Echter KumpelDas Tourenfully KTM Lycan 652

Hans-Peter Ettenberger

 · 30.09.2014

Echter Kumpel: das Tourenfully KTM Lycan 652Foto: Robert Niedring
Echter Kumpel: das Tourenfully KTM Lycan 652

Unser BIKE-Laborleiter Hans-Peter Ettenberger hegt Bikes, als wären sie seine Kinder: Beim KTM Lycan stellte ihn das Wetter auf eine harte Probe.


Dauertest-Leistung: 4.105 km | 42.830 hm

Einen ausgezeichneten Hinterbau hatten unsere Tests dem Lycan bescheinigt. Doch aufs Fahrwerk kam es zu Beginn meines Dauertests gar nicht an. Denn der startete bei verschneiten 4 Grad unter Null und ging mit reichlich Matsch und Modder weiter – da spielen die feinfühligen Ausschläge des Fahrwerks eine eher untergeordnete Rolle. Die Folter fürs Lycan setzte sich auf meinen beiden Alpenüberquerungen fort. Der Härteeinsatz hinterließ Schrammen im Lack, und der ständige Schmutzbeschuss zwang die Pushloc-Lenkerfernbedienung in die Knie. Sie musste mehrmals gereinigt werden.

Verlagssonderveröffentlichung

Den Großteil der übrigen Testkilometer sammelte das KTM auf unzähligen Ausfahrten in den heimischen Wäldern. Dort konnte das tolle Fahrwerk dann endlich zeigen, was in ihm steckt. Die Rock-Shox-Revelation-Gabel und der Fox-CTD-Dämpfer harmonierten wie ein eingespieltes Orchester und sorgten für satte Traktion – auf sanften Wiesenwegen ebenso wie in verblocktem Gelände. Dadurch war ich auf den Trails immer ganz vorne dabei in meiner "Ritzelschinder"-Clique. Nur bergauf zog ich immer wieder ein Parkticket, denn dort bremste das hohe Gesamtgewicht.

Ein Federungs-Service nach 3000 Kilometern zeigte unversehrte Laufflächen, lediglich nach einer neuen Fettpackung gierten die Dichtungen. Die komplette Shimano-XT-Gruppe funktionierte bis zum Test­ende tadellos. Zu Testzwecken experimentierte ich mit einem leichten Syncros-Laufradsatz und breiten 2,4er-X-King-Pneus von Conti. Das verpasste dem Lycan einen Schub. Für so manchen Anstieg hätte ich mir trotzdem ein paar Gramm weniger gewünscht und für die Transalp-Downhills eine absenkbare Sattelstütze.


Fazit: gelungenes Touren-Fully und treuer Begleiter in einem nassen Testjahr. Mittlerweile gibt es den Nachfolger mit Carbon-Hauptrahmen, was ordentlich Gewicht spart.


Funktonalität ******
Haltbarkeit *****
(max. 6 Sterne)


VERÄNDERUNGEN

• 25 km – Cockpit: Vorbau, Lenker und Griffe gewechselt, um Sitzposition anzupassen
• 1400 km – ReifenWechsel: Zwei Continental X-King RS in 2,4'' montiert statt Racing Ralph 2,25''


DEFEKTE

• 1700/2900 km – Lockout-Hebel: Pushloc-Hebel mehrmals gereinigt, da Blockiermechanismus hakte
• 1380/2730 km – Bremsbeläge: Beläge erstmals nach verregneter Transalp getauscht. Auch der zweite Satz hat solide 1400 km gehalten.
• 1900 km – Pressfit-Lager: Linke Schale des Pressfit-Innen-lagers getauscht, da sie rau lief
• 2750 km – kleiner Service: Verschlissene Kette und beide Bremsscheiben ersetzt
• 2950 km – Freilauf: Freilaufkörper zerlegt, komplett gereinigt und neu gefettet

  Narben einer langen Saison am KTM Lycan 652: Trotz bester Lackqualität litt die Schutzschicht an Rahmen und Sattelstütze unter dem Matschbeschuss.Foto: Robert Niedring
Narben einer langen Saison am KTM Lycan 652: Trotz bester Lackqualität litt die Schutzschicht an Rahmen und Sattelstütze unter dem Matschbeschuss.
  Kinematik und Dämpfer sind perfekt aufeinander abgestimmt, was das KTM Lycan zur Sänfte bergab macht.Foto: Robert Niedring
Kinematik und Dämpfer sind perfekt aufeinander abgestimmt, was das KTM Lycan zur Sänfte bergab macht.
  Rider: Hans-Peter Ettenberger, BIKE-Testlaborleiter. Fährt Bike seit 1991. Gewicht/Größe 73 kg/1,67 m. Fahrertyp Marathon/Tour. Lieblingsrevier Bayerische AlpenFoto: Robert Niedring
Rider: Hans-Peter Ettenberger, BIKE-Testlaborleiter. Fährt Bike seit 1991. Gewicht/Größe 73 kg/1,67 m. Fahrertyp Marathon/Tour. Lieblingsrevier Bayerische Alpen

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