Test Sorglos-Bikes4 robuste Hardtails im Vergleich

Durchnässte Trails, Schlamm und eisige  Temperaturen: Wer in den Wintermonaten sein  teures Mountainbike schonen möchte, hat zwei Optionen:  ein günstiges Winter-Bike oder ein widerstandsfähiges Sorglos-Rad. BIKE zeigt vier robuste Modelle  im Labor- und Praxistest.
Foto: Max Fuchs

Durchnässte Trails, Schlamm und eisige Temperaturen: Wer in den Wintermonaten sein teures Mountainbike schonen möchte, hat zwei Optionen: ein günstiges Winter-Bike oder ein widerstandsfähiges Sorglos-Rad. BIKE zeigt 4 robuste 2023er-Modelle im Labor- und Praxistest.

KATEGORIE Hardtails - FEDERWEG bis 100 Millimeter - PREISKLASSE 1599 bis 7348 Euro


Diese 4 Sorglos-Hardtails finden Sie im Test:

(Per Klick geht’s zur Einzelbewertung)

INHALT:


Testbericht Sorglos-Bikes 2023

Selbst bei soften Verhältnissen übersteht manch hart beanspruchte Antriebseinheit nur mit Ach und Krach eine ganze Saison. Danach werden schon bei einem eher günstigen Sram-GX-Antrieb rund 300 Euro fällig, um ihm neues Leben einzuhauchen. Sobald die Materialkiller Nässe, Schlamm, Schnee und – vor allem – Streusalz ins Spiel kommen, können Verschleißteile schon binnen Wochen den Dienst quittieren.

Verlagssonderveröffentlichung

Allein die Vorstellung, das geliebte Fully oder das teuer aufgebaute Custom-Bike den üblen Bedingungen des Winters auszusetzen, jagt manchem einen kalten Schauer über den Rücken. Viele Biker überwintern lieber auf der Rolle oder verzichten im Winter sogar ganz auf ihr Hobby. Doch unser Test von vier Sorglos-Bikes macht Hoffnung auf ganzjährigen Trail-Spaß an der frischen Luft.

Beim Test standen die Isar-Trails förmlich unter Wasser. Da darf ein Bio-Kettenöl gegen knirschende Ketten nicht fehlen. | n.Foto: Max Fuchs
Beim Test standen die Isar-Trails förmlich unter Wasser. Da darf ein Bio-Kettenöl gegen knirschende Ketten nicht fehlen. | n.

Auf den ersten Blick eint die Test-Bikes von Cube, Falkenjagd, Idworx und Salsa ein entscheidendes Merkmal: ihr starres Heck. Das Fehlen einer aufwändigen Hinterbaukonstruktion mit anfälligen Lagern, wartungsintensivem Dämpfer und empfindlichen Gelenken ist die Grundvoraussetzung, um den harten Bedingungen im Winter standzuhalten. Über den klassischen Diamantrahmen hinaus verfolgen die Hersteller jedoch komplett unterschiedliche Ansätze, um den winterlichen Strapazen zu trotzen.

Cube Reaction: die einfachste Form des Winter-Bikes

Das Cube Reaction verkörpert die einfachste Form eines Winter-Bikes. Das Motto lautet hier: Schadensbegrenzung. Das Racehardtail aus Carbon kostet gerade mal 1599 Euro, kommt mit einer Federgabel und rollt auf 29-Zoll-Laufrädern. Weder die Rahmenkonstruktion, noch die Anbauteile sind auffällig widerstandsfähig. Ganz im Gegenteil. Mit günstigen Lagern, einfachen Dichtungen und Einsteigerkomponenten hat das Cube dem Beschuss durch Schmutz und Schlamm nur wenig entgegenzusetzen. Allerdings kosten die Ersatzteile für ein derart preiswertes Bike auch nur einen Bruchteil der Top-Komponenten von Highend-Modellen. Ein klassisches Hardtail als Ersatzrad für die kalte Jahreszeit entspricht damit zwar nicht unbedingt den Moralvorstellungen von Nachhaltigkeit, schont aber das Konto.

