Test All-Mountain-E-Bikes 20228 E-All-Mountains im großen EMTB-Lesertest

Florentin Vesenbeckh

 · 25.08.2022

Test All-Mountain-E-Bikes 2022: 8 E-All-Mountains im großen EMTB-LesertestFoto: Robert Niedring
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5200 bis 5700 Euro, 140 bis 160 Millimeter Federweg, Versender und Fachhandel. Wir haben acht All-Mountain-E-Bikes mit top Preis-Leistungs-Verhältnis eingepackt und 35 Teilnehmer beim EMTB-Camp am Kalterer See zum Lesertest gebeten.

Das bronze schimmernde YT Decoy 29 zieht die Blicke auf sich. Sportlich, cool, elegant. Hier würden viele Tester gerne einen Run riskieren. Doch am Tag 2 unseres Lesertests hat das schmucke Versender-Bike bei den Teilnehmer des EMTB-Camps einen schweren Stand. Denn: Die höhenmeterstarke Tages-Tour zur Malga Cislon steht an. Mit nur 540 Wattstunden kann das Decoy heute nicht punkten. Das Risiko eingehen, dass dem schicken Flitzer im langen Anstieg die Puste ausgeht? Lieber nicht, scheint sich die Masse zu denken. Der Blick bleibt an den besser bestückten Testrädern hängen, die mit über 700 Wattstunden den Stand der Technik abbilden. Im Markt der E-MTBs mit klassischem Antrieb stellt das Decoy 29 mit seinem 540er-Akku inzwischen die Ausnahme dar. Ist ein Bike mit dieser Akku-Kapazität noch konkurrenzfähig? Oder kann es sich vielleicht gerade deshalb mit hervorragenden Fahr­eigenschaften von der Masse der All-Mountain E-Bikes abheben?

Verlagssonderveröffentlichung
Die Tester im EinsatzFoto: Robert Niedring
Die Tester im Einsatz

Mit derlei Fragestellungen im Gepäck haben wir uns an den Kalterer See begeben. Mit dabei: acht brandaktuelle All-Mountain E-Bikes. Die Teilnehmer des EMTB-Trailcamps haben wir an unserem großen Vergleichstest teilhaben lassen, um neben dem klassischen Prozedere der EMTB-Testexperten auch den Blickwinkel der Leser mit einfließen zu lassen. Rund 5500 Euro, 140 bis 160 Millimeter Federweg, Motoren von Bosch, Shimano und Yamaha. Ein breiter Querschnitt durchs Segment der E-MTB-Allrounder.

Aber zurück zur Partnerwahl. EMTB-Leser Tobi traut sich trotz kleinstem Akku an das YT Decoy. Der drahtige 40-Jährige ist verhältnismäßig leicht und sammelt in seinem Alltag reichlich Kilometer. Die Fitness stimmt. 1300 Höhenmeter am Stück stehen auf dem Programm, doch kurz vor dem letzten, supersteilen Stich zum höchs­ten Punkt der Tour gibt es eine Möglichkeit, den Akku für ein paar Minuten an die Steckdose zu hängen. Am Nachmittag kehrt Tobi mit rund fünfzig Prozent Akku ans Ufer des Kalterer Sees zurück und ist mit der Performance des Decoy 29 sehr zufrieden. Dank guter Fitness hat sich Tobi die Höhenmeter weitestgehend im Eco-Modus erarbeitet.

Die Reichhöhe - ein wichtiges Kriterium bei den Testbewertungen.Foto: Robert Niedring
Die Reichhöhe - ein wichtiges Kriterium bei den Testbewertungen.

Ein anderes Bild zeigt sich beim überwiegenden Rest des Teilnehmerfeldes: andere Statur, andere Fahrweise, anderes Fitness-Level – nicht wenige erreichen das Ende der Tour mit der letzten Wattstunde Strom. Teilweise trotz großem 750er-Akku oder ausgiebigem Ladestopp. Dabei ist das Touren-Profil mit 35,6 Kilometern und 1330 Höhenmetern zwar ordentlich, aber keineswegs extrem. Die Reichweite, und damit auch die ideale Akku-Größe, hängt also ganz erheblich von individuellen Faktoren ab. Dennoch ist sich das Teilnehmerfeld weitgehend darüber einig, dass etwas mehr Akku-Reserven nicht schaden. Wie wenig Spaß es macht, vor dem Ende der Tour mit leerer Batterie dazustehen, mussten im Laufe der drei Tage einige der Camp-Teilnehmer erfahren. Deswegen ist sich das Gros der Truppe auch einig: Mindestens 625 Wattstunden, gerne auch mehr als 700, dürfen es schon sein.

