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Vollblut-Racebike: Focus Sam 160 1.0

Laurin Lehner

 · 30.06.2016

Vollblut-Racebike: Focus Sam 160 1.0Foto: Daniel Simon
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Race-Enduros sind der letzte Schrei. Oder zumindest waren sie das, als FREERIDE-Redakteur Laurin Lehner sich für ein neues Dauertest-Bike entscheiden musste. Er mag keine Rennen, dennoch nahm er den Racer.

  Test 2016: Focus Sam 160 1.0Foto: Daniel Simon
Test 2016: Focus Sam 160 1.0

"Du musst ein Race-Enduro fahren. Die sind geil!", motivierte mich Kollege und Enduro-Racer Chris Schleker. Damals hatte er sieben dieser Superflitzer in Finale Ligure über die Trails geprügelt. Und ja: Auch mich reizten diese hochgezüchteten Speed-Maschinen. Sie sollen durch abfahrtsorientierte Geo überall runterbügeln und dank Grammfuchserei beschleunigen wie Kugelblitze. Doch das Namenskürzel "Race" verpflichtet irgendwie auch. Oder kann man ein Race-Enduro auch ganz ohne Race fahren? Ich habe nämlich eine Renn-Phobie. Nasse Handflächen, Schnapp­atmung und Bauchschmerzen wie früher vorm Englisch-Vokabeltest überfallen mich, sobald ich an die Stoppuhr nur denke. Jetzt also: Konfrontationsmethode! Denn wenn ich mir schon so ein Gerät als Dauer­test-Bike aussuche, muss ich wenigstens bei einem Rennen starten.

Meine Wahl fiel nach ausgiebigen Test­rides (wir hatten die Racer ja alle im Test) auf das Focus Sam 1.0. Denn schon beim ersten Aufsitzen fühlte ich mich darauf wohl, und das obgleich die eher gestreckte Sitzpostion neu für mich war. Außerdem gefielen mir das potente Fahrwerk, die Geo und die schlichte Optik: schwarze, gerade Rohre mit dezentem roten Schriftzug. An der Ausstattung änderte ich nur wenig. Den Fizik Gobi-Sattel wechselte ich gegen einen bequemen 66Sick-Sattel aus und ich montierte Conti Baron-Reifen.

Wer in München wohnt, weiß, was man hier am häufigsten fährt: Isar-Trails. Also pedalierte ich mein Sam die Isar hoch und runter. Laut Kalender genau 108 Mal (Januar bis Oktober). Der Trail wellt sich auf Waldboden auf und ab, kurze Anstiege und schnelle, wurzelige Abfahrten. Hier hat derjenige Spaß, dessen Rad schnell beschleunigt. Mit dem Sam gelingt das recht gut, seine wirkliche Stärke spielt es jedoch erst aus, wenn der Trail grob nach unten kippt. Dank flachem Lenkwinkel und langem Radstand (1178 Millimeter) gibt es verdammt viel Sicherheit und verleitet den Piloten dazu, die Finger von den Bremsen zu nehmen. Im Holterdipolter macht das Sam seiner Enduro-Gattung dann alle Ehre. Das Fahrwerk harmoniert. Auch wenn mir die Gabel zu bereitwillig durch den Federweg rauschte. Bei Testfahrten mit anderen Bikes spürte ich, dass sich die RockShox Pike RCT3 deutlich potenter anfühlt als die eingebaute RC. Mit Token-Tuning lässt sich bei dem Modell leider nichts machen. Gefreut habe ich mich über die Reynolds Carbon-Laufräder. So heil sind bei mir noch nie Laufräder in einem Dauertest geblieben. Dass ich mich damals für das Sam entschied, habe ich nie bereut. Selbst wenn mal wieder ein Schwung neuer Testbikes ankam. Oh, fast hätte ich es vergessen: Ich bin dann doch kein Rennen gefahren. Schlimm?


Fazit: Das Sam 1.0 ist ein Vollblut-Racebike. Es will schnell gefahren werden – gerne auch in ruppigen Abfahrten. Auf kurvigen Trails konnte es nicht voll überzeugen. Die Gewichtskur von ca. 600 Gramm im neuen Carbon-Modell tut ihm gut.


PLUS Laufruhe, Ausstattung, Laufräder
MINUS fehlende Wendigkeit


ALLGEMEINE INFOS


Vertrieb Derby Cycle Werke GmbH
Material / Größen Alu/S, M, L
Preis / Gewicht ohne Pedale 4999 Euro/13,1 kg


Messdaten


Federweg vorn /hinten 160 mm/160 mm
Reach / Stack 436 mm/596 mm
Lenk-Sitzrohrwinkel 66°/75,3°
Oberrohrlänge / Kettenstreben 569 mm/436 mm
Radstand / Tretlager 1178 mm/338 mm


Legende zum Bild oben: Laurin Lehner im Trail-Outfit. Helm (Troy Lee A1, 150 €), Jersey (Mondraker Enduro Jersey, 42 €), leichte Short (Royal Hexlite, 80 €), Socken (No Name, von Mutti), Schuhe (Adidas Terrex Trailcross, 130 €).

  Diesen Artikel finden Sie in FREERIDE 4/2015 - das Heft können Sie hier bestellen > FREERIDE IOS App (iPad) FREERIDE Android App Foto: Ale Di Lullo
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