FreerideE-Freerider-Duell: Commencal Meta Power vs Canyon Torque:ON

E-Freerider-Duell: Commencal Meta Power vs Canyon Torque:ONFoto: Colin Stewart
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Diese E-Freerider wiegen rund acht Kilo mehr als gewöhnliche Freerider, dafür garantiert der Motor mindestens doppelt so viele Abfahrten.

Diese Bikes schreien gleich in zweierlei Hinsicht nach Abfahrt. Das liegt zum einen am massigen Hub der Bikes und zum anderen an den kräftigen Motoren – ein Garant für mühelose Uphills. Wir haben das Commencal Meta Power SX gegen das Canyon Torque:ON antreten lassen und beide Bikes im Bikepark, auf Jump-Strecken und Downhills gefahren. Zudem haben wir die Bikes auf unserer Hausrunde und auf Berg-Touren ausprobiert.

  Links: Das hier gezeigte Commencal Signature-Modell ist mittlerweile ausverkauft, die günstigeren Race- und Ride-Modelle gibt’s noch. / Rechts: Das Canyon Torque:ON war bei Redaktionsschluss nicht verfügbar. Gibt’s bald wieder, sagt der Hersteller.Foto: Wolfgang Watzke
Links: Das hier gezeigte Commencal Signature-Modell ist mittlerweile ausverkauft, die günstigeren Race- und Ride-Modelle gibt’s noch. / Rechts: Das Canyon Torque:ON war bei Redaktionsschluss nicht verfügbar. Gibt’s bald wieder, sagt der Hersteller.

Das Canyon Torque hat der Koblenzer Versender seit 2006 im Programm. Ende 2020 spendierte Canyon dem Freerider einen Motor, und aus dem Torque wurde das Torque:ON. Das Commencal Meta Power aus Andorra besitzt, genau wie das Canyon, einen Shimano-Motor, allerdings mit größerem Akku.

Ausstattung:

In beiden Bikes steckt das teure Fox-Factory-Fahrwerk, auch bei der Laufradgröße (27,5") und beim Rahmenwerkstoff (Alu) sind die Bikes identisch. Das Canyon Torque:ON ist allerdings nur mit einem 500-Wattstunden-Akku ausgestattet. Das spart zwar rund 600 Gramm Gewicht und sorgt für einen tiefen Schwerpunkt, doch in Sachen Reichweite muss man Abstriche machen. Fans vom Turbo-Modus geht der Saft im Nu aus. Der Akku im Unterrohr des Commencal mit 630 Wattstunden lässt dagegen etwas mehr Reichweite zu.

Geometrie:

Bei der Rahmengeometrie unterscheiden sich die beiden E-Freerider spürbar. Das Canyon Torque:ON ist konsequent auf Abfahrt getrimmt. Heißt: Der sehr flache Lenkwinkel mit 62,5° und das tiefe Tretlager positionieren den Piloten tief im Rad. Super: Dank der sehr kurzen 430er-Ketten­streben fallen Manual-Fahrten spielend leicht. Die Geometrie beim Commencal ist gemäßigter – das erweitert den Einsatzbereich und stärkt die Allround-Fähigkeiten. Das Commencal fällt in Rahmengröße M sehr gedrungen aus. Wir sagen: Alle Fahrer ab 1,75 Metern Körpergröße sollten zur L-Rahmengröße greifen.

Der Uphill:

Auffahrten gelingen mit dem Commencal leichter. Der steile Sitzwinkel positioniert den Piloten kompakt auf dem Rad, und man bekommt viel Druck aufs Vorderrad. Auch gut: Im Gegensatz zum Canyon lässt sich der Fox-X2-Dämpfer per Plattformhebel zusätzlich beruhigen. Im direkten Vergleich verliert das Torque in der Uphill-Wertung. Schuld daran sind der flache Lenk- und Sitzwinkel. So tritt der Pilot bei ausgefahrener Sattelstütze von hinten, und steile, technische Uphills verlangen mehr Können. Das etwas wippende Heck besitzt keine Plattformfunktion. Nervig: Der Shimano-Motor im Torque:ON arbeitete zudem lauter als der im Commencal.

  Blickfang Canyon: Das 180er-Heck des Canyon erzeugt Grip, viel Kom­fort und lässt viel Speed zu. Für den Uphill hätten wir uns allerdings eine Plattformfunktion gewünscht. Das Heck wippt spürbar im Wiegetritt.Foto: Colin Stewart
Blickfang Canyon: Das 180er-Heck des Canyon erzeugt Grip, viel Kom­fort und lässt viel Speed zu. Für den Uphill hätten wir uns allerdings eine Plattformfunktion gewünscht. Das Heck wippt spürbar im Wiegetritt.

Auf zahmen Trails …

Leichte Abfahrten mit mäßigem Gefälle liegen dem Commencal. Hier spielt das straffere Fahrwerk seine Stärke aus, generiert mehr Gegendruck und Popp für Geländekanten. Hier hilft zudem die gemäßigte Geometrie. So lässt sich damit auf flacheren Passagen Tempo besser konservieren als mit dem Canyon Torque:ON, das hier mehr Nachdruck braucht und aktiv gefahren werden will. Gewöhnungsbedürftig beim Torque:ON: das sehr tiefe Tretlager, mit dem man beim Pedalieren im Gelände oft Bodenkontakt bekommt.