Je mehr, desto besser also? Nicht unbedingt. Grenzenlose Reichweite durch immer dickere Akkus wünschen sich die wenigsten. Aus dem naheliegenden Grund: „Dann werden die Dinger ja noch schwerer“, wissen die Teilnehmer unisono. Da ist es also, das Dilemma, mit dem die gesamte E-MTB-Industrie ringt: pralle Akku-Reserve versus hohes Gewicht – die Suche nach dem bestmöglichen Kompromiss.

Drei Tage war das EMTB-Team mit den Teilnehmern des EMTB-Camps auf den Trails in Kaltern unterwegs. Das Interesse an  den Test-Bikes war groß, und es wurde viel gefachsimpelt. Eines der Themen: das Gewicht der Bikes. Die 27,6 Kilo des KTM machen sich nicht nur bei Hürden auf dem Weg bemerkbar. Schade, denn die  Geometrie des Macina Kapoho lädt durchaus zum Spielen ein.Foto: Robert Niedring
Drei Tage war das EMTB-Team mit den Teilnehmern des EMTB-Camps auf den Trails in Kaltern unterwegs. Das Interesse an den Test-Bikes war groß, und es wurde viel gefachsimpelt. Eines der Themen: das Gewicht der Bikes. Die 27,6 Kilo des KTM machen sich nicht nur bei Hürden auf dem Weg bemerkbar. Schade, denn die Geometrie des Macina Kapoho lädt durchaus zum Spielen ein.

Die Details bei den acht All-Mountain E-Bikes

Auf welche Ausstattungsdetails setzen die Hersteller, welche konstruktiven Trends setzen sich durch? Die Details an unseren Testbikes zeigen grundlegende Unterschiede auf.

Kommandozentrale oder schlankes Cockpit? Boschs Kiox 300 bietet viele Funktionen, thront aber exponiert am Lenker. Die Shimano-Displays sind hingegen schlank und gut geschützt – bieten aber nicht einmal eine prozentgenaue Akku-Anzeige.Foto: Adrian Kaether
Kommandozentrale oder schlankes Cockpit? Boschs Kiox 300 bietet viele Funktionen, thront aber exponiert am Lenker. Die Shimano-Displays sind hingegen schlank und gut geschützt – bieten aber nicht einmal eine prozentgenaue Akku-Anzeige.
Reifenwahl: Alle acht Kandidaten setzen auf Maxxis-Pneus. Cube verbaut hinten eine robuste und schwere DD-Karkasse, alle anderen setzen mit EXO bzw. EXO+ auf Gewichtsersparnis und weniger Pannenschutz.Foto: Adrian Kaether
Reifenwahl: Alle acht Kandidaten setzen auf Maxxis-Pneus. Cube verbaut hinten eine robuste und schwere DD-Karkasse, alle anderen setzen mit EXO bzw. EXO+ auf Gewichtsersparnis und weniger Pannenschutz.
Fünf von acht Bikes lassen Schaltzüge und Bremskabel durch den Steuersatz in den Rahmen laufen. Nicht bei allen führt das zu einer aufgeräumten Optik. Giant, Radon und YT haben einen klassischen Eingang in den Rahmen – die wartungsfreundli­chere Alternative.Foto: Adrian Kaether
Fünf von acht Bikes lassen Schaltzüge und Bremskabel durch den Steuersatz in den Rahmen laufen. Nicht bei allen führt das zu einer aufgeräumten Optik. Giant, Radon und YT haben einen klassischen Eingang in den Rahmen – die wartungsfreundli­chere Alternative.
Schlüsselstelle: Für die Bosch-Antriebe braucht man auch zum Einsetzen der Batterie einen Schlüssel. Bei Focus, Canyon, Giant und YT lässt sich der Akku mit Inbus bzw. Torx lösen und fixieren. Universell, aber ohne Diebstahlschutz.Foto: Adrian Kaether
Schlüsselstelle: Für die Bosch-Antriebe braucht man auch zum Einsetzen der Batterie einen Schlüssel. Bei Focus, Canyon, Giant und YT lässt sich der Akku mit Inbus bzw. Torx lösen und fixieren. Universell, aber ohne Diebstahlschutz.

