Freeride

Versender-Duell: Rose Soul / Radon Swoop

Dimitri Lehner

 · 19.02.2017

Versender-Duell: Rose Soul / Radon SwoopFoto: Daniel Simon
Inhalt von

Der klassische Freerider wandelte sich vom Liebling zum Exoten. Nur wenige Hersteller bieten hubstarke, robuste Abfahrtsbikes mit Einfachbrückengabel an. Dabei ist der Freerider überraschend vielseitig.

  Duell 2016: Rose Soul Fire 1 gegen Radon Swoop 170 9.0Foto: Daniel Simon
Duell 2016: Rose Soul Fire 1 gegen Radon Swoop 170 9.0

Früher war der klassischen Freerider eure Nummer 1. Ein Bike wie das Specialized SX Trail von 2006. Erinnert ihr euch noch? Es verfügte über 170 Millimeter Federweg, besaß einen schier unverwüstlichen Rahmen und wog 18 Kilo. Puh, was haben wir gekeucht, als wir damit zum Gipfel strampelten. Da aber alle keuchten, ächzten und schwitzten, war das okay so. Doch der Fortschritt räumte auf mit den Pummelchen, wie einst die Weltgeschichte auch mittelalterliche Ritter samt ihren Rüstungen von der Bildfläche wischte: zu schwer, zu träge, zu unbeweglich. Die findige Biketechnik bescherte uns daraufhin Enduros – Bikes, die plötzlich alles konnten: Sie kletterten nicht nur flink auf jeden Berggipfel, sondern rollten ähnlich satt bergab wie einst die Freerider. Daher entschied der pfiffige Bikekäufer sich nun fürs Enduro oder eben gleich für einen Downhiller, wenn er’s bergab ganz eilig hatte. Nur wenige Hersteller hielten noch am klassischen Freeride-Konzept fest oder sie bohrten ihre Enduro-Modelle auf. Diese Bikes hießen dann Superenduros oder Leichtfreerider. Wir nennen sie jetzt wieder kurz und bündig: Freerider, denn die alten Bleibomben sind ja ausgestorben. Zwei typische Vertreter dieser neuen Freeride-Klasse sind Roses Soul Fire und Radons Swoop 170.


Mehr Fairness geht kaum

Die zwei Versender-Kontrahenten Radon und Rose kosten etwa das Gleiche und besitzen ein fast identisches Fahrwerk, ja sogar einen ganz ähnlichen Komponenten-Mix. Roses Ausstattungskonfigurator macht’s möglich: Der Kunde kann wählen, was er will. In beiden Testbike-Hinterbauten steckt RockShox Abfahrtsdämpfer Vivid Air, vorne federt die Lyrik. Radon spendierte seinem Bike allerdings die Top-Version RCT3 – dennoch: ideale Voraussetzungen für einen Konzept-Vergleich. Welcher Hersteller hat die bessere Geometrie? Für noch mehr Chancengleichheit montierten wir Einheitsreifen: vorne Contis Kaiser Project, hinten Baron Project – als ideale Kombi für einen harten Downhill- und Park-Einsatz.


Fazit: Beide Versender-Bikes bieten eine enorme Preis-Leistung und machen verdammt viel Spaß. In unserem abfahrtsorientierten Test gefiel uns das Rose mit seiner freeridigeren Geo etwas besser. Das Soul Fire ist handlich und sicher zugleich. Das lange, flache Radon entwickelt zwar ebenfalls erstaunliche Laufruhe und Fahrsicherheit, fährt sich im direkten Vergleich aber weniger spritzig.


Duellant 1: Rose Soul Fire 1 Custom

"Tourentauglicher Freerider" nennt Rose sein neues Soul Fire. Konstruteur Max Sistenich überarbeitete das alte Bike komplett, stellte es auf größere Laufräder und verpasste dem Rad eine modernere Geometrie. Max hatte viel über Kinematiken von Radon-Konstrukteur Bodo Probst gelernt, als beide für Fusion arbeiteten, das macht den Schlagabtausch der beiden besonders spannend. Sistenich entschied sich für eine gemäßigte Geometrie, sprich nicht maximal lang, flach und tief, wie es jetzt durch den Racing-Hype gerade Mode ist. Das tut dem Bike gut, denn reine Race-Geometrien sind in unseren Augen zu speziell. Der Hinterbau des Rose wirkt im Stand etwas träge, doch beim Fahren ist davon nichts zu spüren. Wir entschieden uns für den vollen Federweg im Heck: 190 Millimeter; auch 180 sind möglich. Auffällig: der hohe Fahrkomfort. Das Fahrwerk wirkt satt und spendiert dem Bike viel Sicherheit, selbst auf der bockigen Downhill-Strecke im Bikepark Spicak. Hier revidierte das Rose unser Credo: Wenn Park, dann bitte Big Bike. Das Soul Fire bügelte souverän überall drüber, zeigte sich aber wesentlich luftiger und agiler bei Sprungeinlagen als die Doppelbrücken-Fraktion. Sehr gut! Schick: die Lackierung in Neongelb. So eine aggressive Optik hätten wir dem eher konservativen Versender aus Bocholt gar nicht zugetraut. Mit 15 Kilo ist das Rose schon ein kleines Dickerchen, das auf Trailrides ordentlich ins Schwitzen kommt und Anstiege mit rotem Kopf erklimmt (34er-Kettenblatt!). Mehr als das Gewicht drückt der recht flache Sitzwinkel die Uphill-Performance; man tritt spürbar von hinten. Das schränkt den Einsatzbereich ein, kurzum: nix Enduro; Freeride!