Cube Reaction C:62 OneFoto: Max Fuchs
Cube Reaction C:62 One

Idworx Rapid Rohler: 7348 Euro teures Kontrastprogramm mit Sorglos-Charakter

Das Kontrastprogramm zum Cube liefert das 7348 Euro teure Rapid Rohler von Idworx. Dass es sich bei dem Alu-Bike aus Wachtberg bei Bonn um ein waschechtes Sorglos-Bike handelt, verrät schon der Firmenname. Idworx, angelehnt an das englische „it works“, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Mountainbikes und Reiseräder für die Ewigkeit zu bauen.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, opfert Idworx die Effizienz und das geringe Gewicht einer klassischen Kettenschaltung zu Gunsten der Haltbarkeit einer Getriebenabe von Rohloff. Von äußeren Einflüssen abgekapselt sind dem System in puncto Laufleistung keine Grenzen gesetzt. Um die Beinkraft möglichst verlustfrei auf das Getriebe zu übertragen, setzt Idworx auf eine KMC-Kette anstelle des traditionellen Kohlefaserriemens von Gates. Eine Kette muss zwar in regelmäßigen Abständen gewechselt werden, kostet dafür aber nur einen Bruchteil des 150 Euro teuren Riemens.

Auch spannend: Ungerade Zahnzahlen an den Kettenblättern aus gehärtetem Messerstahl bewirken, dass nicht immer dieselben Zähne in dieselbe Außen- oder Innenlasche der Kette greifen. Das führt zu einem langsameren und gleichmäßigen Verschleiß. Details wie ein Tretlager mit rostfreien Kugellagern sowie die besonders korrosionsfeste Kurbel aus 7050er-Aluminium mit unkaputtbarer Stahlachse machen dem Firmennamen alle Ehre.

Einziges Manko: Im Steuerrohr steckt eine Sid-Ultimate-Federgabel von Rockshox. Die steigert zwar den Fahrspaß im Gelände. Um aber den Sorglos-Charakter abzurunden, greifen Puristen im Online-Konfigurator besser zur Starrgabel.

Idworx Rapid RohlerFoto: Max Fuchs
Idworx Rapid Rohler

Falkenjagd Hoplit R: Titan-Bike mit schier unbegrenzter Lebensdauer

Das Falkenjagd Hoplit R schlägt einen ähnlichen Weg ein wie das Idworx. Im Gegensatz dazu wechselt hier aber ein Pinion-Getriebe mit Riemenantrieb die Gänge. Dessen Zahnräder verlangen alle 10 000 Kilometer nach einem Ölwechsel. Ansonsten ist die rund drei Kilo schwere Getriebebox absolut wartungsfrei. Lediglich der Gates-Riemen aus Carbon will nach Fahrten im Schlamm gesäubert werden, möchte man die angedachte Laufleistung von etwa 30 000 Kilometern voll ausschöpfen.

Mit der wartungsfreien Starrgabel aus Carbon bleiben so allein die Bremsbeläge und Reifen als Verschleißteile. Da ist der Rahmen aus Titan nur konsequent. Korrosionsfrei, extrem strapazierfähig und kratzresistent, lauten die Argumente für das edle Metall. Beim Blick auf das Preisschild stockt einem jedoch erst mal der Atem: 5990 Euro! Ohne Federgabel wohlgemerkt. Setzt man den Anschaffungspreis jedoch in Relation mit der schier unbegrenzten Lebensdauer, beruhigt sich auch der Puls wieder.

Falkenjagd Hoplit RFoto: Max Fuchs
Falkenjagd Hoplit R

Salsa Mukluk: Fatbike für die fiesesten Tage des Jahres

Unser vierter Anwärter auf das Prädikat Sorglos hört auf den Namen Mukluk. Es kommt aus dem Hause Salsa und rollt auf 4,6 Zoll breiten Fatbike-Reifen. Eigentlich sind die Zeiten längst vorbei, in denen die Dickerchen als zukunftsweisende Innovation galten. Selbst wir haben kaum noch Berührungspunkte mit den überdimensional breiten Reifen.

