All Mountain

Felt Decree: neue All Mountain-Fullys aus Carbon

Stefan Loibl

 · 15.10.2015

Felt Decree: neue All Mountain-Fullys aus CarbonFoto: Ronny Kiaulehn

Felt präsentiert das Decree: Das Touren-Fully setzt auf das erfolgreiche Hinterbau-System des Edict und kommt ohne Horst-Link aus ++ Rahmengewicht inkl. Dämpfer 2100 Gramm ++ 5 Modelle ab 2750 Euro ++

Alte Bekannte in der Mountainbike-Palette von Felt sind das Virtue und das Edict. Das eine ein All Mountain (130 mm), das andere ein Race-Fully (120/100 mm). Beide setzen auf unterschiedliche Hinterbau-Systeme. Ein Zwitter-Modell, das das beste aus beiden Welten vereint, könnte „Verdict“ heißen. Genau diesen Ansatz hat Felt gewählt, um ein neues Trail-Bike zu entwickeln. Anfangs sogar unter dem Arbeitstitel Verdict, um mit 27,5 Zoll-Laufrädern und Geometrie zu experimentieren. Herausgekommen ist am Ende das Felt Decree, die neueste Stollenreifen-Geburt der US-Amerikaner. Ein potentes Eingelenker-All Mountain mit 140 mm Federweg, steifem Carbonrahmen und dem FAST-Hinterbausystem (Felt Active Stay Technology), das auch im Edict zum Einsatz kommt.

  Das Felt Decree soll bereits vor Weihnachten 2015 in den Shops eintreffen. Foto: Hersteller
Das Felt Decree soll bereits vor Weihnachten 2015 in den Shops eintreffen. 

Stiffness to weight: STW-Wert beim Felt Decree im Fokus

Eins stand für das US-Entwickler-Team um Nathan Wright an oberster Stelle: das Verhältnis von Gewicht zur Steifigkeit – kurz der STW-Wert. Erst wurde mit Alu-Prototypen an Geometrie und Kinematik gefeilt. Dann ein erster Entwurf des Carbon-Rahmens aus Einzelteilen aus dem 3D-Drucker zusammengebastelt. Das konnte man zwar nicht fahren, doch mit dem 3D-Modell kann man sich ein Bild von Formen und am Computer designten Details machen. Anschließend folgten die ersten Carbon-Prototypen, die von Entwicklern, Produktmanagern und Team-Fahrern ausgiebig getestet wurden. Nach letzten Anpassungen im Carbon-Layup war der Kohlefaser-Rahmen des neuen Felt Decree fertig. Herausgekommen ist ein 2100 Gramm (inkl. Dämpfer) leichtes Kohlefaser-Chassis, das laut Felt bei firmeninternen Tests auf dem Prüfstand locker mit schwerer Alu-Konkurrenz mithalten kann. Für die Steuerkopf-Steifigkeit gibt Felt für das Decree 100 Nm/° an, für den Tretlagerbereich 50 Nm/°. "Einen steiferen und leichteren Rahmen haben wir bei Felt noch nie gehabt", sagt Wright. Eine echte Hausnummer für einen Rahmen in Größe M mit 140 mm Hub.