Die Motoren der All-Mountain E-Bikes im Test

Boschs Performance CX (85 Nm, 2,96 kg) wird in diesem Test von allen Herstellern in der aktuellsten Version mit Smart-System verbaut. Diese gibt es aktuell ausschließlich mit dem schweren Powertube 750. Die Kraftentfaltung ist hervorragend, das Fahrgefühl spritzig und die Power top.Foto: Adrian Kaether
Boschs Performance CX (85 Nm, 2,96 kg) wird in diesem Test von allen Herstellern in der aktuellsten Version mit Smart-System verbaut. Diese gibt es aktuell ausschließlich mit dem schweren Powertube 750. Die Kraftentfaltung ist hervorragend, das Fahrgefühl spritzig und die Power top.
Giants Syncdrive Pro2 (85 Nm, 2,71 kg) setzt auf die Hardware des neuen Yamaha PW-X3. Ähnlich wie bei Bosch ist das Fahrgefühl angenehm  spritzig, die Power fällt aber spürbar geringer aus. Deutlich kleiner und leichter als sein Vorgänger,  das sehr direkte Ansprechen ist geblieben.Foto: Adrian Kaether
Giants Syncdrive Pro2 (85 Nm, 2,71 kg) setzt auf die Hardware des neuen Yamaha PW-X3. Ähnlich wie bei Bosch ist das Fahrgefühl angenehm spritzig, die Power fällt aber spürbar geringer aus. Deutlich kleiner und leichter als sein Vorgänger, das sehr direkte Ansprechen ist geblieben.
Shimanos EP8 (85 Nm, 2,63 kg) ist das Leichtgewicht unter den klassischen Motoren. Die Kraft bei niedrigen Kadenzen ist sehr gut, doch die maximale Power fällt im Vergleich zu Bosch etwas ab. Im direkten Vergleich ist das spürbar. Das Fahrgefühl ist natürlich und harmonisch, aber weniger spritzig als bei Bosch und Giant.Foto: Adrian Kaether
Shimanos EP8 (85 Nm, 2,63 kg) ist das Leichtgewicht unter den klassischen Motoren. Die Kraft bei niedrigen Kadenzen ist sehr gut, doch die maximale Power fällt im Vergleich zu Bosch etwas ab. Im direkten Vergleich ist das spürbar. Das Fahrgefühl ist natürlich und harmonisch, aber weniger spritzig als bei Bosch und Giant.

Das waren die EMTB-Leser:

Acht Bikes, drei Tage Trails am Kalterer See. Die 35 Teilnehmenden des EMTB-Camps haben die Chance genutzt und sich die aktuellsten All-Mountain E-Bike-Modelle im Praxiseinsatz angeschaut. Das Feedback war überwiegend positiv. Volle Erfahrung: Die meisten sind erfahren auf dem Mountainbike. Seit 2 bis 42 Jahren sitzen sie schon auf dem Sattel. Durchschnitt: 20 Jahre. So zum Beispiel auch:

Tobias Oberneder, 40 JahreFoto: Robert Niedring
Tobias Oberneder, 40 Jahre
Jochen Sieber, 54 JahreFoto: Robert Niedring
Jochen Sieber, 54 Jahre
Claudia Hilmer, 57 JahreFoto: Robert Niedring
Claudia Hilmer, 57 Jahre
Silvio Hensel, 50 JahreFoto: Robert Niedring
Silvio Hensel, 50 Jahre

Den gesamten Test der acht All-Mountain E-Bikes aus EMTB 3/2022 mit allen Daten und Noten finden Sie hier als PDF zum Download.

Diese All-Mountain E-Bikes haben wir getestet:

BESV TRS 1.3
Foto: Adrian Kaether

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