Freeride

Multi-Talent: Radon Jab 9.0 27,5 Zoll

Dimitri Lehner

 · 19.02.2021

Multi-Talent: Radon Jab 9.0 27,5 ZollFoto: Laurin Lehner
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Dimitri Lehner kann so ziemlich jedes Bike fahren, das es auf dem Markt gibt. Er entschied sich fürs Versenderrad Radon Jab und sagt, warum

Wundert Euch bitte nicht über die Gabel. Ich weiß: Da steckt die neue, teure Fox 38 drin mit satten 170 Millimetern Federweg. Mein Dauertest-Bike dient auch als Versuchskaninchen – ich wollt’s ausprobieren. In Serie gibt’s die 160-mm-Yari-RC von Rockshox, eine solide Gabel. Sie macht ihren Job und funktioniert im Jab recht gut, Begeisterungsstürme entfachte sie aber nicht. Daher nahm ich die Gelegenheit gerne wahr, dem Jab vorne etwas mehr Potenz zu verpassen. Die 38 hebt die Front leicht an – das steht dem Bike sehr gut. 2018 wurde das Jab von den BIKE-Lesern zum Bike des Jahres gewählt. Denn der Vollcarbon-Flitzer besticht durch sein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis und ein beeindruckendes Gewicht für ein 160er-Enduro: 12,9 Kilo.

Das und eine sehr gefällige Geometrie machen das Bike spritzig wie ein Trailbike, handlich und beschleu­nigungsstark. Ich fuhr mit dem Bike Trail-Runden, auf Alpengipfel, technische Felsen-Downhills und im Bikepark. Und war happy. Natürlich gibt es Enduros, die satter liegen und laufruhiger bergab walzen als das Jab. Besonders in meiner Version mit dem schlanken Federbein Deluxe RT3 Debon Air stieß das Heck früher an Grenzen. Dafür nutzte ich dessen effektive 3-Phasen-Zugstufe fleißig und freute mich über die einfache Bedienung des Fahrwerks.

Dennoch: Meine Stunt-Freudigkeit wurde nicht vom Radon beschnitten; was ich mich damit nicht traute, traue ich mich mit einem dickeren Bike vermutlich auch nicht. Drei Saisons fuhr ich das Jab mit seinem schick designten, kantigen Kohlefaserrahmen (2668 g) im Stealth-Fighter-Look. Viel kaputt ging nicht. Natürlich muss man jetzt so langsam den Antrieb austauschen, Ritzel, Blatt und Kette sind durch. Die Hinterradnabe im Newmen-Laufradsatz bekam ab und an Spiel, konnte aber nachjustiert werden. Mit der Vario-Stütze SDG Dropper war ich lange zufrieden, ganz am Ende machte es dann „knack“, und der Sattel schwenkte nach links und rechts. Doch SDG tauschte problemlos aus. Die Magura MT 5 bremsten zuverlässig. Immer. Etwas on-off mit weniger Modulation, doch dafür schön kräftig, besonders mit den knallroten Power-Belägen von Trickstuff. Auch die Reifen-Kombi von Schwalbe gefiel mir sehr gut: Mary soft vorne, Hans speedy hinten. Überhaupt hatte ich an den Komponenten wenig auszusetzen.

Mittlerweile gibt’s das Radon Jab 10.0 mit Lyrik-Ultimate-Gabel für starke 3199 € – das entkräftigt meine einzige Kritik: die Yari.

PLUS: leicht, agil, Preis/Leistung, großer Einsatzbereich, coole Optik

MINUS: nicht ganz so potent

FAZIT:

Das Jab ist in meinem Augen eins der gelungensten Enduros auf dem Markt. Nicht wegen der Vollgas-Performance bergab, sondern dem breiten Einsatzbereich. Die Preis-Leistung ist top!

  Dimitri Lehner, FREERIDE ChefredakteurFoto: Laurin Lehner
Dimitri Lehner, FREERIDE Chefredakteur

Dimitri Lehner will nicht schon wieder die nervige „Ist das noch Enduro?“-Diskussion führen. Nur so viel: Das Radon Jab vereint Leichtgewicht mit Geländegängigkeit, Laufruhe mit Verspieltheit. Der Mix beschert dem Bike einen extrabreiten Einsatzbereich nach dem Motto: alles möglich.

Radon Jab 9.0

Federweg: 160 mm / 160 mm

Lenkwinkel: 65,4

Reach / Stack: 449 mm / 599 mm

Gewicht: 12,9 Kilo

Preis: 3599 €

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