HardtailDauertest-Report: Race-Hardtail Orbea Alma M10

Stefan Loibl

 · 24.10.2014

Dauertest-Report: Race-Hardtail Orbea Alma M10Foto: Stefan Loibl

Durch die Erfolge von Julien Absalon gelangten die Racefeilen von Orbea zu Weltruhm. Wir jagen derzeit ihr aktuelles Worldcup-Hardtail – das Alma M10 – im Dauertest über die Trails.

Bis 2012 fuhr Seriensieger Julien Absalon für Orbea. Fast ausschließlich auf 26-Zoll-Hardtails. Bekanntermaßen sträubte sich der Franzose lange Zeit gegen die 29er-Welle. Deshalb dauerte es relativ lange, bis die Basken von Orbea ihren Hardtail-Klassiker, das Alma, in einer breiten 29er-Palette in die Läden rollten. Für das Jahr 2015 bieten die Spanier ganze 10 Modelle des Alma an. Dabei gibt es die S-Rahmen nur in 27,5 Zoll, die Größen M und und L in beiden Laufradgrößen und die XL-Variante ausschließlich als 29er. Wir sind seit April dieses Jahres mit der 29er-Version des Alma M10 unterwegs. Im Dauertest, um den Rahmen und die Komponenten über ein ganzes Jahr lang hart herzunehmen und auf ihre Zuverlässigkeit zu überprüfen: über Trails, staubige Schotterpisten, bei Regen, durch Matsch, in den Alpen und auf unseren Hometrails rund um die Redaktion.

  Das Orbea Alma M10 auf seiner Hausrunde auf den Isartrails.Foto: Stefan Loibl
Das Orbea Alma M10 auf seiner Hausrunde auf den Isartrails.

Technische Daten und Gewichte zum Orbea Alma M10

Tuning für eine bessere Beschleunigung

Bei seinen ersten Einsätzen zirkelte ich das Alma über die Isartrails. Das verwurzelte Auf und Ab sollte beim Finden der perfekten Sitzposition helfen und die ersten Schwachstellen offenlegen. Im Vergleich zu meinem Merida Big.Nine beschleunigte das Alma deutlich träger. Man muss beim Alma M10 schon einige Male im Wiegetritt kräftig in die Pedale treten, um richtig Fahrt aufzunehmen. Als Teilchen-Entschleuniger machte ich schnell die XT-Laufräder aus. Nach dem ersten Platten rüstete ich deshalb auf Latexmilch um. Das sparte mir gut 100 Gramm pro Laufrad, denn von Werk waren 166 Gramm-Schläuche montiert. Auch die schweren, robusten Geax Aka-Pneus wechselte ich bald gegen eine etwas unhomogene Kombi aus Thunder Burt (hinten) und Specialized Purgatory 2.3.

Auch auf die Watt-Messung wollte ich auf meinen Trainingsrunden nicht mehr verzichten. Deshalb musste ein Powermeter her. Ich entschied mich für ein neues Modell von Stages, das die Leistung lediglich über den linken Kurbelarm misst. Die Montage ist kinderleicht, denn man muss nur den linken Kurbelarm austauschen. Auch aufs Gewicht drückt der Powermeter nicht: Ganze 11 Gramm wiegt die XT-Version des Stages-Powermeters mehr als die Standard-XT-Kurbel.

Vom Karwendel bis zum 100-Kilometer-Abenteuer

Knapp 1800 Kilometer dürfte das Alma nach sechs Monaten nun auf der Kette haben. Die längeren Ausfahrten und Runden habe ich per GPS aufgezeichnet (siehe Strava-Aufzeichnung unten), aber unzählige Mittagsrunden und Pendlerfahrten eben nicht. Doch dabei ist das Orbea Alma in dem halben Jahr schon viel herumgekommen: Ich habe es rund um Willingen/Hochsauerland über die Enduro-Strecken der Specialized Sram Enduro Series gepeitscht, war mit ihm im Bayerischen Wald rund um den Großen Arber unterwegs, habe es als Zustiegs-Hilfe bei Bergtouren im Karwendel benutzt und bin damit von München 100 Kilometer in meine niederbayerische Heimat gejagt. Am wohlsten fühlt sich das Alma aber auf schnellen, nicht allzu verwinkelten Trails. Denn besonders wendig ist die Geometrie trotz seines 70,8 Grad steilen Lenkwinkels nicht. Dafür punktet es mit Laufruhe und bockt selbst bei steilsten Rampen nicht auf. An Steifigkeit im Tretlager- und Lenkkopfbereich mangelt es dem Worldcup-Rahmen auch nicht.

