Enduro

9 Enduro-Bikes mit 150 bis 170 mm Federweg im Test

Ludwig Döhl

 · 30.11.2019

9 Enduro-Bikes mit 150 bis 170 mm Federweg im TestFoto: Markus Greber

Mit viel Federweg und griffigen Reifen sollen Enduro-Bikes bergab richtig glücklich machen. Die Preis-Frage in unserem Vergleichstest lautet: Muss der Abfahrtsrausch mehr als 3000 Euro kosten?

Enduros sind teuer. Wer sich durch die Web-Seiten angesagter Bike-Marken klickt, wird schnell merken, dass an vielen Enduros ambitionierte Preisschilder mit Werten jenseits von 8000 Euro baumeln. Auch wenn die Top-Modelle der meisten Hersteller reine Prestigeobjekte mit homöopathischen Verkaufszahlen sind, zieht ihre Strahlkraft auch Normalverdiener in den Bann. Mit Blick auf das eigene Budget stellt sich dann schnell die Frage: Geht das auch billiger? Wie gut funktioniert beispielsweise ein Enduro für 3000 Euro, wenn es doch Bikes für über 8000 Euro gibt? Oder ist diese Frage sogar gefährlich? Der amerikanische Sozialpsychologe Leon Festinger hat in seiner Theorie des Sozialen Vergleichs immerhin schon 1954 gewarnt, dass der ständige Aufwärtsvergleich das eigene Selbstwertgefühl schmälern kann – keine gute Voraussetzung für souveräne Trailrides. Wir haben es dennoch gewagt und neun eher günstige Enduros zum Vergleichstest bestellt. Verbeult ein Mittelklasse-Enduro wirklich das sensible Ego, oder funktionieren die Preiskracher am Ende ähnlich gut wie die Top-Modelle?

Erste Hinweise geben die Ausstattungslisten. Goldene Fox-Kashima-Fahrwerke und Sram-XX1-Eagle-Kassetten darf man in dieser Preisklasse natürlich nicht erwarten, aber verstecken muss sich die Ausstattung der meisten Bikes nicht. Bis auf das Fuji haben alle Test-Bikes aktuelle 1x12-Schaltungen. Canyon, Cube und Rocky Mountain verfügen mit der günstigen Sram-NX-Kassette trotz Eagle-Technologie aber nur über eine Übersetzungsbandbreite von 455 statt der üblichen 500 Prozent. Ein kleiner Nachteil im Vergleich zu den Top-Modellen. Immerhin stammen alle Federgabeln und Dämpfer von den beiden renommiertesten Herstellern, Fox und Rockshox. Vier Test-Bikes überraschen sogar mit einem Vollcarbonrahmen. Die Versender Radon und Rose drücken das Gesamtgewicht inklusive Pedale mit einem leichten Chassis und guter Ausstattung sogar unter 14 Kilo. Cube liegt als Fachhandelsmarke mit seinem 29er-Bike nur knapp drüber. Interessante Erkenntnis beim Aufwärtsvergleich: Leichter werden die Bikes auch nicht, wenn man über das Doppelte dafür bezahlt.

  Die entlegensten Orte und besten Aussichten der Alpen liegen oft in unwegsamem Gelände. Enduro-MTBs klettern zwar nicht schnell, scheuen dafür aber keine verblockten Trails oder steile Abfahrten. Foto: Markus Greber
Die entlegensten Orte und besten Aussichten der Alpen liegen oft in unwegsamem Gelände. Enduro-MTBs klettern zwar nicht schnell, scheuen dafür aber keine verblockten Trails oder steile Abfahrten. 
  Sehr gute Enduros wie <a href="https://www.awin1.com/cread.php?awinmid=11768&awinaffid=471469&clickref=B+Rose+Pikes+Peak+&ued=https%3A%2F%2Fwww.rosebikes.de%2Ffahrr%25C3%25A4der%2Fmtb" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">Roses Pikes Peak</a> * scheuen weder eine längere Tour in den Alpen noch den Einsatz im Bikepark. Wer hauptsächlich bergab Gas geben will, wird mit diesen Bikes glücklich.Foto: Markus Greber
Sehr gute Enduros wie Roses Pikes Peak * scheuen weder eine längere Tour in den Alpen noch den Einsatz im Bikepark. Wer hauptsächlich bergab Gas geben will, wird mit diesen Bikes glücklich.