Das Topmodell nennt sich Decree FRD. 11,17 Kilo für ein All Mountain mit 150/140 mm sind eine echte Ansage. Die Ausstattung edel: Enve M60-Felgen, Chris King-Naben, Race Face Next SL-Kurbeln, Sram XX1-Schaltung. Preis: 9999 Euro.Foto: Hersteller
Das Topmodell nennt sich Decree FRD. 11,17 Kilo für ein All Mountain mit 150/140 mm sind eine echte Ansage. Die Ausstattung edel: Enve M60-Felgen, Chris King-Naben, Race Face Next SL-Kurbeln, Sram XX1-Schaltung. Preis: 9999 Euro.
Den Einstieg in die Decree-Linie von Felt eröffnet das Decree 30 für 2750 Euro. Alu-Hauptrahmen und Carbon-Hinterbau. Gewicht: 13,22 Kilo.Foto: Hersteller
Den Einstieg in die Decree-Linie von Felt eröffnet das Decree 30 für 2750 Euro. Alu-Hauptrahmen und Carbon-Hinterbau. Gewicht: 13,22 Kilo.
Das Decree 3 im stylischen Ferrari-rot. Alle Decals sind auf das rot-gelbe Design abgestimmt. Mit 2x10 Shimano XT/Deore-Mix kostet das Carbon-All Mountain 3499 Euro. Gewicht: 12,66 Kilo.Foto: Hersteller
Das Decree 3 im stylischen Ferrari-rot. Alle Decals sind auf das rot-gelbe Design abgestimmt. Mit 2x10 Shimano XT/Deore-Mix kostet das Carbon-All Mountain 3499 Euro. Gewicht: 12,66 Kilo.
Das Felt Decree 2 für 4250 Euro. Elffach Shimano XT-Antrieb mit Zweifach-Kurbel und 2200 Gramm leichtem Carbon-Rahmen. Gewicht: 12,43 Kilo.Foto: Hersteller
Das Felt Decree 2 für 4250 Euro. Elffach Shimano XT-Antrieb mit Zweifach-Kurbel und 2200 Gramm leichtem Carbon-Rahmen. Gewicht: 12,43 Kilo.
Das Decree 1 – das es auch als Rahmenset gibt – kommt auf 11,6 Kilo, mit Sram X01 und Sram Guide RSC-Bremsen. Preis: 4999 Euro.Foto: Hersteller
Das Decree 1 – das es auch als Rahmenset gibt – kommt auf 11,6 Kilo, mit Sram X01 und Sram Guide RSC-Bremsen. Preis: 4999 Euro.
Das Rahmenset des Decree 1 inkl. Monarch Plus RC3 Debonair-Dämpfer, Sattelklemme und Steuersatz wiegt 2,48 Kilo und kostet 2450 Euro.Foto: Hersteller
Das Rahmenset des Decree 1 inkl. Monarch Plus RC3 Debonair-Dämpfer, Sattelklemme und Steuersatz wiegt 2,48 Kilo und kostet 2450 Euro.
Das Topmodell nennt sich Decree FRD. 11,17 Kilo für ein All Mountain mit 150/140 mm sind eine echte Ansage. Die Ausstattung edel: Enve M60-Felgen, Chris King-Naben, Race Face Next SL-Kurbeln, Sram XX1-Schaltung. Preis: 9999 Euro.Foto: Hersteller
Das Topmodell nennt sich Decree FRD. 11,17 Kilo für ein All Mountain mit 150/140 mm sind eine echte Ansage. Die Ausstattung edel: Enve M60-Felgen, Chris King-Naben, Race Face Next SL-Kurbeln, Sram XX1-Schaltung. Preis: 9999 Euro.
Den Einstieg in die Decree-Linie von Felt eröffnet das Decree 30 für 2750 Euro. Alu-Hauptrahmen und Carbon-Hinterbau. Gewicht: 13,22 Kilo.Foto: Hersteller
Den Einstieg in die Decree-Linie von Felt eröffnet das Decree 30 für 2750 Euro. Alu-Hauptrahmen und Carbon-Hinterbau. Gewicht: 13,22 Kilo.
Den Einstieg in die Decree-Linie von Felt eröffnet das Decree 30 für 2750 Euro. Alu-Hauptrahmen und Carbon-Hinterbau. Gewicht: 13,22 Kilo.
Das Decree 3 im stylischen Ferrari-rot. Alle Decals sind auf das rot-gelbe Design abgestimmt. Mit 2x10 Shimano XT/Deore-Mix kostet das Carbon-All Mountain 3499 Euro. Gewicht: 12,66 Kilo.
Das Felt Decree 2 für 4250 Euro. Elffach Shimano XT-Antrieb mit Zweifach-Kurbel und 2200 Gramm leichtem Carbon-Rahmen. Gewicht: 12,43 Kilo.
Das Decree 1 – das es auch als Rahmenset gibt – kommt auf 11,6 Kilo, mit Sram X01 und Sram Guide RSC-Bremsen. Preis: 4999 Euro.
Das Rahmenset des Decree 1 inkl. Monarch Plus RC3 Debonair-Dämpfer, Sattelklemme und Steuersatz wiegt 2,48 Kilo und kostet 2450 Euro.
Das Topmodell nennt sich Decree FRD. 11,17 Kilo für ein All Mountain mit 150/140 mm sind eine echte Ansage. Die Ausstattung edel: Enve M60-Felgen, Chris King-Naben, Race Face Next SL-Kurbeln, Sram XX1-Schaltung. Preis: 9999 Euro.