  Rose Soul Fire 1 Custom: Freeride 2.0: Mit dem Soulfire gelingt Versender Rose ein potentes, spaßiges Bike, das dem Begriff Freeride alle Ehre macht. Damit sind Aufstiege aus eigener Kraft kein Problem und doch gibt’s volle Fahrsicherheit bergab.Foto: Daniel Simon
Rose Soul Fire 1 Custom: Freeride 2.0: Mit dem Soulfire gelingt Versender Rose ein potentes, spaßiges Bike, das dem Begriff Freeride alle Ehre macht. Damit sind Aufstiege aus eigener Kraft kein Problem und doch gibt’s volle Fahrsicherheit bergab.


Herstellerangaben
Vertrieb Rose Bikes GmbH, www.rosebikes.de
Material/Größen Alu/S,M,L,XL
Preis/Gewicht ohne Pedale 2 879 Euro/15 kg


Messdaten
Federweg vorne/hinten 180 mm/180-190 mm
Hinterbausystem Viergelenker


Ausstattung
Gabel/Dämpfer RockShox Lyrik RC/RockShox Vivid Air RC2
Kurbeln/Schaltung Race Face Aeffect SL/SRAM GX
Bremsanlage SRAM Guide RS
Laufräder DT-Swiss E 1900 Spline Systemlaufradsatz
Reifen Schwalbe Magic Mary Evo SG Vert Star 2,35


TRAIL 2 von 6 Punkten
FREERIDE 6 von 6 Punkten
DOWNHILL

5 von 6 Punkten

  Rose Soul Fire 1 CustomFoto: Daniel Simon
Rose Soul Fire 1 Custom
  Rose Soul Fire 1 CustomFoto: Daniel Simon
Rose Soul Fire 1 Custom
  Rose Soul Fire 1 CustomFoto: FREERIDE Magazin
Rose Soul Fire 1 Custom


Performance: Die Performance-Punkte beziehen sich ausschließlich auf das jeweilige Duell. Sie sind nicht mit anderen Duellen vergleichbar.


Duellant 2: Radon Swoop 170 9.0

Wir kennen das Swoop. Es musste sich schon im Enduro-Test (FREERIDE 1/16) beweisen und begeisterte die Tester, weil es souverän durch fieses Gerümpel walzte. Zwar nennt Radon das Bike Superenduro, doch es schlägt eindeutig ein Mini-Downhill-Herz in seinem Alurumpf. Swoop-Konstrukteur Bodo Pobst setzt auf flach, tief, lang. Das erzeugt eine hohe Laufruhe, die man von einem recht leichten 170-Millimeter-Bike nie erwartet hätte. Deswegen sind schnelle Bolzstrecken und Vollgas-Passagen ganz nach dem Geschmack des Radon. Kehrseite der Downhill-Medaille: die Verspieltheit leidet. Schlägt der Trail Haken, wirkt das Radon unhandlicher und weniger agil als das freeridigere Rose. Pfiffig: der Flipchip des Radon. Ein Aluplättchen mit drei Positionen (Tour, Trail und Park) macht das Bike sehr variabel. In der Park-Einstellung flacht der Lenkwinkel auf 63,8 Grad ab und das Tretlager rückt nach unten. Der Umbau klappt in wenigen Minuten. Super: der steile Sitzwinkel. Damit entwickelt das Swoop viel Vortrieb, lässt sich effizient pedalieren und hängt mit seinem schlankeren Gewicht Konkurrent Rose auf Trailrides und Uphills ab. Wem der 1x11-fach-Antrieb trotz kleinem 30er-Kettenblatt zu kräftezehrend ist, kriegt das Swoop auch mit 2x11-fach.

  Radon Swoop 170 9.0: Alleskönner: Das Radon besitzt dank Geo-Verstellung und schlankem Gewicht einen sehr breiten Einsatzbereich. Die lange, flache Bauweise begeistert eher Race-Fans als Biker mit Spieltrieb.Foto: Daniel Simon
Radon Swoop 170 9.0: Alleskönner: Das Radon besitzt dank Geo-Verstellung und schlankem Gewicht einen sehr breiten Einsatzbereich. Die lange, flache Bauweise begeistert eher Race-Fans als Biker mit Spieltrieb.


Herstellerangaben
Vertrieb H & S Bike Discount GmbH, www.radon-bikes.de
Material/Größen Alu/S,M,L,XL
Preis/Gewicht ohne Pedale 2799 Euro14,3 kg


Messdaten
Federweg vorne/hinten 170 mm/170 mm
Hinterbausystem Viergelenker


Ausstattung
Gabel/Dämpfer RockShox Lyrik 170 RCT3/RockShox Vivid Air R2C
Kurbeln/Schaltung SRAM GX/SRAM GX
Bremsanlage SRAM Guide RS
Laufräder DT Swiss E1900 Spline 2 Systemlaufradsatz
Reifen Continental Der Baron Project 2,4


TRAIL 4 von 6 Punkten
FREERIDE 4 von 6 Punkten
DOWNHILL

5 von 6 Punkten

  Radon Swoop 170 9.0Foto: Daniel Simon
Radon Swoop 170 9.0
  Duell 2016: Rose gegen RadonFoto: FREERIDE Magazin
Duell 2016: Rose gegen Radon


Performance: Die Performance-Punkte beziehen sich ausschließlich auf das jeweilige Duell. Sie sind nicht mit anderen Duellen vergleichbar.

  Diesen Artikel finden Sie in FREERIDE 3/2016 - das Heft können Sie hier bestellen > FREERIDE IOS App (iPad) FREERIDE Android App Foto: Christoph Laue
Diesen Artikel finden Sie in FREERIDE 3/2016 - das Heft können Sie hier bestellen > FREERIDE IOS App (iPad) FREERIDE Android App 

Meistgelesene Artikel