All MountainScott Genius 20

Christoph Listmann

 · 8/29/2008

Scott Genius 20Foto: Unbekannt

Scotts brandneues Genius hat bereits einige Vorschusslorbeeren erhalten. Wir überprüfen die Qualitäten das Genius 20 jetzt im Einzeltest.

Bei der “Genius”-Präsentation in Spanien konnten wir ein erstes Serien-Bike bereits ausgiebig für diesen Einzeltest fahren und danach in unserem Labor vermessen. Das “Genius 20” für ca. 4500 Euro ist zwar kein Schnäppchen, versammelt aber die entscheidende Technologie ohne Abstriche in seinem Kohlefaser-Anzug. Im Gegensatz zum ca. 8600 Euro teuren “Limited” (DT-Gabel) besitzt es die dreifach absenkbare Fox “Talas” und daher eine echte Niveau-Regulierung. Nur sie passt zum dreifach verstellbaren Hinterbau.

Das “Genius” besitzt eine angenehm sportliche Sitzposition mit guter Kraftübertragung, aber auch noch genug Überblick und Kontrolle. Breites Cockpit, 2,25er-Reifen, 180er-Discs. Obwohl die Geometrie länger wurde, ist es kein Superracer, aber ein echter Langstrecken-Bolide. Die Fahrwerksabstimmung gelingt zügig – Körpergewicht gleich PSI in die Fox-Gabel, den erforderlichen Dämpferdruck liest man auf dem Gehäuse ab. Nur noch die zwei Zugstufenregler drehen, fertig. Damit ist man gerüstet, aber in der Praxis nicht aus dem Schneider. Während der Fahrt verlangt das Bike nach einem Piloten, der mitdenkt, die Geländeformationen und Fahrzustände richtig interpretiert und dann über Lenkerhebel und Gabel-Drehknopf umsetzt.

Das bedeutet: Trail in der Ebene: Gabel auf 130 mm, Dämpfer in “Traction Mode” oder ganz offen, falls es große Hindernisse gibt. Steil bergauf: Gabel auf 110 mm, Heck im “Traction Mode”. Asphalt: Fahrwerk komplett verriegeln. Schweres, wechselhaftes Gelände oder bergab heißt: Fahrwerk komplett öffnen, dann bringt das “Genius” einen verspielten Charakter ans Licht.

Es besitzt insgesamt ein ausgezeichnetes Handling, weil man es auf alle Fahrsituationen optimal einstellen kann. Erstaunlicherweise fährt es sich auch in der offenen (langen) Einstellung am Heck sportlich genug. Man darf sich (als Marathonfahrer) von den Zahlen nicht abschrecken lassen, sondern muss sie als Chance sehen. Das Bike lädt durch die ein fache Verstellbarkeit dazu ein, mit dem Fahrwerk zu spielen, die Federwegskombinationen auszutesten.

Zu den Fakten: Im Vergleich zum Vorgänger sind es drei Zentimeter mehr Hub am Heck bei etwas geringerem Gewicht (Rahmen 1943 g, Dämpfer 554 g). Es ist allerdings nicht so steif wie das Ur-“Genius”, das belegt unser Prüfstand (57 Nm/ Grad STW 23 ge genüber 67 Nm/Grad STW 27). Wer Kraft in den Beinen hat, spürt im schweren Gang eine Verwindung im Heck.


FAZIT: Scotts Genius besitzt eine Alleinstellung am Markt. Mit keinem anderen Bike kann man einen so großen Einsatzbereich abdecken. Ein ganz heißes Gerät für anspruchsvoll sportliche Biker!

Foto: Unbekannt
  Der Luftdruck am Dämpfer ist dank Skala schnell eingestellt. Mit den Positionen der Zugstufendämpfung muss man einige Zeit spielen.Foto: Unbekannt
Der Luftdruck am Dämpfer ist dank Skala schnell eingestellt. Mit den Positionen der Zugstufendämpfung muss man einige Zeit spielen.
  Der „Tracloc“-Hebel verlangt nach einem Fahrer, der das Gelände liest und stets die passende Fahrwerkseinstellung wählt.Foto: Unbekannt
Der „Tracloc“-Hebel verlangt nach einem Fahrer, der das Gelände liest und stets die passende Fahrwerkseinstellung wählt.

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