Das FAST-System des Felt Decree im Detail

Wie oben erwähnt setzt Felt beim Decree auf das FAST-Hinterbau-System, das sich beim Edict bewährt hat. Anfangs war dieses System Bikes mit wenig Federweg – meist Race-Fullys – vorbehalten. Doch bereits Canyon hat mit dem Nerve CF gezeigt, dass es auch bei Bikes mit mehr Federweg funktioniert. So verzichtet der Felt-Eingelenker auf ein Horst-Link und setzt alleine auf den Flex der Carbon-Sitzstreben im Hinterbau. Da das mit Alu nicht funktionieren würde, hat auch das Einstiegsmodell Decree 30 einen Hinterbau aus Carbon – wobei der Hauptrahmen aus Aluminium besteht. Um diesen Flex-Effekt maximal auszunutzen und am Ende möglichst viel Federweg nutzen zu können ist der Hinterbau in der entlasteten Position bereits komprimiert. Erst wenn man auf dem Bike sitzt und der Dämpfer in den Negativfederweg (SAG) eintaucht, steht der Hinterbau in neutraler Position. Den Vorteil dieser Vorspannung des Hinterbaus bekommt man dann zu spüren, wenn der Dämpfer stark einfedert: Denn dann könne die Sitzstreben weiter flexen. So soll man leichter den kompletten Hub nutzen können.

  Hier der komprimierte Hinterbau des Felt Decree und seine Funktionsweise. Bei 30 Prozent SAG steht er in neutraler Position, maximal flexen können die Sitzstreben dann tief im Federweg.Foto: Hersteller
Hier der komprimierte Hinterbau des Felt Decree und seine Funktionsweise. Bei 30 Prozent SAG steht er in neutraler Position, maximal flexen können die Sitzstreben dann tief im Federweg.

Geometrie des Felt Decree: lang, tief, flach und justierbar

Das Decree setzt auf eine moderne Geometrie wie man sie von der neuesten Generation von All Mountains kennt: langes Oberrohr, kurzer Vorbau und flacher Lenkwinkel. Bei Größe M misst das Oberrohr beispielsweise 595 mm, der Vorbau kommt auf 55 mm und die Gabel steht in einem 67-Grad-Winkel im 105 mm kurzen Steuerrohr. So sitzt man relativ aufrecht, hält ein tiefes, breits Cockpit (740 mm Lenkerbreite) in den Händen, das Lenkmanöver präzise und direkt ans Vorderrad weitergibt. Doch die Geometrie und damit auch die Sitzposition lässt sich tunen: Über zwei Chips am hinteren Ende der Wippe kann man in die „High“-Position wechseln. Dadurch steilt sich der Lenkwinkel um ein Grad auf und das Tretlager wandert um 10 mm nach oben. Dadurch klettert das leichte All Mountain mit abgesenkter Gabel noch einen Tick effektiver. Doch das switchen der Flip Chips ist nichts für den schnellen Umbau am Gipfel, denn es dauert ein wenig, da man die Luft aus dem Dämpfer lassen muss und das Hauptlager entlasten muss.

  Von außen sieht man nur einen schwarzen Deckel. Um den Flip Chip umzustellen, muss man diese lösen und samt einem Insert umdrehen.Foto: Ronny Kiaulehn
Von außen sieht man nur einen schwarzen Deckel. Um den Flip Chip umzustellen, muss man diese lösen und samt einem Insert umdrehen.
  Die Geometrie des Felt Decree in der Übersicht.Foto: Hersteller
Die Geometrie des Felt Decree in der Übersicht.

Beim Rahmendesign des Decree hat Felt zudem auf ein möglichst niedriges Sitzrohr geachtet. Der Abstand von der Oberkante des Sitzrohrs und bis zum Hauptlager ist etwa zehn Millimeter als bei Vorgänger-Modellen. Dadurch kann man auch bei kleinen Rahmenhöhen Teleskopstützen mit mehr Hub fahren. Die komplette Satz an Kabeln und Leitungen verläuft im Rahmeninneren. Über zwei Eingänge vorne am Steuerrohr gelangen die Kabel in den Rahmen, durch austauschbare Gummi-Adapter kann man dünne Di2-Leitungen, dicke Hydraulik-Leitungen und Schaltungs-Außenhüllen fixieren. Auch am Ausgang werden die Kabel so fixiert, damit nichts klappert. Auch an Ausgänge für Stealth-Variostützen und Shimano Side Swing-Umwerfer wurde gedacht. Einen möglichen Shimano Di2-Akku versteckt das Decree mit einem Steckadapter im Tretlagerbereich.

