EnduroEnduro: Conway WME 1027 Carbon im Langzeit-Check

Matthias Rotter

 · 10.06.2017

Enduro: Conway WME 1027 Carbon im Langzeit-CheckFoto: Georg Grieshaber

Der Plan: Einsatz eines fetten Enduros als Touren-Bike. Geniale Idee oder spaßfreie Zweckentfremdung? Im Dauerbetrieb musste sich das Conway WME beweisen.


LAUFLEISTUNG IM DAUERTEST: 5628 km | 35689 hm

Ich fange die Geschichte von hinten an. Der Moment, an dem mich das Enduro endgültig überzeugte, passierte an einem Berg und zwar bergauf. An einem 25-Prozent-Monster namens Esterbergalm. Ein Angstgegner, den ich noch nie im Sattel bezwingen konnte. Immer bäumte sich das Bike auf, oder ich eierte hilflos im kleinsten Gang umher, bis die Balance beim Teufel war. Das Conway hingegen hielt stoisch die Spur. Etwas Druck auf den Lenker, und das Vorderrad klebte am Boden. Auch dieses nervöse Links-rechts-Gezappel des Vorderrades gab es nicht. Ein Aha-Moment. Was ich bis dahin als Nachteil gesehen hatte – der lange Radstand und die geringe Agilität eines Enduros – kehrte sich im Laufe des Tests mit jedem Kilometer in einen Vorteil um. Und der üppige Federweg? Skeptisch war ich angesichts der 160 Millimeter durchaus, ob mir die Schaukelei nicht auf Dauer die Laune vermiesen würde.

Schließlich war ich bisher maximal mit einem 140er-Fahrwerk (bei 26 Zoll) unterwegs. Aber nichts dergleichen. Okay, das Nachgeben des Hinterbaus im Wiegetritt mag nicht jedermanns Sache sein. Aber mit einer peniblen Abstimmung des Dämpfers kann man das Wippen im Zaum halten. Und im Sitzen arbeitet der Hinterbau sehr effizient.

Überzeugend auch die Performance der Rock Shox Pike. So viel zum "normalen" Fahrmodus auf Tour. Bergab fuhr sich das WME 1027 ganz schnell in mein Herz. Das Enduro liegt satt auf dem Trail, die Kontrolle ist phänomenal. Das kannte ich bisher so nicht. Wie viel Anteil daran die 27,5-Zoll-Laufräder haben, vermag ich nicht zu sagen. Aber das Gesamtpaket aus Geometrie und Fahrwerk stimmt. Genervt hat mich hingegen die nachgebende Reverb-Tele-Stütze. Ich möchte nicht mehr auf eine verzichten, aber das hätte ich nach nur einer Saison nicht erwartet. Und das Gewicht? Akzeptabel. Klar gibt es leichtere Bikes. Aber mit rund 14 Kilo wiegt das Conway nicht mehr als mein normales Touren-Fully – jedoch bei deutlich gesteigertem Fahrspaß!


FAZIT: Ein Enduro ist sicher nicht für jeden Touren-Fahrer eine Option. Bei mir jedoch landete das zuverlässige Conway einen Überraschungscoup. Von wegen, Enduros fahren nur gut bergab. Auch hoch geht’s flott.

  Conway WME 1027 CarbonFoto: BIKE Magazin
Conway WME 1027 Carbon


DEFEKTE / WARTUNG


• 3584 KM: Scheibenbremsen entlüftet – Nach vielen langen Abfahrten sind die Druckpunkte der Sram-Guide-RS-Bremsen gewandert. Das Entlüften half.
• 4362 KM: Rock Shox Reverb sackt ein – Die Tele-Stütze gibt plötzlich beim Aufsitzen um etwa 10 bis 15 Millimeter nach. Ein Service sorgte für Abhilfe.


TUNING


• 60 km: Anpassung von Sitzposition und Ergonomie – 40-mm-Vorbau gegen einen 60er getauscht. Zudem 175er- statt 170er-Kurbeln montiert sowie einen Fizik-Aliante-Sattel.


• 240 km: Federweg hinten justiert – Durch einen Chip in der oberen Dämpferaufnahme lässt sich der Federweg von 170 auf 160 Millimeter reduzieren.

  Conway WME 1027 Carbon: Platzproblem – Im ausgefederten Zustand drückt das obere Ende des Ausgleichs­behälters unten auf die Trinkflasche. Die Gewinde für den Flaschenhalter müssten etwas höher liegen.Foto: Matthias Rotter
Conway WME 1027 Carbon: Platzproblem – Im ausgefederten Zustand drückt das obere Ende des Ausgleichs­behälters unten auf die Trinkflasche. Die Gewinde für den Flaschenhalter müssten etwas höher liegen.


Beziehungs-Highlights


Bike statt Kite: In diesem Jahr habe ich auf Sardinien so tolle Trails entdeckt, dass es mir schwerfiel, aufs Brett zu steigen. Der ewig lange Trail zur Cala-Sisine-Bucht war super, oder die anspruchsvolle Abfahrt durch die wilde Gorropu-Schlucht. Schuld an der Bike-Lust war aber auch das WME, das mich regelrecht in den Sattel lockte.

  Conway WME 1027 Carbon – lieber auf dem Bike durchs Gelände als mit dem Kite auf dem Wasser. Postive Seiten einer Beziehung...Foto: Matthias Rotter
Conway WME 1027 Carbon – lieber auf dem Bike durchs Gelände als mit dem Kite auf dem Wasser. Postive Seiten einer Beziehung...


Das sagen die Leser

"Bin top zufrieden! Habe das Bike jetzt ein Jahr. Außer einem Bruch des Spannhebels an
der vorderen Steckachse gab es keine Defekte." Steff Ruckabärle, Facebook

"Hammer-Bike. Macht echt Laune. Bei zwei meiner Kollegen ist leider die Kettenstrebe mal defekt gewesen (Sturz/Steinschlag). Fährt sich echt super." Alex Bathke, Facebook


DER TESTER

Matthias Rotter, BIKE-Reiseautor
56 Jahre / 1,86 m / 81 kg
Fahrerprofil: All-Mountain-/Touren-Fahrer, von der Feierabendrunde bis hin zu mehrtägigen Etappenfahrten
Lieblingsreviere: Chiemgauer Alpen, Harz, Valle Maira, Val di Susa (beide Piemont)

  Matthias Rotter, BIKE-Reiseautor – mal als Tester unterwegsFoto: Georg Grieshaber
Matthias Rotter, BIKE-Reiseautor – mal als Tester unterwegs


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