In BIKE 12/18 hatten wir einen Enduro-Test ohne Preis-Limit veröffentlicht. Trotz deutlich höherer Preise wogen die Test-Bikes damals im Schnitt über 14 Kilo mit Pedalen. Die Laufradbeschleunigungen und Rahmensteifigkeiten der Top-Modelle rangierten in etwa auf demselben Niveau wie bei unserem aktuellen Testfeld. Auf dem Papier stehen die meisten Bikes für um die 3000 Euro also ganz gut da. Und in der Praxis?

Die Testgruppe

3000 Euro
Unterhalb dieser Preisgrenze findet man bei Enduro-Mountainbikes nur sehr schwer sinnvolle Modelle. Deshalb sprechen wir bei diesem Testfeld von günstigen Bikes – auch wenn 3000 Euro eine ganze Menge Geld sind.

Versender oder Fachhandel
Von unseren neun Testrädern kann man drei nur im Internet bestellen. Rose, Radon und Canyon haben zwar einzelne Flagship-Stores, aber kein flächendeckendes Händlernetz. Die Versender sind für ihr gutes Preis-Leistungsverhältnis bekannt, bieten dafür aber weniger lokalen Service. Reklamationen oder Reparaturen bedeuten für Kunden mehr Aufwand. Hier punkten Fachhandelsmarken wie Cube, Trek oder Rocky Mountain.

Laufradgrößen
Immer mehr Bikes rollen mittlerweile auf großen 29er-Laufrädern. Mit Radon und Rose haben zwei sehr gute Bikes aus diesem Test aber kleine 27,5-Zoll-Laufräder. Beide Laufradgrößen haben ihre Berechtigung im Markt.

