Die gemeinsten Vorwürfe gegen Biker im Fakten-Check

Laurin Lehner

 · 15.04.2018

Die gemeinsten Vorwürfe gegen Biker im Fakten-CheckFoto: Nathan Hughes
Die gemeinsten Vorwürfe gegen Biker im Fakten-Check

Boden-Zerstörer, Wild-Schreck, Krankenassen-Kostentreiber: Als Biker sieht man sich vielen Vorurteilen ausgesetzt. Wir fragten bei unseren Experten nach und sagen, was wirklich stimmt.

Vorurteil 1: Biker machen die Wege kaputt und verstärken die Erosion.

Das sagen BIKE-Fans auf Facebook:

"Ja sicher...Biker sind Böse Menschen...dann lieber Tonnenweise Öl im Meer!!" "Kann sein! Es gibt sicher schwarze Schafe - die gibt es in jeder Gruppierung. Eine Tatsache läßt sich jedoch nicht widerlegen: MTBler halten auch Wanderwege, die nicht so oft begangen werden frei und begehbar. Wer den Spuren zu Fuß folgt, wird oft feststellen, daß der Weg wunderbar zu begehen ist." "Ja, richtig üble Gesellen, diese Mountainbiker! Fahren mit ihren Fatbikes so tiefe Furchen in den Boden, dass die armen Waldarbeiter mit ihren Harvestern fast darin steckenbleiben." "Wer vor lauter fahrerischem Unvermögen mit blockiertem Hinterrad abfährt, macht ja schon Erosionsrinnen- aber sonst ?" "Was ich viel schlimmer finde ist der ganze MÜLL im wald der achtlos weggeworfen wird. Um die fahrspuren kümmert sich die Natur schon selbst drum!"


Und was stimmt wirklich?
Die Antwortet lautet ja. Über das Thema wurden unzählige wissenschaftliche Arbeiten geschrieben. Auch wenn die Bike-Lobby sich gerne Untersuchungen mit dem Ergebnis raussucht, dass Mountainbike-Reifen schonender durchs Gelände rollen als die Profilsohlen der Wanderer: Die Realität sieht anders aus. "Rollt man einfach durch den Wald, ist Mountainbiken nicht schädlicher als Wandern", sagt Dr. Stefan Siebert von der Deutschen Sporthochschule in Köln, "geht’s aber bergab, ist das nicht mehr richtig.

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  Zugegeben, Biker machen Wege kaputt und verstärken die Bodenerosion. Es kommt aber auf die Fahrweise an. Rollt man einfach durch den Wald, ist Mountainbiken nicht schädlicher als Wandern.Foto: Nathan Hughes
Zugegeben, Biker machen Wege kaputt und verstärken die Bodenerosion. Es kommt aber auf die Fahrweise an. Rollt man einfach durch den Wald, ist Mountainbiken nicht schädlicher als Wandern.

Vor allem mit aggressiver Fahrtechnik reißen Mountainbike-Reifen den Boden auf und der Erosions-Teufelskreis beginnt. Jeder, der viel frequentierte Abfahrtstrails gesehen hat, wird das bestätigen können", sagt Siebert. Doch wie bei allem ist entscheidend, wie stark befahren der Trail durch Biker ist. Und auch mit der Fahrweise kann man dazu beitragen, dass Wege geschont werden. Kurven-Drifts, blockierte Räder und sehr starkes Bremsen gehören dazu nicht.

Vorurteil 2: Biker erschrecken Wildtiere wie Hirsch, Reh, Fuchs und Hase.

Das sagen BIKE-Fans auf Facebook dazu:

"Absoluter Quatsch. Bei so viel Unruhe im Wald wie unteranderem durch die Windkraftanlagen gewöhnen sich die Tiere an den Verkehr im Wald. Zumal auch genug Maschinen zum Teil 24 Stunden am Tag im Wald das Holz ernten bzw Sturmschäden beseitigen.
Man sollte nur nicht über Wildäsungswiesen fahren." "Immer locker bleiben, bevor wir das Wild sehen, haben die uns schon längst auf dem schirm und solange man nicht im Wald rumschreit wie ein geisteskranker kann ja nichts passieren. Wenn im Herbst Treibjagd ist kann man wohl kaum von human reden.Da wird das wild von den Hunden durch den Wald gehetzt und als dank noch abgeknallt. Aber es ist immer einfacher die schuld auf andere zu schieben wie mal sein verhalten selbst zu überdenken. Jeder sollte Rücksicht auf die Natur nehmen."


Was stimmt wirklich?
Grundsätzlich gilt: Je mehr Rückzugsorte die Tierwelt hat, umso besser geht es ihr. Jeder neue Pfad durch die Natur schränkt diese Rückzugsorte ein – da spielt es jedoch erst mal keine Rolle, ob da Wanderer oder Biker unterwegs sind. "Solange die Menschen auf den ausgeschilderten Wegen bleiben, interessiert das die Tierwelt nicht”, sagt Kreisjägermeister Hartwig Görtler.

Doch inwiefern schaden Biker und Wanderer konkret dem Wild? Generell lösen Menschen bei Tieren Angst aus. Folge: ein Fluchtreflex. "Das kann besonders im Winter zum Problem werden, wenn die Tiere ihren Organismus runterfahren und Ruhe brauchen, um Energie zu sparen", weiß Görtler. Müssen die Tiere andauernd flüchten, führt das zu Gewichtsverlust und häufig gar zum Hungertod.