  Kabelsalat ade: Je zwei Leitungen verschwinden vorne im Steuerrohr. Gummi-Hülsen fixieren die Leitungen an der Klemmung.Foto: Ronny Kiaulehn
Kabelsalat ade: Je zwei Leitungen verschwinden vorne im Steuerrohr. Gummi-Hülsen fixieren die Leitungen an der Klemmung.

Der Kettenstrebenschutz aus einem Plastik-Gummi-Gemisch lässt sich einfach auf die Kettenstrebe klicken. Da es das Felt Decree mit Einfach- und Zweifach-Antrieben gibt, müssen sich Umwerfer montieren lassen. Das hat Felt über einen abnehmbaren Umwerfer-Halter gelöst, an den man Direct Mount-Umwefer schrauben kann. Wer nur ein Kettenblatt fährt, kann eine Abdeckplatt einschrauben. Auf das klassische BSA-Tretlager-Gehäuse lässt sich auch eine ISCG-Aufnahme dranpacken. Auch sie ist abnehmbar. Die Laufräder kommen ohne Boost-Standard aus. Hinter steckt dagegen eine 12x142 mm Steckachse.

  Der Kettenstrebenschutz lässt sich einfach anklippen und austauschen.Foto: Ronny Kiaulehn
Der Kettenstrebenschutz lässt sich einfach anklippen und austauschen.

TeXtreme: das Carbon-Layup des Felt Decree

Auffällig ist das Rautenmuster des Topmodells, des Decree FRD (Felt Racing Development). Das kommt von den TeXtreme-Layup, das Felt beim FRD, Decree 1 und Decree 2 verwendet. Beim 10.000 Euro teuren Topmodell kommt allerdings die hochwertigste Version des Faser-Geflechts zum Einsatz. Das nennt sich TeXtreme 76. Das bedeutet, dass ein Quadratmeter des Carbon-Geflechts federleichte 76 Gramm wiegt. Die Carbon-Matten sich ein Geflecht aus unterschiedlichen steifen und flexiblen Fasern. Beim Decree 1 und 2 kommt TeXtreme 100 zum Einsatz. Bei gleicher Steifigkeit wie die 76er-Variante wiegt diese Version einfach ein paar Gramm mehr.

  Hingucker: Die TeXtreme-Struktur ist Markenzeichen des Carbonrahmens des Felt Decree FRD.Foto: Ronny Kiaulehn
Hingucker: Die TeXtreme-Struktur ist Markenzeichen des Carbonrahmens des Felt Decree FRD.

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Erster Test: Fahreindruck des Felt Decree

  Beim ersten Fahrtest mit dem Felt Decree auf den Trails oberhalb von Torbole am Gardasee.Foto: Ronny Kiaulehn
Beim ersten Fahrtest mit dem Felt Decree auf den Trails oberhalb von Torbole am Gardasee.

Bei der Präsentation des Felt Decree am Gardasee konnten wir das Topmodell – das Decree FRD – bereits ausgiebig fahren. Leider schüttete es rund um Torbole wie aus Eimern, was die steinigen Lago-Trails zur echten Herausforderung machte. Bei 11,46 Gramm bliebt die Waage stehen, als ich die XTR-Pedale montiert hatte. Mit 160 PSI Luftdruck im von Rock Shox auf das Decree getrimmten Monarch-Dämpfer erreichte ich die empfohlenen 30 Prozent SAG – perfekt. Dann ab auf die Trails! Doch davor wartet am Parco Busatte die steile Betonrampe. Mit ordentlich Druck auf den Pedalen geht's die 150 Höhenmeter hinauf. Wiegetritt, Antritte, übertrieben große Gänge – das Decree präsentiert sich äußert steif, der Hinterbau bleibt selbst ohne Plattform-Modus extrem ruhig. Obwohl ich in der Regel immer die Plattform zuschalte, da ich selbst leichtes Wippen nicht ausstehen kann, kann ich beim Decree getrost darauf verzichten. Da scheinen die Ingenieure bei der Kinematik und dem Dämpfer-Setup einen guten Job gemacht zu haben. Denn Antriebseinflüsse spürt man so gut wie keine.