… im Bikepark und Downhill

Hier haben uns beide Bikes gefallen. Es ist verrückt, wie stabil die beiden E-Freerider auf zornigen Downhill-Strecken liegen. Damit muss man im Vergleich zum Downhiller kaum Abstriche machen. Auf der Jump-Strecke schlagen sich beide Bikes ähnlich gut, lassen sich willig über Jumps schießen und fühlen sich auch in der Luft wohl. Das poppigere Fahrwerk des Commencal gefiel uns etwas besser, auch wenn der steilere Lenkwinkel weniger Freeride-Feeling aufkommen lässt.

Wird es steil und grob, trumpft das Canyon mit seinem Staubsauger-Fahrwerk und der DH-Geometrie auf. Es giert nach Bodenhaftung, schluckt, dämpft und gibt so dem Piloten das Signal: Lass’ das Gas stehen! Auch in Turns steuert sich das Torque:ON willig. Super! Das Commencal gefällt ähnlich gut, muss sich im direkten Vergleich auf der Downhill-Strecke mit seinem geringeren Hub aber geschlagen geben.

  Blickfang Commencal: Das Meta Power ist nicht ganz so komfortabel wie das Canyon, doch es nutzt den geringeren Federweg (160 mm) effizient und entwickelt Popp fürs Springen. Super!Foto: Colin Stewart
Blickfang Commencal: Das Meta Power ist nicht ganz so komfortabel wie das Canyon, doch es nutzt den geringeren Federweg (160 mm) effizient und entwickelt Popp fürs Springen. Super!

Fazit zu den Duellanten Commencal Meta Power SX gegen Canyon Torque:ON 9.0:

Das Commencal Meta Power SX siegt im Duell. Denn es steuert sich direkter, besitzt mehr Popp und macht so auch abseits von zornigen Downhills eine gute Figur. Auch das ist Freeride. Das Canyon Torque:ON ist der bessere Abfahrer und siegt auf steilen, groben Abfahrten mit seiner konsequenten Abfahrtsausrichtung. Der kleine 500-Wattstunden-Akku limitiert die Reichweite.

  Max Fuchs, Tester (1,74 Meter): „Das Commencal ist vielleicht nicht der konsequentere Freerider, aber dafür hat man damit in jedem Terrain Spaß. Sogar ich würde zum L-Rahmen greifen.“Foto: Max Schumann
Max Fuchs, Tester (1,74 Meter): „Das Commencal ist vielleicht nicht der konsequentere Freerider, aber dafür hat man damit in jedem Terrain Spaß. Sogar ich würde zum L-Rahmen greifen.“
  Dimitri Lehner, Tester (1,79 Meter): „Das Torque:ON ist ein Vollblut-Freerider. Im DH kennt es kein Limit. Ein steilerer Sitzwinkel und mehr Akku-Leistung würden den Einsatzbereich vergrößern.“Foto: Laurin Lehner
Dimitri Lehner, Tester (1,79 Meter): „Das Torque:ON ist ein Vollblut-Freerider. Im DH kennt es kein Limit. Ein steilerer Sitzwinkel und mehr Akku-Leistung würden den Einsatzbereich vergrößern.“

Technische Daten Commencal Meta Power SX

  • Material / Größen: Alu / S, M, L, XL (getestet in Größe M)
  • Preis / Gewicht ohne Pedale: 7700 Euro / 24 kg
  • Gabel / Dämpfer: Fox 38 Float Factory / Float X2 Factory
  • Kurbeln / Schaltung: eThirteen e*Spec/ Shimano XT RD
  • Bremsanlage: Shimano XT
  • Laufräder: DT Swiss H1700 Hybrid 30-Systemlaufradsatz
  • Reifen: Maxxis Assegai 3C MaxxTerra Exo+ TR 2,5 / Maxxis Dissector DD TR 3C MaxxGrip 2,4
  • Reach: 463 mm
  • Stack: 612 mm
  • BB-Drop: –2 mm
  • STÄRKEN: Einsatzbereich (Geo), sportliches Fahrwerek
  • SCHWÄCHEN: Preis

Technische Daten Canyon Torque:ON 9.0

  • Material / Größen: Alu / S, M, L, XL (getestet in Größe M)
  • Preis / Gewicht ohne Pedale: 5999 Euro / 23,9 kg
  • Gabel / Dämpfer: Fox 38 Factory / Float X2 Factory
  • Kurbeln / Schaltung: Shimano FC EM600 / Sram GX Eagle
  • Bremsanlage: Sram Code RSC
  • Laufräder: DT-Swiss 1700 Hybrid-Systemlaufradsatz
  • Reifen: Maxxis Minion DHF 3C DD TR MaxxGrip 2,5 / Maxxis Minion DHR II Exo+ TR 3C MaxxTerra 2,6
  • Reach: 453 mm
  • Stack: 628 mm
  • BB-Drop: –28 mm
  • STÄRKEN: Nehmerqualitäten, Fahrwerk
  • SCHWÄCHEN: Kleiner Akku, lauter Motor

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