HardtailEinzeltest: Bamboo MTB 2014

Henri Lesewitz

 · 8/4/2014

Einzeltest: Bamboo MTB 2014Foto: Georg Grieshaber

Sie sind edel, sie sind besonders: Custom-Bikes versprechen den großen An- und Auftritt. Wir haben diesmal das rein pflanzliche Bamboo MTB getestet.

Es klingt unglaublich: Da wächst im sanft gewellten, vietnamesischen Hochland Bambus heran – gekrault vom Wind, genährt von Sonne und fruchtbarer Erde. Und dann wird dieser Bambus nach fünf Jahren geerntet und zu Mountainbikes verarbeitet. Rein pflanzlich, quasi. "Klar, das sind keine Bikes, mit denen man den 601 am Gardasee runterbrennen sollte", bremst Importeur Heinz Becher allzu große Erwartungen. Allerdings: "Normale Touren sind kein Problem. Auf Bambus kannst Du mit dem Hammer draufhauen, da passiert nix."

Fast 40 Stunden Handarbeit stecken in jedem Rahmen, die Bambus-Rohre sind mit Kokosfasern und Epoxydharz miteinander verbunden. Die Ausstattung des Test-Bikes unterstreicht den Einsatzbereich: entspanntes Cruisen. Der Vorbau ist kurz, der Sattel bequem, ein Umwerfer konstruktionsbedingt nicht vorhanden. Aufsteigen, beschleunigen. Zunächst ganz, ganz große Skepsis. Hält das Ding? Die Kilometer lassen den Mut wachsen, wie der Regen den Bambus.

Das Bike rollt souverän dahin und unterscheidet sich erst einmal wenig von konventionellen Artgenossen. Harter Antritt, Kurvenkombination, Vollbremsung, Antritt, Sprung, Wurzelteppich. Hossa! Das Bambus-Geröhr verwindet sich. Nicht dramatisch, aber doch spürbar. Das Rahmenmaterial ist zu pflanzlich, um optimal konifiziert zu sein. Also lieber das Tempo drosseln und abbiegen in seichteres Gelände. Dort fühlt sich das Bike pudelwohl. Der Öko-Flitzer kann vieles, wenn auch nichts so gut wie die Kollegen aus nicht nachwachsenden Rohstoffen. Bike oder Design-Gag? Ein Bike, definitiv.

Übrigens: keine Angst vor Pfützen. Die Bambus-Rohre treiben weder aus, noch wächst der 26-Zöller plötzlich zum Twentyniner heran.


Fazit hochgradig exotisches Custom-Bike mit Öko-Charme. Alltagstauglicher als erwartet. Trotzdem nur eingeschränkt für raues Gelände zu empfehlen.


PLUS Exklusive Optik, robustes Material, komfortable Sitzposition, gefertigt von einer Non-Profit-Organisation, netter Öko-Touch
MINUS Schwer, eingeschränkter Einsatzbereich, geringe Steifigkeit, keine Flaschenhaltergewinde, acht Wochen Lieferzeit

  Bamboo MTB 2014Foto: Georg Grieshaber
Bamboo MTB 2014
  Radhalter: Fasern aus Kokos verzurren die Alu-Ausfallenden mit dem Bambus. Ein Quersteg stabilisiert den Hinterbau bei Vollbremsungen.Foto: Georg Grieshaber
Radhalter: Fasern aus Kokos verzurren die Alu-Ausfallenden mit dem Bambus. Ein Quersteg stabilisiert den Hinterbau bei Vollbremsungen.
  Gute Führung: Die Leitung für die Hinterradbremse und das Kabel für die Schaltung verlaufen aufgeräumt unter dem wuchtigen Oberrohr.Foto: Georg Grieshaber
Gute Führung: Die Leitung für die Hinterradbremse und das Kabel für die Schaltung verlaufen aufgeräumt unter dem wuchtigen Oberrohr.
  Glanzstück: Damit das Bambus nicht von Pilzen oder Insekten befallen wird, werden alle Rohre hitzebehandelt und mit Klarlack versiegelt. Foto: Georg Grieshaber
Glanzstück: Damit das Bambus nicht von Pilzen oder Insekten befallen wird, werden alle Rohre hitzebehandelt und mit Klarlack versiegelt. 

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