DuellStorck Rebel Seven gegen Scott Scale 710

Stefan Loibl

 · 11.07.2013

Duell: Storck Rebel Seven gegen Scott Scale 710Foto: Georg Grieshaber

Vollgas von A nach B, aber bitte entspannt. Wir haben die neuen 650B-Hardtails von Storck und Scott über die Marathon-Rennstrecke gejagt.

Goldene Mitte oder müder Kompromiss? Lassen wir die Bewertung der Laufradgröße 650B mal außen vor. Das Thema ist ähnlich philosophisch wie die Frage, ob Bob Dylan der bessere Gitarren-Klampfer ist oder Neil Young. Weltmeister Nino Schurter fährt 650B. Das soll als Referenz genügen.

Während andere Hersteller noch abwartend das junge 650B-Segment beobachten, schicken Storck und Scott bereits edle Marathon-Hardtails mit 27,5-Zoll-Laufrädern auf die Piste. Die mittelgroßen Räder sollen die Quirligkeit von 26 Zoll mit der Laufruhe von 29 Zoll vereinen. Entspannt Vollgas? Beide Bikes haben unverkennbare Rennsport-Gene. Flache Cockpits, leistungsbereite Ausstattung. Also ab in den Startblock. Der berühmt-berüchtigte Marathon beim BIKE-Festival am Gardasee entblößt garantiert jede Materialschwäche.

Die Geometrien des Scott und des Storck unterscheiden sich nur in Nuancen. Der einzige nennenswerte Unterschied wird aber schon kurz nach dem Startschuss spürbar. Das Scott prescht mit langem Oberrohr und kurzem Vorbau voran. Was das Bike agil macht und gut klettern lässt. Doch das Storck, das mit einem kürzeren Oberrohr in Kombination mit einem längeren Vorbau ausgestattet ist, meistert extreme Steilstücke einen Hauch gelassener. Im Gegensatz zum Scott muss man nicht bis auf die Sattelspitze vorrutschen, um das aufsteigende Vorderrad zu bändigen. Steif sind beide Rahmen. Hauchdünner Vorsprung für Storck nach dem ersten Renndrittel. Rein in den Mittelteil der Strecke, dessen anspruchsvolles Trail-Konzentrat Mensch und Material das Äußerste abfordert. Steile, felsige, mit feuchtem Laub teilbedeckte Hammer-Trails!

Das fehlende Lenker-Lockout des Storck sorgt für einige brenzlige Situationen im ständigen Wechsel des Auf und Ab. Hier sollte eigentlich keine Hand ihre Griffposition verlassen. Vorteil für das Scott, das mit einem dreistufigen Verstellhebel am Cockpit auftrumpft. Leider haben die schmalen Reifen in den glitschigen, verblockten Steinfeldern so ihre Probleme. Die breiteren Schlappen des Storck haften deutlich besser. Beide Gabeln sind schluckfreudig und dank Steckachsen ausreichend verwindungssteif. Auch das Bremsen und das Schalten funktionieren gleichermaßen überzeugend, obwohl das Scott mit XT und das Storck mit deutlich preisintensiveren XTR-Komponenten bestückt ist. Mit verbundenen Augen wäre absolut kein Unterschied feststellbar. Gleichstand in dieser Sektion.

92 Kilometer und 3800 Höhenmeter zehren an den Kraftreserven. Trinken ist das A und O. Das Storck jedoch besitzt nur einen Flaschenhalter. Die Montage eines zweiten ist nicht vorgesehen. Ein gewaltiges Manko bei einem Marathon-Bike. Der Rahmen des Scott zeigt sich da wesentlich benutzerfreundlicher. Zwei tiefe Flaschenhalterposition ermöglichen den Transport von gleich zwei großen Flaschen. Ein dicker Pluspunkt dafür. Ohne einen Defekt huschen beide Bikes schließlich über die Ziellinie. Reifen an Reifen. Gabel an Gabel. Im Rennsport nennt man das ein Foto-Finish.


Storck Rebel Seven


PLUS Steifer, top verarbeiteter Rahmen, Schaltung und Bremsen, hohe Laufruhe, Steckachse vorne und hinten
MINUS Nur ein Flaschenhalter, kein Lenker-Lockout-Hebel
Testergebnis SEHR GUT / 124 Punkte

  Stock Rebel Seven 2013Foto: Georg Grieshaber
Stock Rebel Seven 2013
  Die querovalen Rohre am Storck sind eine Augenweide. Sie sind aber nicht optisches Gimmick, sondern das Ergebnis von Kraftflussberechnungen.Foto: Georg Grieshaber
Die querovalen Rohre am Storck sind eine Augenweide. Sie sind aber nicht optisches Gimmick, sondern das Ergebnis von Kraftflussberechnungen.
  Die hinteren Bremssättel sitzen bei beiden Bikes zwischen Sitzrohr und Kettenstrebe. So sind sie etwas mehr geschützt.Foto: Georg Grieshaber
Die hinteren Bremssättel sitzen bei beiden Bikes zwischen Sitzrohr und Kettenstrebe. So sind sie etwas mehr geschützt.


Scott Scale 710


PLUS Ausgewogenes Handling, super leichter, steifer Rahmen, erstklassige Trail-Eigenschaften, Steckachse vorne und hinten
MINUS Schmale Reifen, langweilige Optik
Testergebnis SEHR GUT / 123 Punkte

  Scott Scale 710 2013Foto: Georg Grieshaber
Scott Scale 710 2013
  Die Fox am Scott lässt sich bequem per Fernbedienung vom Lenker aus in zwei Stufen verhärten. Im Gegensatz zur Rock Shox ist es aber kein vollständiges Lockout.Foto: Georg Grieshaber
Die Fox am Scott lässt sich bequem per Fernbedienung vom Lenker aus in zwei Stufen verhärten. Im Gegensatz zur Rock Shox ist es aber kein vollständiges Lockout.
  Steckachsen sorgen für Steifigkeit. Gut, wenn sie wie am Scott mit einem Schnellspannhebel kombiniert sind. Storck verzichtet leider darauf.Foto: Georg Grieshaber
Steckachsen sorgen für Steifigkeit. Gut, wenn sie wie am Scott mit einem Schnellspannhebel kombiniert sind. Storck verzichtet leider darauf.

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