Scott Genius LT 700 Tuned im Langzeit-Test

Wolfgang Watzke

 · 04.12.2016

Scott Genius LT 700 Tuned im Langzeit-TestFoto: Robert Niedring
Scott Genius LT 700 Tuned im Langzeit-Test

Für 6500 Euro lässt das Scott Genius LT 700 kaum Wünsche offen. Dank voller Fahrwerkskontrolle vom Lenker aus wandelt es zwischen potentem Enduro und sportlichem All Mountain.


DAUERTEST-LEISTUNG:
2.727 Kilometer | 55.436 Höhenmeter

Der Erstkontakt mit dem Genius LT erfolgte beim Test für das Freeride-Magazin in Finale Ligure, bei dem ich als Testfahrer dabei war. Das Konzept des Bikes gefiel mir auf Anhieb. Viel Federweg bei nur 12,5 Kilo und drei verschiedene Fahrwerkmodi, schnell vom Lenker aus bedienbar. Ich wohne im Münchner Umland, und meine Heimrunde ist alles andere als ein Double-Black-Diamond-Trail. Mit gemischten Gefühlen überführte ich also das "Ein-Bike-für alles"-Gefährt in den Dauertest. Doch schon bei der ersten Tour zeigte sich, dass die Nachteile überraschend gering ausfallen. Bei Touren mit 1000 Höhenmetern Asphaltanstieg wie in Latsch und anschließendem Trail-Genuss, ist das Scott voll in seinem Element. Mit Rädern, bei denen gefühlt jegliche Tretenergie verpufft, können 1000-Höhenmeter-Anstiege zur echten Qual werden.

Verlagssonderveröffentlichung

Von Qual kann beim Klettern mit dem Genius LT jedoch keine Rede sein. Man fühlt sich eher wie auf einem sportlichen All Mountain als auf einem 170-Millimeter-Enduro. Das überaus schlanke Gewicht und das durch den Twinloc-Hebel in den Climb-Modus versetzte Fahrwerk sorgen für einen tadellosen Vortrieb. Hier gibt es wirklich nichts zu bemängeln. Bergab ist das Scott souverän und laufruhig. Das geringe Gewicht spiegelt sich auch hier in einem sehr leichtfüßigen, agilen Handling wider. Das Fahrwerk ist potent, allerdings fehlt hier etwas die Sensibilität. Die Druckstufe der Federelemente ist auch in der offenen Position recht hoch und verhindert ungewollte Fahrwerksbewegungen. Das Bike fühlt sich dadurch sportlich-straff an, leitet harte Schläge aber an den Fahrer weiter. Dieses Manko haben die Scott-Entwickler in der darauffolgenden Modelgeneration mit der Fox 36 und einem anderen Dämpfer-Setup beseitigt. Die Steifigkeit des Rahmens ist nicht besonders hoch, auch wenn sich das in der Praxis nicht negativ bemerkbar macht. Problematisch ist jedoch der Flex im Hinterbau, wodurch selbst der Schwalbe Rock Razor bei Kurvenbelastung an den Kettenstreben schleift.


Fazit: Trotz großem Federweg erstaunlich vielseitig und absolut Touren-tauglich. Einzig der durch den Reifen angeschliffene Hinterbau trübt das Gesamtbild.


Funtionalität 6 von 6 Punkten
Haltbarkeit 3 von 6 Punkten


TUNING

  Scott Genius LT 700 Tuned: Sichtlich angekratzt – Geringe Reifenfreiheit und Flex im Carbon-Hinterbau hinterlassen unschöne Spuren. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Kettenstrebe aufgibt. Punktabzug in der Haltbarkeit.Foto: Wolfgang Watzke
Scott Genius LT 700 Tuned: Sichtlich angekratzt – Geringe Reifenfreiheit und Flex im Carbon-Hinterbau hinterlassen unschöne Spuren. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Kettenstrebe aufgibt. Punktabzug in der Haltbarkeit.


• 300 km: Reifenwechsel – Der Schwalbe Rock Razor am Hinterrad rollte ausgezeichnet, kam bergab aber zu schnell ans Limit. Je nach Strecke und Witterung wechselte ich auf einen Hans Dampf.


DEFEKTE


• 786,1485, 1996, 2655 km: Beläge gewechselt – Das viele Shutteln hinterlässt Spuren. Die Beläge der Shimano-XTR-Bremse halten maximal 700 Kilometer.


• 2655 km: Twinloc-Hebel defekt – Der Hebel arretiert nicht mehr, da die Rasterung verschlissen ist. Tausch gegen einen neuen Hebel.


BEZIEHUNGS-HIGHLIGHTS

  Scott Genius LT 700 Tuned: Hometrails – Kleine Sprungeinlagen am Ammersee und Touren-Kurbeln mit wenig Höhenmetern. Die Vielseitigkeit des 170-Millimeter-Bikes konnte voll überzeugen.Foto: Robert Niedring
Scott Genius LT 700 Tuned: Hometrails – Kleine Sprungeinlagen am Ammersee und Touren-Kurbeln mit wenig Höhenmetern. Die Vielseitigkeit des 170-Millimeter-Bikes konnte voll überzeugen.
  Bali – Neben schnell erreichbaren Zielen wie Latsch und Finale Ligure begleitete mich das Scott Genius rund um den Globus. Auch auf Shuttle-Runs war das LT nie untermotorisiert.Foto: Wolfgang Watzke
Bali – Neben schnell erreichbaren Zielen wie Latsch und Finale Ligure begleitete mich das Scott Genius rund um den Globus. Auch auf Shuttle-Runs war das LT nie untermotorisiert.


DER TESTER

Wolfgang Watzke, BIKE-Testfahrer und -Fotograf 37 Jahre/1,85 m/78 kg
Fahrerprofil Als Genuss-Endurist pickt sich Wolfi gerne die Trail-Rosinen aus dem Kuchen und fährt oft in ausgezeichneten Enduro-Regionen. Egal, ob mit Shuttle-Unterstützung oder aus Muskelkraft.
Lieblingsreviere Latsch, Finale Ligure, Hometrails am Ammersee


DAS SAGEN DIE LESER

• Habe leider ein Dauerknacken im Tretlagerbereich. Tretlager wurde schon getauscht, Schrauben der Gelenke nachgezogen, gefettet. Leider ohne Erfolg. Sebastian K., Facebook


Die Bikes fahren sich nicht schlecht. Auch im DH-Bereich halten sie gut mit. Marco R., Facebook


Ich hab’ ein 710er von 2014. Bei mir waren die Schrauben und das Gelenk beim Dämpfer Schuld am Knacken. Hab’ alles gefettet und gereinigt und das war’s. Mario R.
, Facebook

Meistgelesene Artikel

Unbekanntes Element