Doch einmal im Jahr – meist für eine unserer Winter-Ausgaben – durchläuft das ein oder andere Exemplar unser Testprozedere. Denn der Mythos, dass Fatbikes die perfekten Winterräder seien, hält sich hartnäckig. Eigentlich logisch. Die fetten Schlappen wurden speziell für die fiesesten Tage des Jahres entwickelt. Aufgeweichte Böden, schneebedeckte Pfade oder schlammige Trails stehen ganz oben im Lastenheft des Salsa.

Um den Verschleiß dabei möglichst gering zu halten, ist der Exot auf das Nötigste reduziert: Alu-Rahmen mit Starrgabel, Scheibenbremsen, günstiger Einfach-Antrieb. Bei einem Preis von 1999 Euro darf man ähnlich wie bei Cube von Antrieb und Lagern keine allzu hohe Lebensdauer erwarten. Erst recht nicht, wenn man das Salsa adäquat über verschneite Trails oder durch Schlammlöcher jagt.

Wer von den Fähigkeiten des Salsa längerfristig profitieren möchte, hat aber die Möglichkeit, eine Getriebenabe mit Riemenantrieb nachzurüsten. Austauschbare Ausfallenden machen es möglich. So sind selbst Biker aus schneesicheren Regionen nicht dazu verdammt, den Winter mit Rollentraining zu verbringen oder gar ganz aufs Biken verzichten zu müssen.

Salsa Mukluk Microshift Advent XFoto: Max Fuchs
Salsa Mukluk Microshift Advent X

Fazit von Max Fuchs, BIKE-Testredakteur

Die Custom-Kandidaten von Falkenjagd und Idworx markieren in Sachen Sorglosigkeit die Benchmark. Aber nur, wer wirklich pausenlos Kilometer schrubbt und die Liebe zum Detail zu schätzen weiß, kann sich mit den teuren Dauerläufern identifizieren. Die Fahreigenschaften können allein durch das deutliche Mehrgewicht der Getriebeschaltungen nicht mit dem günstigeren Cube mithalten. Hier bekommt man ein preiswertes und einigermaßen wartungsarmes Bike mit guten Fahreigenschaften. Gleiches gilt für das Fatbike Salsa Mukluk. Der Einsatzbereich beschränkt sich aber auf unwegsames Gelände.
Max Fuchs, BIKE-TestredakteurFoto: Thomas Weschta
Max Fuchs, BIKE-Testredakteur

Die neuralgischen Punkte am Mountainbike

Winter hin oder her: Die beweglichen Teile am Mountainbike sind extremen Belastungen ausgesetzt. Diese Problemzonen sollten Sie deshalb immer im Blick behalten.

Die Testbedingungen hätten für unsere Sorglos-Bikes nicht besser sein können. Auf den vom Regen durchtränkten Isar-Trails kam Testfahrer Tobi (rechts) selbst mit den dicken Reifen des Fatbikes ins Straucheln. | ln.Foto: Max Fuchs
Die Testbedingungen hätten für unsere Sorglos-Bikes nicht besser sein können. Auf den vom Regen durchtränkten Isar-Trails kam Testfahrer Tobi (rechts) selbst mit den dicken Reifen des Fatbikes ins Straucheln. | ln.

1 Antrieb

Die Kette ist das anfälligste Bauteil am Antriebsstrang. Mit Hilfe einer Kettenverschleißlehre lässt sich der Zustand der Kette problemlos im eingebauten Zustand ermitteln. Bei Elf- und Zwölffach-Antrieben sollte die Kette bei einer Längung von mehr als 0,5 Prozent getauscht werden. Wer die zu lange Kette weiterfährt, beschleunigt auch den Alterungsprozess von Kettenblatt und Kassette. Fangen die Glieder bei hoher Belastung an, über die Zähne zu rutschen, müssen auch diese Verschleißteile ersetzt werden.

2 Bremsen

Besonders im Winter verschleißt kein Bauteil am Bike so schnell wie die Bremsanlage. Wie grobes Schmirgelpapier nagen Dreck, Sand und Wasser an der Substanz von Bremsbelag und Scheibe. Die Mindeststärke des Belags kann man auf den meisten Modellen ablesen und sollte nicht unterschritten werden. Wer zu spät tauscht, läuft Gefahr, auch die deutlich langlebigere Scheibe mit den abgenutzten Belägen zu beschädigen.

