Enduro

US-Kult-Bikes wie Klein, Merlin & Moots im Test

Martin Miksch

 · 06.11.2003

US-Kult-Bikes wie Klein, Merlin & Moots im TestFoto: Daniel Simon,Peter Neusser

Um amerikanische Mountainbikes in den Sonnenuntergang reiten zu können, muss die Geldbörse so locker sitzen wie ein Colt. Aber sind diese Kult-Bikes so wild, wie es der Westen mal war.

„Hey, der Typ ist wie du”, meinte eine Freundin von Charles Kelly. Also lange Haare, Dauergast bei Rockkonzerten und in jeder freien Minute auf dem Bike. Ein paar Tage später traf Kelly auf seinen Doppelgänger. Es war sein späterer Kumpel Gary Fisher. 1972 gründeten Kelly und Fisher den Tampalais Velo Club. Später kam auch Joe Breeze dazu. Auf 20 Kilo schweren „Clunker”-Bikes donnerten sie die kalifornischen Berge hinab. Und weil ihnen ihre Bikes nie schnell genug waren, fingen sie an, sie zu tunen. Erst verbaute Gary Fisher eine Tandem-Nabenschaltung und fuhr so seinen Kumpels bergauf davon. Rund zwei Jahre später bat Charles Kelly Joe Breeze, ihm ein Bike zu bauen. 800 Dollar hat es gekostet, das vielleicht erste Mountainbike. Die Bikes verkauften sich so gut, dass bald auch Leute wie Tom Ritchey oder Jeff Lindsay von Mountain Goat Rahmen bauten und an den Mann brachten.

Diese Pioniere des Mountainbikens waren es, die auch den Mythos der US-Bikes begründen. Aber was macht die US-Bikes aus, und was ist vom Mythos geblieben? Die US-Marken waren oft Trendsetter. Bei Federwegen, bei neuen Materialien und auch in der Verarbeitung. So verbaute Gary Klein als erster Rohrsätze, die speziell auf Mountainbikes zugeschnitten waren. Mountain Cycle zeigte mit dem San Andreas das erste Big-Travel-Bike. Horst Leitner erfand das Viergelenk-Fully. Meilensteine in der Geschichte des Sports.

Mitte der Neunziger mussten kleine Firmen wie Yeti oder Klein, Breezer oder Bontrager aufgeben oder wurden von großen Konzernen aufgekauft. Zwar kam aus den USA immer noch High-Tech, wie etwa das FSR-Hinterbausystem von Specialized oder Federgabeln wie die Judy von Rock Shox, aber die Konkurrenz aus Fernost und Europa zeigte, dass auch sie hochwertige Bikes bauen konnte. Mit nüchternem Kalkül lässt sich heute nur noch schwer für die US-Bikes argumentieren – zu gut sind auch die europäischen Produkte. Einzigartig bleibt jedoch die Faszination der Bikes unter dem Sternenbanner. Individualität und Tradition lassen sich schließlich nicht mit nackten Zahlen bemessen.

Die US-Kult-Bikes in diesem Test:


Intense Spider XVP


Klein Attitude Comp


Merlin XLM


Moots Smoothie


Mountain Cycle SLIX


Santa Cruz Blur

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