen die wohlklingenden Statussymbole, die im Worldcup-Zirkus von Profis über die Rennstrecken pilotiert werden. Zu dieser Gattung Bike zählt das 2999 Euro günstige Conway eher nicht. Doch nüchtern betrachtet besitzt das Hardtail mit dem 1334 Gramm leichten Rahmen alles, was das Racer-Herz begehrt. Und auch die gelungene Optik mit dem modernen Design durchbricht das Diktat der reinen Funktionalität. Aber wie ist es um die Haltbarkeit des RLC7 bestellt?

Nach der ersten Einrollphase von 160 Kilometern standen zunächst ein Paar Tuning-Maßnahmen auf dem Programm. Denn, nur wer sich richtig wohlfühlt, kann auch seine volle Leistung entfalten. So kam mein eingefahrener Fizik-Arione-Sattel mit ans Bike, und der für meinen Geschmack etwas zu kurze und klobige Vorbau musste einem längeren Carbon-Modell weichen. Man sollte allerdings auf seinen Körper hören und mit 50 Jahren nicht mehr flachliegend durchs Gelände strampeln. Um den Rücken zu entlasten, kam also kurzerhand wieder der 70er-Vorbau ans Bike. Die ersten Kilometer des Dauertests fielen in die nass-matschige Jahreszeit, in Kombination mit gesalzenen Straßen. So musste die erste Kette bereits nach frühen 400 Kilometern runter. Die Schnee/Salz-Behandlung mit zu wenig Pflege und die anschließende schneebedingte Zwangspause von mehreren Wochen ließ die Kettenglieder im Rost erstarren.

Weitere 200 Kilometer später meldete sich die dünne 27,2er-Stütze, die in einer Reduzierhülse steckt, durch Knarzgeräusche zu Wort. Säubern und etwas Montagepaste auf den Kontaktflächen sorgte für Ruhe am Bike. Neben einigen erfolgreichen Renneinsätzen durfte sich das Conway auch in den Sommerferien auf einer dreitägigen Pässe-Tour in Frankreich beweisen. Leicht modifiziert und mit Packtaschen ausgerüs­tet, sammelte das RLC7 gut 5000 Höhenmeter auf schmalen Reifen. Als eingefleischter Gripshift-Fan tauschte ich die X01-Trigger gleich von Beginn an gegen einen Drehgriff. Ab 1400 Kilometern stellte sich jedoch ein wiederkehrendes, leichtes Schleifen der Kette ein. Das Problem ließ sich auch mit viel Zuwendung nicht beseitigen, sondern erst mit dem Original-Trigger-Hebel.

FAZIT zum Conway RLC7:

Bis auf Kleinigkeiten bei den Komponenten zeigte der Conway-Rahmen echte Nehmerqualitäten und muss sich keinesfalls vor der teureren Konkurrenz verstecken.

  Conway RLC7Foto: BIKE Magazin
Conway RLC7

TUNING

  Conway RLC7: 160 km Sattelstützenklemmung: Da ein Sattelschnellspanner an einem Racebike überhaupt nicht geht, kam kurzerhand diese Klemmschelle ans Sitzrohr. Schöner und zwölf Gramm leichter.Foto: Georg Grieshaber
Conway RLC7: 160 km Sattelstützenklemmung: Da ein Sattelschnellspanner an einem Racebike überhaupt nicht geht, kam kurzerhand diese Klemmschelle ans Sitzrohr. Schöner und zwölf Gramm leichter.
  Conway RLC7: 160 km Satteltausch: Mein bereits eingefahrener Fizik-Arione-Sattel musste natürlich mit an das Conway umziehen. Er brachte gewohnten Komfort und wog ganze 130 Gramm weniger.Foto: Georg Grieshaber
Conway RLC7: 160 km Satteltausch: Mein bereits eingefahrener Fizik-Arione-Sattel musste natürlich mit an das Conway umziehen. Er brachte gewohnten Komfort und wog ganze 130 Gramm weniger.

DEFEKTE | WARTUNG

  Conway RLC7: 400 + 1200 km Kettenwechsel: Nach der ersten Salzmisere und der komplett verrosteten Kette, war die zweite Kette bereits nach 1200 Kilometern fällig. Foto: Georg Grieshaber
Conway RLC7: 400 + 1200 km Kettenwechsel: Nach der ersten Salzmisere und der komplett verrosteten Kette, war die zweite Kette bereits nach 1200 Kilometern fällig. 
  Conway RLC7: 1400 km Gripshift unpräzise: Als Gripshift-Fan tauschte ich die Trigger gegen den Drehgriff. Aber bereits nach 1400 Kilometern schaltete der Hebel unpräzise. Er hatte zu viel Spiel bekommen.Foto: Georg Grieshaber
Conway RLC7: 1400 km Gripshift unpräzise: Als Gripshift-Fan tauschte ich die Trigger gegen den Drehgriff. Aber bereits nach 1400 Kilometern schaltete der Hebel unpräzise. Er hatte zu viel Spiel bekommen.

BEZIEHUNGS-HIGHLIGHTS

  Conway RLC7: Da das Conway zur Gattung der Racebikes zählt, musste es sich bei unterschiedlichen Renneinsätzen beweisen. Foto: Max Fuchs
Conway RLC7: Da das Conway zur Gattung der Racebikes zählt, musste es sich bei unterschiedlichen Renneinsätzen beweisen. 
  Conway RLC7: Neben einem Cross-Duathlon und einem Eliminator-Rennen zählte jedoch die dreitägige Pässe-Tour mit meinem Sohnemann zu den Highlights. Mit schmaleren und gut rollenden Reifen und Packtaschen versehen, erklommen wir den Col du Telegraph und den Col du Galibier. In den drei Tagen auf der Straße kamen so über 5000 Höhenmeter und täglich gut 120 Kilometer zusammen. Foto: Privatfoto
Conway RLC7: Neben einem Cross-Duathlon und einem Eliminator-Rennen zählte jedoch die dreitägige Pässe-Tour mit meinem Sohnemann zu den Highlights. Mit schmaleren und gut rollenden Reifen und Packtaschen versehen, erklommen wir den Col du Telegraph und den Col du Galibier. In den drei Tagen auf der Straße kamen so über 5000 Höhenmeter und täglich gut 120 Kilometer zusammen. 

DAS BIKE


Material Carbon
Rahmengröße M
Preis / Gewicht 2999 Euro / 10,36 kg ohne Pedale
Federweg 102 mm
Laufradgröße 29 Zoll
Gabel Rockshox SID RL

DER TESTER


Christoph Allwang, Leiter BIKE-Testlabor


Alter / Größe / Gewicht 50 Jahre / 1,77 m / 77 kg
Fahrerprofil Cross Country, Marathon, Tour, gerne mit Stoppuhr
Lieblingsreviere Toskana: Massa Marittima / Gardasee / Isar-Trails / Karwendel

  Christoph Allwang, BIKE Testlabor-LeiterFoto: Markus Greber
Christoph Allwang, BIKE Testlabor-Leiter


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