EnduroDuell Specialized S-Works Enduro 29 vs. Trek Slash 9.9

Peter Nilges

 · 14.06.2017

Duell Specialized S-Works Enduro 29 vs. Trek Slash 9.9Foto: Wolfgang Watzke

Wer ein potentes 29er-Enduro sucht, kommt an diesen beiden Bikes nicht vorbei. Slash 9.9 und Enduro S-Works buhlen im Highend-Sektor um die Enduro-Krone. Wir baten die beiden Platzhirsche zum Duell.

29er sind die schnelleren Enduros, behaupten Szene-Insider. Vor allem in rauem, unwegsamen Gelände sollen Twentyniner ihre Vorteile ausspielen. Dank neuer Standards wie Boost lassen sich die großen Laufräder zudem kompakt und steif in moderne Enduro-Rahmen mit großen Federwegen integrieren.
Für die, die sich bereits für 29 Zoll entschieden haben, führt an den beiden Bikes in diesem Duell kein Weg vorbei. Die für 2017 neu aufgelegten Modelle lassen sich die beiden Big-Player gut bezahlen – zumindest die Versionen mit Top-Ausstattung. 8699 Euro für das Enduro S-Works und 7499 Euro für das Slash 9.9 sind eine Ansage. Die Rahmen alleine kosten bereits 3499 und 3699 Euro. Als Alternative bietet Trek nur ein Modell für 5499 Euro an, während Specialized mit drei weiteren Modellen bis auf 3299 Euro für die Alu-Variante heruntergeht. 27,5-Zoll-Alternative oder Plus-Reifen-Kompatibilität gibt es nur bei Specialized.

Bei der Geometrie schenken sich die beiden Platzhirsche nichts. Kenngrößen wie Reach und Stack sind nahezu identisch, und auch die Kettenstrebenlänge variiert je nach Einstellung um nur einen Millimeter. Gleiches gilt für die Tretlagerhöhe. Einen markanten Unterschied gibt es dennoch. Das Trek besitzt einen spürbar flacheren Lenkwinkel (0,9 bis 1,3 Grad weniger), der über die Verstellung an der Wippe von super flachen 65 auf immer noch sehr flache 65,4 Grad verstellt werden kann. In Kombination mit den großen Laufrädern bevorzugten wir die auch bei Highspeed völlig ausreichende steilere Einstellung, in der der Hinterbau zudem den größten Federweg freisetzt.

Durch die ähnliche Sitzposition klettern die beiden Enduros ungefähr gleich gut. Wenn es richtig steil wird, steht dem Slash der Talas-Trumpf mit absenkbarer Gabel zur Seite. Ein Gesamtgewicht (ohne Pedale) von 13,2 Kilo für das Specialized bzw. 13,4 Kilo für das Trek sind gemessen am Preis jedoch keinesfalls rekordverdächtig. Im Wiegetritt reagiert der Trek-Hinterbau etwas mehr auf den Input des Fahrers als beim Specialized, dafür ist die zuschaltbare Plattform am Fox-Float-X2-Dämpfer effektiver als die Schnellverstellung am Öhlins-Dämpfer des Specializeds. Bergab schlägt die wahre Stunde der beiden Bikes. Die Laufruhe und Sicherheit, die die beiden Enduros vermitteln, begeistert und macht Racer glücklich. Richtig verspielt fahren sich beide aber nicht. Aufgrund des Lenkwinkels, aber vor allem auch wegen des feinfühligeren und satteren Fahrwerks liegt das Trek in Rumpelpassagen nochmals besser und hält das Specialized auf Distanz. Das Öhlins-Fahrwerk arbeitet zwar auf hohem Niveau, kann den Fox-Federelementen, die die Reifen förmlich am Boden kleben lassen, aber nicht das Wasser reichen. Dafür gibt das Specialized mehr Feedback und fährt sich etwas lebendiger.


FAZIT Peter Nilges, BIKE-Testleiter:
Bei beiden Bikes handelt es sich um Enduros der Spitzenklasse. Seitens der Geometrie gibt es nur wenige Unterschiede. Das Trek ist jedoch kompromissloser und extrem laufruhig auf Race getrimmt, während sich das Specialized etwas breitbandiger gibt. Den größten Unterschied macht das Fahrwerk. Öhlins performt nicht ganz auf Augenhöhe von Fox, wodurch das Trek die Praxiswertung gewinnt. Durch Details wie Swat, Garantieleistung und Ausstattung geht der Punktsieg dennoch klar an Specialized.

  Peter Nilges, BIKE-TestleiterFoto: Markus Greber
Peter Nilges, BIKE-Testleiter


...


DIE TESTERGEBNISSE


SPECIALIZED S-Works Enduro 29

  Specialized S-Works Enduro 29Foto: Markus Greber
Specialized S-Works Enduro 29

Man muss genau hinschauen, um zu erkennen, was sich gegenüber dem Vorgänger geändert hat. Trotz Integration des Swat-Stauraums im Unterrohr behält das Enduro seine typische Rahmenform. Bei den Details hat sich einiges getan. Durch den Boost-Standard konnte die Reifenfreiheit erhöht und der Federweg um acht Millimeter vergrößert werden. Dennoch wurden die Kettenstreben am neuen Enduro um zwei Millimeter länger. Auch bei der Geometrie erhielt das Enduro ein Update. So wurde der Lenkwinkel um ein Grad flacher, das Tretlager wurde um fünf Millimeter abgesenkt und der Reach um neun Millimeter vergrößert. Für mehr Druck auf dem Vorderrad wurde das Steuerrohr deutlich kürzer. Insgesamt fährt sich das neue Enduro dadurch etwas raciger und besitzt mehr Sicherheit, wenn es zur Sache geht. So wendig und verspielt wie das alte Enduro ist es jedoch nicht mehr und will mit mehr Einsatz aufs Hinterrad gezogen werden. Der erstmalig aus Carbon gefertigte Hinterbau spart 200 Gramm ein. Das Setup der Öhlins-Gabel könnte leichter sein.