  Kletter-Gene wie ein Race-Fully: Touren mit vielen Höhenmetern sind wie gemacht für das Decree.Foto: Ronny Kiaulehn
Kletter-Gene wie ein Race-Fully: Touren mit vielen Höhenmetern sind wie gemacht für das Decree.

Erstaunt war ich, wie leichtfüßig man mit einem All Mountain mit 150 mm Hub klettern kann. Klar, der leichte, steife Rahmen ist eine perfekte Basis. Doch auch die Laufräder, die an unseren Testbikes mit Latexmilch statt Schlauch montiert waren, haben großen Anteil. Denn die Kombi aus Enve M60-Felgen und Chris King-Naben klingt nicht nur gut, sondern ist auch leicht. Der Nobby Nic in zwei verschiedenen Gummi-Mischungen (vorne Trail Star, hinten Pace Star) war zwar auf den feucht-flutschigen Lago-Trails am Limit, doch für Touren-Fahrer und für lange Kletterpassagen ist er ein guter Kompromiss. Für eine sportliche Kletterposition kann man auch die Gabel noch absenken. In dem M-Rahmen passt allerdings nur eine kleine Trinkflasche (0,5 Liter).

  Präzise und direkt fällt das Handling des Felt Decree aus.Foto: Ronny Kiaulehn
Präzise und direkt fällt das Handling des Felt Decree aus.

Dann biegen wir in den Trail ein und es geht gleich richtig zur Sache. Die letzten Meter des legendären 601ers stellen fordern das Decree gleich richtig. Bereits nach wenigen Metern sucht ein Kollege nach seinem Kettenstrebenschutz. Der sitzt nicht allzu stramm und so hat die Ferse seines rechten Schuhs das Ding abgeworfen. Das Handling mit dem tiefen Cockpit und kurzen Vorbau ist sehr präzise und direkt. Lenkerbreite ist Geschmackssache, aber mir hat der montierte 740er gereicht. Recht souverän schlängelt sich das Decree durch die Steinfelder und Felsabsätze. Es ist leicht aufs Hinterrad zu kriegen und lässt sich leicht abziehen. Am besten arbeitet der Dämpfer im mittleren Federwegsbereich. Zum Durchschlagen bringe ich den Monarch Plus Debonair selbst später mit 35 Prozent SAG nicht, was einerseits für die stark progressive Kennlinie spricht, andererseits die vollen 140 mm fast nie freigibt. Sondern sich immer eine Art Reserve in der Hinterhand hält. Beim Ansprechen auf sehr kleine Schläge gibt es sicher sensiblere Hinterbauten. Doch dafür klettert das Decree eben so antriebsneutral und wippfrei.

Für eine weitere Testrunde wechsle ich in die „High“-Einstellung, indem ich die beiden Flip-Chips drehe. Steilere Winkel und höheres Tretlager sind die Folge. Doch mich fasziniert vor allem, dass das Decree dadurch noch leichtfüßiger klettert. Wer jetzt noch die Gabel absenkt, nimmt sogar langen, steilen Anstiegen wie von Ischgl auf das Idjoch den Schrecken. Bei hohem Speed liegt das Decree zwar nun nicht mehr so ruhig auf dem Trail, doch für Touren-Fahrer und Alpenüberquerer dürfte der Klettervorteil den Ausschlag geben. Und der ist mit einem fast 74 Grad Sitzwinkel nunmal besser.

  Die Entwickler-Crew von Felt mit ihrem neuen Baby, dem Felt Decree FRD.Foto: Ronny Kiaulehn
Die Entwickler-Crew von Felt mit ihrem neuen Baby, dem Felt Decree FRD.

Test-Fazit zum Felt Decree

Mit dem steifen, superleichten Carbon-Rahmen schafft Felt eine tolle Basis für ein leichtes Touren-Fully. Vor allem Touren-Fahrer im Gebirge und Trail-Piloten, die sich jeden Höhenmeter mit Muskelkraft erarbeiten, werden von dem antriebsneutralen 150/140 mm-Bike in 27,5 Zoll begeistert sein. Die FRD-Version des Decree zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Geld keine Rolle spielt. Doch auch die günstigeren Versionen – allen voran das Decree 2 für 4250 Euro – sind erstklassige, klassische All Mountains, die auf Boost-Standard und Plus-Bereifung verzichten. Zumal ist das Decree 2 mit 2x11 Shimano XT ausgestattet und bringt auch nur 12,4 Kilo auf die Waage.

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