  Am Gipfel des Silberbergs in Bodenmais im Bayerischern Wald.Foto: Stefan Loibl
Am Gipfel des Silberbergs in Bodenmais im Bayerischern Wald.

Wie das Pfeifen eines Tinnitus

Schwerwiegende Defekte hatte ich am Alma noch keine. Klar, die Schaltzüge flutschen nicht mehr so kinderleicht durch die Hülsen wie am ersten Tag. Auch die Kette braucht nach Matsch-Einsätzen immer mehr Pflege und Ölung. Aber sonst streubt sich das Race-Hardtail tapfer gegen Verschleiß-Erscheinungen.

Nicht schön: Bereits nach 4 Monaten haben Teile der Formula-Stopper Rost angesetzt.Foto: Stefan Loibl
Nicht schön: Bereits nach 4 Monaten haben Teile der Formula-Stopper Rost angesetzt.
Auf einer Bergtour im Karwendel verkürzte das Alma den Zustieg über eine Schotterstraße.Foto: Stefan Loibl
Auf einer Bergtour im Karwendel verkürzte das Alma den Zustieg über eine Schotterstraße.
Im Bayerischen Wald rund um den Großen Arber.Foto: Stefan Loibl
Im Bayerischen Wald rund um den Großen Arber.
Am Silberberg-Gipfel über Bodenmais.Foto: Stefan Loibl
Am Silberberg-Gipfel über Bodenmais.
Auf Trails rund um meine niederbayerische Heimat. Auch den Jurasteig rund um Kelheim kennt das Alma bereits.Foto: Stefan Loibl
Auf Trails rund um meine niederbayerische Heimat. Auch den Jurasteig rund um Kelheim kennt das Alma bereits.
Der Stages-Powermeter lieferte bislang zuverlässig Watt-Werte. Selbst knietiefe Bach-Durchfahrten und Matschpfützen konnten dem System nichts anhaben.Foto: Stefan Loibl
Der Stages-Powermeter lieferte bislang zuverlässig Watt-Werte. Selbst knietiefe Bach-Durchfahrten und Matschpfützen konnten dem System nichts anhaben.
Dünne, schwere Schraubgriffe sind von Werk aus am Alma M10.Foto: Stefan Loibl
Dünne, schwere Schraubgriffe sind von Werk aus am Alma M10.
Auf der Marathon-Strecke in Willingen. Ich fuhr die kleine Runde am Freitag ab, den Marathon am Samstag schenkte ich mir dann.Foto: Stefan Loibl
Auf der Marathon-Strecke in Willingen. Ich fuhr die kleine Runde am Freitag ab, den Marathon am Samstag schenkte ich mir dann.
Nicht schön: Bereits nach 4 Monaten haben Teile der Formula-Stopper Rost angesetzt.Foto: Stefan Loibl
Nicht schön: Bereits nach 4 Monaten haben Teile der Formula-Stopper Rost angesetzt.
Auf einer Bergtour im Karwendel verkürzte das Alma den Zustieg über eine Schotterstraße.Foto: Stefan Loibl
Auf einer Bergtour im Karwendel verkürzte das Alma den Zustieg über eine Schotterstraße.
Auf einer Bergtour im Karwendel verkürzte das Alma den Zustieg über eine Schotterstraße.
Im Bayerischen Wald rund um den Großen Arber.
Am Silberberg-Gipfel über Bodenmais.
Auf Trails rund um meine niederbayerische Heimat. Auch den Jurasteig rund um Kelheim kennt das Alma bereits.
Der Stages-Powermeter lieferte bislang zuverlässig Watt-Werte. Selbst knietiefe Bach-Durchfahrten und Matschpfützen konnten dem System nichts anhaben.
Dünne, schwere Schraubgriffe sind von Werk aus am Alma M10.
Auf der Marathon-Strecke in Willingen. Ich fuhr die kleine Runde am Freitag ab, den Marathon am Samstag schenkte ich mir dann.
Nicht schön: Bereits nach 4 Monaten haben Teile der Formula-Stopper Rost angesetzt.

Nur eine Wundstelle bereitet mir seit Testbeginn Kopfzerbrechen: die Formula R1-Stopper. Im Neuzustand war so viel Flüssigkeit in den Leitungen, dass man die Hebel nur antippen brauchte, um zu bremsen. Doch dagegen half ein Aderlass am Hebel. Aber das Gequietsche, Pfeifen, Rattern und Gejaule habe ich der R1 bis heute nicht austreiben können. So muss sich also ein Tinnitus anhören, denke ich immer wieder, wenn ich kräftig in die Eisen steige. Trotz kräftigem Einbremsen und mittlerweile einigermaßen abgefahrenen Belägen gibt die Bremse immer noch diesselben nervigen Geräusche von sich wie zu Beginn des Dauertests.

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