Hardtail

Dauertest: Ghost HTX Actinum 7500

Jonathan Schäfer

 · 14.04.2013

Dauertest: Ghost HTX Actinum 7500Foto: Privatfoto

Vom Äquator bis ans Ende der Welt: Auf 11.000 Kilometern hat unser Dauertester sein Ghost-Hardtail von Ecuador bis nach Patagonien gescheucht. Auf dem Andes-Trail.


Dauertest-Leistung: 11.302 km / 108.036 hm

Ein Etappenrennen vom Äquator bis zur südlichsten Stadt der Welt. Komplett längs über die Anden. Das zählt sicher zu den härtesten Bike-Prüfungen – für Fahrer und Material. Dafür drängt sich ein Sorglos-Hardtail geradezu auf: ohne viele Schnörkeleien, bestückt mit haltbaren Komponenten und weltweit gängigem 26-Zoll-Maß. Nach 200 Kilometern "Probefahrt" auf deutschem Boden war das Ghost so weit eingefahren. Der Startschuss für "The Andes Trail" (www.bike-dreams.com) fiel am Mitad del Mundo, dem ÄquatorMonument in Ecuador. Von dort weg schluckte das Ghost gierig Kilometer und wandelte jedes Watt Anfangseuphorie in satten Vortrieb um.

Die XT-Ausstattung tat kummerfrei ihren Dienst, und die XT-Stopper mit 180er-Scheiben brachten mich bei Bedarf jederzeit zurück auf Null. Auf den staubigen Straßen- und Schotterpisten in Ecuador und Peru bereitete mir das steife Chassis an einigen Tagen Rückenschmerzen. In den peruanischen Anden operierte das Ghost dann am Limit: Es lag nachts bei minus 14 Grad vor dem Zelt und schraubte sich am Morgen trotzdem, ohne zu zicken, auf 4900 Meter über Null. Bei schnellen Abfahrten über ruppige Pisten und ausgefahrene Bachbetten schien die Reba-Gabel jenseits ihrer Zuständigkeit, gab jedoch nie auf und leistete bis zum Schluss, was in ihren Möglichkeiten liegt. Ein Sturz in einen Wassergraben, Schaltauge mit der Rohrzange gerichtet: Das Ghost wirkt unkaputtbar.

Doch dann der Schock: Wie aus heiterem Himmel fängt der Rahmen an zu knarzen wie eine alte Holztreppe. Akribisches Suchen liefert Gewissheit: ein Riss im Sattelrohr – und noch fast 8000 Kilometer zu fahren! Bolivien bringt Besserung: In einem Metallwarenladen in La Paz findet sich ein Spanngurt. Eingebaut zwischen Sattelklemmung und Unterrohr hielt er den Riss im Zaum. Der verspannte Rahmen sah zwar bescheiden aus, stand die Tortur aber bis zum Ende durch. Weder der größte Salzsee der Welt, noch die unendlichen Weiten der argentinischen Pampa noch Dauerregen auf der Carretera Austral konnten das Ghost noch erschrecken. Ab und zu ein bisschen Öl auf die Kette. Das war’s.


Fazit: eigentlich ein Bike mit absoluten Nehmerqualitäten: weder Bremsbeläge gewechselt noch Bremsen entlüftet oder Schaltung eingestellt. Der Riss hätte mich allerdings die Weiterfahrt kosten können.


Funktionalität *****
Haltbarkeit Teile ******
Haltbarkeit Rahmen -
(max. 6 Sterne)


Tuning

• 272 km – Reifenwechsel: Für die ersten Etappen auf Asphalt ziehe ich als Reifen einen Marathon Supreme auf.
• 1941 km – Reifenwechsel: Für die langen Schotteretappen durch Peru wechsle ich auf einen Semi-Slick.
• 3429 km – LenkerAbstützung: Für lange "Roller"-Passagen montiere ich einen Komfort-Lenkeraufsatz, auf den ich mich zeitweise abstützen kann.

Verschleiß

• 1826 km – Sturz: Nach einem Sturz im peruanischen Pacasmayo verbiegt sich das Schaltauge, und das Hinterrad bekommt einen Schlag ab.
• 3346 km – Riss im Rahmen: Erste Geräusche im Rahmen während einer Schotteretappe durch Peru. Entdecke den Riss am Sitzrohr, der weiter wächst. 1000 Kilometer später entlaste ich die Stelle mit einem Spanngurt. Sieht zwar blöd aus, dafür wächst der Riss nicht weiter.
• 4916 km – Durchschlag hinten: Auf dem Weg nach Tahua in Bolivien habe ich einen Durchschlag hinten. Ich zerbeiße den Schlauch und verknote ihn.
• 4916 km – Durchschlag hinten: In Argentinien werden Kette und Kassette gewechselt. Ich bleibe bei Shimano XT.
• 6017 km – Wieder Fahrgeräusche: Ich tausche die Sattelstütze gegen eine längere.

  Jonathan Schäfer (29): Fährt Bike seit 2006; Gewicht/Größe 72 kg/1,85 m; Fahrertyp Marathon/Tour; Lieblingsrevier Berner OberlandFoto: Georg Grieshaber
Jonathan Schäfer (29): Fährt Bike seit 2006; Gewicht/Größe 72 kg/1,85 m; Fahrertyp Marathon/Tour; Lieblingsrevier Berner Oberland
  Ghost HTX Actinum 7500 - Kilometerfresser im DauertestFoto: Daniel Simon
Ghost HTX Actinum 7500 - Kilometerfresser im Dauertest
  Die XT-Komponenten kamen mit einem Ketten- und Kassettenwechsel aus. Funktionierten zuverlässig und ohne Mucken.Foto: Daniel Simon
Die XT-Komponenten kamen mit einem Ketten- und Kassettenwechsel aus. Funktionierten zuverlässig und ohne Mucken.
  Die offenen Lagerschalen kennt man aus günstigen Rädern. Sie sind eingelaufen, und die Lenkung hakt leicht beim Einschlagen.Foto: Georg Grieshaber
Die offenen Lagerschalen kennt man aus günstigen Rädern. Sie sind eingelaufen, und die Lenkung hakt leicht beim Einschlagen.
  Der Aufreger im Detail: Der Riss im Sitzrohr pflanzte sich bis zum Verspannen mit Gurt fort. Eine längere Sattelstütze schuf auch Abhilfe.Foto: Daniel Simon
Der Aufreger im Detail: Der Riss im Sitzrohr pflanzte sich bis zum Verspannen mit Gurt fort. Eine längere Sattelstütze schuf auch Abhilfe.

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