  Specialized S-Works Enduro 29: Der Verbindungssteg zwischen den Sitzstreben entfällt beim neuen Enduro. Durch den entstandenen Platz sind acht Millimeter mehr Federweg und mehr Reifenfreiheit möglich. Foto: Daniel Simon
Specialized S-Works Enduro 29: Der Verbindungssteg zwischen den Sitzstreben entfällt beim neuen Enduro. Durch den entstandenen Platz sind acht Millimeter mehr Federweg und mehr Reifenfreiheit möglich. 
  Specialized S-Works Enduro 29: Die größte Neuerung ist die Swat-Door im Unterrohr für Flickzeug und Pumpe. Foto: Daniel Simon
Specialized S-Works Enduro 29: Die größte Neuerung ist die Swat-Door im Unterrohr für Flickzeug und Pumpe. 
  Specialized S-Works Enduro 29Foto: BIKE Magazin
Specialized S-Works Enduro 29
  Speciailzed S-Works Enduro 29: Das Fahrwerk vom schwedischen Hersteller Öhlins stellt hinten etwas mehr Federweg als vorne zur Verfügung. Mehr Gabelprogression ist durch eine zweite Luftkammer einstellbar.Foto: BIKE Magazin
Speciailzed S-Works Enduro 29: Das Fahrwerk vom schwedischen Hersteller Öhlins stellt hinten etwas mehr Federweg als vorne zur Verfügung. Mehr Gabelprogression ist durch eine zweite Luftkammer einstellbar.
  Specialized S-Works Enduro 29Foto: BIKE Magazin
Specialized S-Works Enduro 29


TREK Slash 9.9

  Trek Slash 9.9Foto: Markus Greber
Trek Slash 9.9

Der Vorgänger des Slashs rollte ausnahmslos auf 27,5-Zoll-Laufrädern und besaß den bislang leichtesten von uns gemessenen Enduro-Car­bon-Rahmen. Für 2017 gibt es das Slash nur noch als 29er. Auch wenn das Rahmengwicht keine Rekorde mehr bricht, bringt das Vollcarbon-Chassis gut 200 Gramm weniger auf die Waage als der Specialized-Rahmen. Bei der Geometrie macht Trek keine Gefangenen und setzt die Wünsche der Racer nach Laufruhe und einem langem Reach sehr konsequent um. Im Zusammenspiel mit den 29er-Laufrädern sorgt der Lenkwinkel von 65 Grad für maximale Sicher­heit bei Highspeed-Rumpelpassagen. Bei langsamer Fahrt wird die Lenkung aber schon kippelig, weshalb wir die steilere Position der Geo-Verstellung bevorzugten. Mit 7499 Euro muss man für das Top-Modell bereits tief in die Tasche greifen. Carbon-Laufräder gibt es aber noch nicht. Die Gabelabsenkung hilft beim Klettern, treibt aber das Gewicht in die Höhe. Fahrfertige 13,77 Kilo sind in dieser Preisklasse eher solide. Fazit: schneller Racer statt verspielter Trail-Räuber.

  Trek Slash 9.9: Der Knock-Block-Steuersatz begrenzt den Lenkeinschlag und soll den Rahmen vor Kollisionen mit der Gabelkrone oder den Armaturen schützen.Foto: Daniel Simon
Trek Slash 9.9: Der Knock-Block-Steuersatz begrenzt den Lenkeinschlag und soll den Rahmen vor Kollisionen mit der Gabelkrone oder den Armaturen schützen.
  Trek Slash 9.9: Über den Mino-Link lässt sich die Geometrie feintunen mit einer Änderung des Lenkwinkels von 0,4 Grad.Foto: Daniel Simon
Trek Slash 9.9: Über den Mino-Link lässt sich die Geometrie feintunen mit einer Änderung des Lenkwinkels von 0,4 Grad.
  Trek Slash 9.9Foto: BIKE Magazin
Trek Slash 9.9
  Trek Slash 9.9: Trek schwimmt gegen den Strom und hält an der Gabelabsenkung fest. Die Geo-Verstellung am Hinterbau beeinflusst auch den Federweg. Im flachen Setup sind es 155 mm.Foto: BIKE Magazin
Trek Slash 9.9: Trek schwimmt gegen den Strom und hält an der Gabelabsenkung fest. Die Geo-Verstellung am Hinterbau beeinflusst auch den Federweg. Im flachen Setup sind es 155 mm.
  Trek Slash 9.9Foto: BIKE Magazin
Trek Slash 9.9


Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe BIKE 1/2017 können Sie in der BIKE-App (iTunes und Google Play) lesen oder die Ausgabe im DK-Shop nachbestellen:

Meistgelesene Artikel