3 Federelemente

Wenn es nach den Herstellern geht, müsste man spätestens nach 200 Betriebsstunden seine Federgabel zum Service einschicken. Derart kurze Wartungsintervalle sind für Otto Normalverbraucher aber übertrieben. Aus Erfahrung raten wir, Federgabeln einmal jährlich – am besten nach dem Winter – überholen zu lassen. Ein Komplett-Service startet bei 120 Euro. Wie die Wartungsarbeiten in nur 20 Minuten auch in der eigenen Werkstatt gelingen , erklären wir in dieser How-to-Anleitung mit Video. Geballtes Werkstatt-Wissen mit heißen Tipps der Worldcup-Mechaniker lesen Sie auf über 100 Seiten in unserer Schrauber-Ausgabe BIKE 9a/2022 (Online bestellbar).

4 Lager

Egal ob an der Kurbel, in der Nabe oder im Steuerrohr – nur mit Lagern laufen die beweglichen Teile am Bike wirklich geschmeidig. Leider gehört Korrosion zu den häufigsten Ursachen für einen Lagerschaden. Dadurch sind die Laufflächen und Kugeln im Wintereinsatz besonders gefährdet. Läuft ein Lager rau, hat Spiel oder zeigt Spuren von Rost, ist die Verschleißgrenze erreicht. Auch Knarzgeräusche können die Ursache kaputter Lager sein.

Egal, ob in flüssiger Form, als Schnee oder Schlamm – Feuchtigkeit kann den abgekapselten Getrieben von Falkenjagd und Idworx nichts anhaben. | n.
Egal, ob in flüssiger Form, als Schnee oder Schlamm – Feuchtigkeit kann den abgekapselten Getrieben von Falkenjagd und Idworx nichts anhaben. | n.

Die Punktetabelle zum Test der Sorglos-Bikes

Fatbikes und normale Mountainbike-Hardtails bewerten wir in unseren BIKE-Tests nach unterschiedlichen Punkteschemata. So können wir die Gewichtung der verschiedenen Bewertungskriterien an die jeweiligen Einsatzbereiche anpassen.

Foto: BIKE-Testabteilung

¹ BIKE-Messwerte

² Das BIKE-Urteil gibt die Labormesswerte (BIKE-Labormessung) und den subjektiven Eindruck der Testfahrer wieder. Das BIKE-Urteil ist preisunabhängig. BIKE-Urteile: super (250–205 P.), sehr gut (204,75–180 P.), gut (179,75–155 P.), befriedigend (154,75–130 P.), mit Schwächen (129,75–105 P.), ungenügend (104,75–0 P.).

Faszination Singlespeed

BIKE-Labormitarbeiter Dominik Scherer kennt nicht nur das Schrauberalphabet in- und auswendig, sondern hat auch ein enges Verhältnis mit der wohl puristischsten Form des Mountainbikens: Singlespeed.

„Mountainbiken ohne Gangschaltung klingt für die meisten unvorstellbar. Für mich ist es die pure Freiheit. Ich muss mich nicht mit der empfindlichen Technik herumschlagen, geschweige denn an den nächsten Schaltvorgang denken. Im Gelände ist man immer auf der Suche nach der schnellsten Linie, die einem am wenigsten Schwung wegnimmt. Das schult die Fahrtechnik. Aber natürlich möchte man auch bergauf seine Grenzen testen. Sollte man an einem Berg dann doch mal scheitern, geht man eben zu Fuß. Das gehört zum Singlespeed-Biken dazu.“
BIKE-Testlabor-Mechaniker Dominik Scherer liebt sein Singlespeed-Mountainbike.Foto: Georg Grieshaber
BIKE-Testlabor-Mechaniker Dominik Scherer liebt sein Singlespeed-Mountainbike.
Das Kona Unit zählt zu den beliebtesten Basismodellen für sorglose Singlespeed-Bikes. Die Preise für das Stahl-Hardtail starten bei 1500 Euro.Foto: Hersteller
Das Kona Unit zählt zu den beliebtesten Basismodellen für sorglose Singlespeed-Bikes. Die Preise für das Stahl-Hardtail starten bei 1500 Euro.

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