  Ein schneller Biker kann die Tierwelt in Aufregung versetzen, was in abgelegenen Ecken und besonders im Winter zum Problem werden kann. Bleiben wir jedoch auf den stark von Menschen frequentierten Wegen, interessiert sich die Tierwelt ziemlich wenig für uns.Foto: Fotolia
Ein schneller Biker kann die Tierwelt in Aufregung versetzen, was in abgelegenen Ecken und besonders im Winter zum Problem werden kann. Bleiben wir jedoch auf den stark von Menschen frequentierten Wegen, interessiert sich die Tierwelt ziemlich wenig für uns.

Wer schadet nun mehr? Biker oder Wanderer? Ausschlaggebend ist die Anzahl der Biker oder Wandersleute. Will man trotzdem unterscheiden, kommt der Biker schlechter weg – denn der bewegt sich schneller, was die Tierwelt in größere Aufregung versetzt. "Wanderer mit Hunden machen den Tieren aber noch mehr aus – denn Hunde signalisieren Gefahr”, sagt Görtler.

Vorwurf 3: Biker schaden der Umwelt.

Das sagen BIKE-Fans auf Facebook dazu:

"Es gibt ja schon fahrtechnisch komplett unfähige Anfänger (oder auch Profis im Promo- Video, die Berge mit blockiertem Hinterrad herunterrutschen. Aber die allermeisten Bergradler hinterlassen keinerlei nachhaltige Spuren und auch keinen Müll."


Die Antwort:
Welches Hobby ist umweltfreundlicher: Wandern oder Biken? Mit weniger Ausrüstung und geringerem CO2-Ausstoß bei der Produktion des Sportgeräts macht der Wanderer da sicher eine bessere Figur. Dagegen ist die Frage, ob Biker der Flora und Fauna mehr schaden als Wanderer, nicht so leicht zu beantworten. Zumindest lassen sich viele Vorwürfe leicht aus dem Weg räumen: "Nein, es ist nicht belegt, dass Biker seltene Tierarten in signifikanter Größenordnung überfahren oder Pflanzenarten wegen uns aussterben", sagt DIMB-Frontmann Heiko Mittelstädt.

Auch die Bodenverdichtung ist ein gern vorgebrachtes Argument der Naturschützer, doch auch hier darf man sich wundern. Schließlich haben es Wege an sich, verdichtet zu sein – weil man darauf geht, reitet oder eben Mountainbike fährt. Eine wissenschaftliche Studie der Universität von Ljubljana belegt, dass Pflanzen neben dem Trail aufgrund von vorbeifahrenden Bikern nicht geschädigt werden. Anders sieht es natürlich bei Querfeldein-Fahrten aus – da sind sich selbst Biker einig: Das schadet tatsächlich der Flora und Fauna. Die Frage bleibt allerdings erlaubt, welcher Biker fährt quer durchs Gestrüpp?

  Wenn Biker auf den Wegen bleiben, schaden sie Flora und Fauna kaum.Foto: Manuel Rohne
Wenn Biker auf den Wegen bleiben, schaden sie Flora und Fauna kaum.


Fazit, die Antwort lautet: weder noch. Wanderer und Biker schaden Pflanzen und seltenen Tiere gleichermaßen – nämlich kaum, solange beide auf den Wegen bleiben. Wonach wir dagegen nicht gefragt haben: Welche Schäden die Forstwirtschaft mit ihren Harvester-Schneisen anrichtet. Aber das weiß jeder, der das mal im Wald gesehen hat.

Vorwurf 4: Biker treiben die Krankenkassenbeiträge in die Höhe.

Bike-Fans kommentierten auf Facebook:

"Tourenbiken dürfte eine Art Anti- Zigarette sein: Niedrigere Krankenkassenkosten und dafür mehr Rentenausschüttung. Da sie aber wegen Mehrleistung im Job auch mehr einzahlen, geht das schon in Ordnung." "Ja tun sie,die pösen piker! Ich z. B. pack mich jede 10. Abfahrt absichtlich ordentlich aufs Maul in der Hoffnung,die Kosten hochzutreiben..."
  Auch wenn ein Krankenhausaufenthalt teuer ist, das Bild trügt: Mountainbiker gehören zu den gesunden Bürgern. Die großen Kostentreiber bei den Krankenkassen sind Volkskrankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht oder Alkoholkonsum. Im Vergleich dazu sind Mountainbike-typische Verletzungen komplett vernachlässigbar.Foto: Jan Greune
Auch wenn ein Krankenhausaufenthalt teuer ist, das Bild trügt: Mountainbiker gehören zu den gesunden Bürgern. Die großen Kostentreiber bei den Krankenkassen sind Volkskrankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht oder Alkoholkonsum. Im Vergleich dazu sind Mountainbike-typische Verletzungen komplett vernachlässigbar.


Stimmt das wirklich?
Durch Stürze von Bikern, ihre Verletzungen und hohe Behandlungskosten steigen die Beiträge aller Versicherungsnehmer – so der Vorwurf. Das ist falsch, zumindest im Vergleich. Im Gegenteil: Mountainbiker zählen zu den gesunden Beitragszahlern, die im Schnitt geringe Kosten verursachen. Zwar sind Krankenhausaufenthalte nicht billig, doch sie fallen nicht ansatzweise ins Gewicht.

Schwere Verletzungen (Knochenbrüche) stellen nämlich nur ein Zehntel aller Mountainbike-Verletzungen. Meist bleibt es bei Hautabschürfungen, Prellungen und Verstauchungen. "Bricht doch mal ein Knochen, dann meist das Schlüsselbein", schreibt Dr. med. Karlheinz Zeilberger auf der Internet-Plattform Netdoktor. Der Pressesprecher Athanasios Drougias von der Barmer GEK sagt: "Die klaren Kostentreiber sind die typischen Volkskrankheiten wie Krebsleiden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht oder Alkoholkonsum. Mountainbiker sind komplett zu vernachlässigen".

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