Die entlegensten Orte und besten Aussichten der Alpen liegen oft in unwegsamem Gelände. Enduros klettern zwar nicht schnell, scheuen dafür aber keine verblockten Trails oder steile Abfahrten. Foto: Markus Greber
Die entlegensten Orte und besten Aussichten der Alpen liegen oft in unwegsamem Gelände. Enduros klettern zwar nicht schnell, scheuen dafür aber keine verblockten Trails oder steile Abfahrten. 
Canyon Strive CF 5.0Foto: Georg Grieshaber
Canyon Strive CF 5.0
Canyon Strive CF 5.0: Mit der Neuauflage des Strive überarbeitete Canyon auch seinen Shapeshifter. Links am Lenker sitzt jetzt ein Kombi Schalter für die versenkbare Sattelstütze (großer Hebel unten) sowie für das Verstellen der Geometrie beziehungsweise des Federwegs. Foto: Georg Grieshaber
Canyon Strive CF 5.0: Mit der Neuauflage des Strive überarbeitete Canyon auch seinen Shapeshifter. Links am Lenker sitzt jetzt ein Kombi Schalter für die versenkbare Sattelstütze (großer Hebel unten) sowie für das Verstellen der Geometrie beziehungsweise des Federwegs. 
Canyon Strive CF 5.0: Der Pneumatikzylinder liegt unter einer Abdeckung. Er stellt für steile Anstiege den Sitzwinkel um 0,8 Grad steiler und erhöht das Tretlager um zehn Millimeter. Der Federweg des Hinterbaus reduziert sich dadurch auf 131 Millimeter ohne Beeinträchtigung der Funktion.Foto: Georg Grieshaber
Canyon Strive CF 5.0: Der Pneumatikzylinder liegt unter einer Abdeckung. Er stellt für steile Anstiege den Sitzwinkel um 0,8 Grad steiler und erhöht das Tretlager um zehn Millimeter. Der Federweg des Hinterbaus reduziert sich dadurch auf 131 Millimeter ohne Beeinträchtigung der Funktion.
Cube Stereo 150 C:62 RaceFoto: Georg Grieshaber
Cube Stereo 150 C:62 Race
Fuji Auric 27,5 LT 1.3Foto: Georg Grieshaber
Fuji Auric 27,5 LT 1.3
Fuji Auric 27,5 LT 1.3: Beim M-Link-Hinterbau von Fuji sitzt ein Gelenk in der Mitte der Kettenstrebe. Federt der Hinterbau ein, drückt das Gelenk gegen die Kette. Auf Abfahrten klappert das Auric deshalb besonders laut.Foto: Georg Grieshaber
Fuji Auric 27,5 LT 1.3: Beim M-Link-Hinterbau von Fuji sitzt ein Gelenk in der Mitte der Kettenstrebe. Federt der Hinterbau ein, drückt das Gelenk gegen die Kette. Auf Abfahrten klappert das Auric deshalb besonders laut.
KTM Prowler 291 12Foto: Georg Grieshaber
KTM Prowler 291 12
Polygon Siskiu N9Foto: Georg Grieshaber
Polygon Siskiu N9
Radon Jab 10.0Foto: Georg Grieshaber
Radon Jab 10.0
Radon Jab 10.0: Der Schwalbe-Rock-Razor-Hinterreifen am Radon rollt mit seinem niedrigen Profil sehr leicht. Dafür verzögert er nur mäßig und war während unseres Tests anfällig für Pannen.Foto: Georg Grieshaber
Radon Jab 10.0: Der Schwalbe-Rock-Razor-Hinterreifen am Radon rollt mit seinem niedrigen Profil sehr leicht. Dafür verzögert er nur mäßig und war während unseres Tests anfällig für Pannen.
Rocky Mountain Altitude A50Foto: Georg Grieshaber
Rocky Mountain Altitude A50
Rocky Mountain Altitude A50: Zwei ineinander verschachtelte Aluminiumvierecke an der hinteren Dämpferaufhängung verstellen den Federweg und die Geometrie des Rocky Mountain auf neun Positionen. Am besten funktionierte im Test die Einstellung mit dem maximalen Federweg von 163 Millimetern.Foto: Georg Grieshaber
Rocky Mountain Altitude A50: Zwei ineinander verschachtelte Aluminiumvierecke an der hinteren Dämpferaufhängung verstellen den Federweg und die Geometrie des Rocky Mountain auf neun Positionen. Am besten funktionierte im Test die Einstellung mit dem maximalen Federweg von 163 Millimetern.
Rose Pikes Peak 2 EN 27,5"Foto: Georg Grieshaber
Rose Pikes Peak 2 EN 27,5"
Rose Pikes Peak 2 EN 27,5": Die Progeo-Verstellung am Rose variiert die Kennlinie des Hinterbaus und die Geometrie des Pikes Peak. Im BIKE-Test gefiel uns die "Impact”-Einstellung mit tiefem Tretlager am besten.Foto: Georg Grieshaber
Rose Pikes Peak 2 EN 27,5": Die Progeo-Verstellung am Rose variiert die Kennlinie des Hinterbaus und die Geometrie des Pikes Peak. Im BIKE-Test gefiel uns die "Impact”-Einstellung mit tiefem Tretlager am besten.
Trek Slash 8Foto: Georg Grieshaber
Trek Slash 8
