Hardtail

Dauertest: Storck Rebel Seven

Henri Lesewitz

 · 07.01.2014

Dauertest: Storck Rebel SevenFoto: Igor Schifris

Das Rebel Seven war Reporter Henri Lesewitz ein treuer Begleiter. Dann wurde Afrika für den Carbon-Flitzer zur Hölle.


Dauertest-Leistung: 3.430 km / 38.200 hm

Als weder Marathon-Hatz noch forsch gefahrene Touren-Kilometer dem Carbon-Flitzer nennenswerten Verschleiß abringen konnten, krönte ich den Dauertest mit einem Tag im Downhillpark. Selten hatten mich Charakter und Pannenbilanz eines Bikes so begeistert. Unkompliziert, speed-geil, steif, solide. Ich wollte mit der Computer-Tastatur schon die Lobeshymne anstimmen. Da entschloss ich mich, mit dem 27,5-Zoll-Rebel ein letztes Mal auf Kilometerjagd zu gehen – beim Cape Pioneer Trek in Südafrika, dem besonders harten unter den weltweit härtesten Etappen-Rennen.

Die Prologrunde war nur 15 Kilometer lang. Der steinige Untergrund zerschlitzte sogleich beide Racing Ralphs wie die Kondor-Kralle das Aas. Die Kette riss im hitzigen Schaltbetrieb zweimal. Fünf Kilometer nach dem Start der ersten Etappe verendete das XTR-Schaltwerk bei einem Schaltversuch im klebrigen Matsch. Ich durchlitt mit der Singlespeed-Notlösung 100 zähe Kilometer, während das äußere Leitblech des XTR-Umwerfers brach. Die raue zweite Etappe brachte einen Achter im Hinterrad, der sich aber problemlos zentrieren ließ. Am Tag vier waren die Bremsbeläge verschlissen. Als ich sie tauschte, sah ich den Riss im Sitzrohr. Ich bastelte eine Schelle aus einer Fanta-Dose und wagte mich damit auf die fies verregnete fünfte Etappe, wo die vortags montierten Bremsbeläge nach 30 Kilometern ihr Leben aushauchten. Ich bremste 40 Höllenkilometer allein mit den Schuhsohlen, was mein Nervenkostüm arg strapazierte. Am Ende quittierte noch die Rock Shox ihren Dienst. Unglaublich, aber so hat es sich zugetragen.


Fazit: Verschleiß ist nicht alleine eine Frage des Materials, sondern der Umstände. Das Storck war neun Monate lang ein treuer Begleiter. Die Bedingungen in Südafrika waren wohl einfach eine Spur zu extrem.


Funktionalität *****
Haltbarkeit **
(max. 6 Sterne)


Defekte

• 1600 km – Bremsbeläge/kette: Bremsbeläge und Kette noch okay, aber vorsorglich getauscht
• 2920 km – Reifen: Schwalbe Racing Ralph geschlitzt, gegen Continental X-King getauscht
• 2925 km – Schaltung/Umwerfer: XTR-Schaltung abgerissen, XTR-Umwerfer gerissen – ausgetauscht
• 3290 km – Beläge/Rahmen: Bremsbeläge getauscht, dabei Rahmenriss entdeckt (Sitzrohr)
• 3320 km – Beläge/Gabel: Beläge runter, Rock Shox Revelation völlig starr (Dichtungen defekt)


Das sagt Storck
Storck konnte bei Redaktionsschluss keine finale Aussage zum Rahmenriss treffen, da die Prüfung noch andauerte. Eine Begutachtung von BIKE ergab, dass die verbaute 31,6er-Storck-Stütze im unteren Bereich nur 31,4 mm Durchmesser hat, das Sitzrohr an der Stelle (Riss) aber knapp 32 mm misst. Ursache war offenbar eine Pass-Ungenauigkeit, wegen der die Stütze "arbeiten" konnte. Das 2014er-Modell ist überarbeitet.

  Notfall-Verband: Weil der Rahmen des Storck Rebel Seven im Rennen riss, musste er mit einer Schelle aus Fanta-Dose und Kabelbindern stabilisiert werden.Foto: Igor Schifris
Notfall-Verband: Weil der Rahmen des Storck Rebel Seven im Rennen riss, musste er mit einer Schelle aus Fanta-Dose und Kabelbindern stabilisiert werden.
  Die Bremsbeläge des Storck Rebel Seven nach 30 Kilometern – am Vorabend nagelneu verbaut.Foto: Igor Schifris
Die Bremsbeläge des Storck Rebel Seven nach 30 Kilometern – am Vorabend nagelneu verbaut.
  Rider: Henri Lesewitz (41), BIKE-Reporter; fährt Bike seit 1989; Gewicht/Größe 81 kg/1,79 m; Fahrertyp Marathon/Tour; Lieblingsrevier Vor der HaustürFoto: Igor Schifris
Rider: Henri Lesewitz (41), BIKE-Reporter; fährt Bike seit 1989; Gewicht/Größe 81 kg/1,79 m; Fahrertyp Marathon/Tour; Lieblingsrevier Vor der Haustür

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