Sinnvolles Extra: Radon, Rose, Canyon, Rocky Mountain und Fuji rüsten ihre Enduros ab Werk mit einer Kettenführung aus.Foto: Georg Grieshaber
Sinnvolles Extra: Radon, Rose, Canyon, Rocky Mountain und Fuji rüsten ihre Enduros ab Werk mit einer Kettenführung aus.
Im Vordergrund: Polygon Siskiu N9Foto: Markus Greber
Im Vordergrund: Polygon Siskiu N9
Sehr gute Enduros wie Roses Pikes Peak scheuen weder eine längere Tour in den Alpen noch den Einsatz im Bikepark. Wer hauptsächlich bergab Gas geben will, wird mit diesen Bikes glücklich.Foto: Markus Greber
Sehr gute Enduros wie Roses Pikes Peak scheuen weder eine längere Tour in den Alpen noch den Einsatz im Bikepark. Wer hauptsächlich bergab Gas geben will, wird mit diesen Bikes glücklich.
Die entlegensten Orte und besten Aussichten der Alpen liegen oft in unwegsamem Gelände. Enduros klettern zwar nicht schnell, scheuen dafür aber keine verblockten Trails oder steile Abfahrten. Foto: Markus Greber
Die entlegensten Orte und besten Aussichten der Alpen liegen oft in unwegsamem Gelände. Enduros klettern zwar nicht schnell, scheuen dafür aber keine verblockten Trails oder steile Abfahrten. 
Canyon Strive CF 5.0Foto: Georg Grieshaber
Canyon Strive CF 5.0
Canyon Strive CF 5.0
Canyon Strive CF 5.0: Mit der Neuauflage des Strive überarbeitete Canyon auch seinen Shapeshifter. Links am Lenker sitzt jetzt ein Kombi Schalter für die versenkbare Sattelstütze (großer Hebel unten) sowie für das Verstellen der Geometrie beziehungsweise des Federwegs. 
Canyon Strive CF 5.0: Der Pneumatikzylinder liegt unter einer Abdeckung. Er stellt für steile Anstiege den Sitzwinkel um 0,8 Grad steiler und erhöht das Tretlager um zehn Millimeter. Der Federweg des Hinterbaus reduziert sich dadurch auf 131 Millimeter ohne Beeinträchtigung der Funktion.
Cube Stereo 150 C:62 Race
Fuji Auric 27,5 LT 1.3
Fuji Auric 27,5 LT 1.3: Beim M-Link-Hinterbau von Fuji sitzt ein Gelenk in der Mitte der Kettenstrebe. Federt der Hinterbau ein, drückt das Gelenk gegen die Kette. Auf Abfahrten klappert das Auric deshalb besonders laut.
KTM Prowler 291 12
Polygon Siskiu N9
Radon Jab 10.0
Radon Jab 10.0: Der Schwalbe-Rock-Razor-Hinterreifen am Radon rollt mit seinem niedrigen Profil sehr leicht. Dafür verzögert er nur mäßig und war während unseres Tests anfällig für Pannen.
Rocky Mountain Altitude A50
Rocky Mountain Altitude A50: Zwei ineinander verschachtelte Aluminiumvierecke an der hinteren Dämpferaufhängung verstellen den Federweg und die Geometrie des Rocky Mountain auf neun Positionen. Am besten funktionierte im Test die Einstellung mit dem maximalen Federweg von 163 Millimetern.
Rose Pikes Peak 2 EN 27,5"
Rose Pikes Peak 2 EN 27,5": Die Progeo-Verstellung am Rose variiert die Kennlinie des Hinterbaus und die Geometrie des Pikes Peak. Im BIKE-Test gefiel uns die "Impact”-Einstellung mit tiefem Tretlager am besten.
Trek Slash 8
Sinnvolles Extra: Radon, Rose, Canyon, Rocky Mountain und Fuji rüsten ihre Enduros ab Werk mit einer Kettenführung aus.
Im Vordergrund: Polygon Siskiu N9
Sehr gute Enduros wie Roses Pikes Peak scheuen weder eine längere Tour in den Alpen noch den Einsatz im Bikepark. Wer hauptsächlich bergab Gas geben will, wird mit diesen Bikes glücklich.
Die entlegensten Orte und besten Aussichten der Alpen liegen oft in unwegsamem Gelände. Enduros klettern zwar nicht schnell, scheuen dafür aber keine verblockten Trails oder steile Abfahrten. 

Den gesamten Vergleichstest dieser neun Enduro-Bikes inkl. Punktetabellen, Labor-Messwerten und Fahrberichten finden Sie als PDF unten im Download-Bereich:

Den kompletten Vergleichstest inkl. aller Daten, Punktetabellen und der Notenübersicht finden Sie in BIKE 9/2019. Als PDF kostet der Vergleichstest 1,99 Euro. Warum nicht kostenlos? Weil Qualitätsjournalismus einen Preis hat. Dafür garantieren wir Unabhängigkeit und Objektivität. Das betrifft ganz besonders die Tests in BIKE. Die lassen wir uns nicht bezahlen, sondern das Gegenteil ist der Fall: Wir lassen sie uns etwas kosten, und zwar Hunderttausende Euro jedes Jahr.

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