All Mountain

Dauertest: Ghost AMR+ Lector 7700

Stephan Ottmar

 · 18.04.2013

Dauertest: Ghost AMR+ Lector 7700Foto: Daniel Simon

Pannen und Defekte auf Tour – der Alptraum aller Biker. Wie man trotz Fullsuspension und Kohlefaserrahmen davor gefeit ist, zeigt das Ghost AMR+.


Dauertest-Leistung: 3.600 km

Das Touren-Fully von Ghost trat ein schweres Erbe an, weil sein Dauertest-Vorgänger Trek Remedy 9.9 hieß und eines der Überflieger-Bikes der damaligen Saison war. Beide starten in derselben Klasse: 150 Millimeter Federweg bei 26-Zoll-Bereifung. Trotz Carbon-Hauptrahmen kostet das Ghost mit 3399 Euro gerade mal die Hälfte des Trek-Voll-Carbon-Bikes. Die größte Stärke des Ghost AMR+ Lector ist sein unverwüstlicher, zuverlässiger Charakter: Wer mit Mini-Tool und Ersatzschlauch auf große Tour in die Alpen startet, hat alles Notwendige dabei.

Keine einzige Panne (!) trübte meinen Langzeittest auf 3600 teils alpinen Kilometern. Einziger Schreckmoment: Nach 700 Kilometern erlitten die Speichen am Hinterrad einen Schwächeanfall und hingen spannungslos in den Ösen der Felge. Die Blitzreparatur samt Zentrieren in einer italienischen Tiefgarage hielt das Laufrad für alle weiteren Testkilometer in Form.

Funktion steht bei fast allen Anbauteilen am Ghost über Gewicht. Bestes Beispiel ist die Vario-Sattelstütze: Die X-Fusion Hilo (ohne Lenkerfernbedienung) erledigte bei toskanischer Sommerhitze ihren Dienst genauso willig wie im strengen Winter. Sie funktionierte bis zum Testende hervorragend. XT-Schaltung, XT-Bremsen und das Fox-Fahrwerk leisteten sich keine Ausfälle.

Im Fahrbetrieb auf dem Trail liegen die Stärken des Ghost-Fahrwerks eindeutig im Downhill. Bergauf dagegen erinnern einen die steigende Front und das heftige Wippen des Hinterbaus immer daran: Dämpfer-Plattform aktivieren, Gabel absenken. Aber damit komme ich klar: Mir fällt es nämlich leichter, kleine Kompromisse beim Bergauffahren in Kauf zu nehmen und dafür die Abfahrt in vollen Zügen genießen zu können.


Fazit: Ein Überflieger-Bike ist das Ghost AMR+ Lector sicher nicht. Aber es ist genau das, was sich die meisten Kunden in dieser Preisklasse von einem Touren-Fully erwarten: ein Rundum-Sorglos-Bike mit potentem Fahrwerk und ohne Schnickschnack.


Funktionalität ****
Haltbarkeit ******
(max. 6 Sterne)


Tuning

• 1200 km Dichtmilch: Nach zahlreichen Platten wegen geringem Luftdruck befüllte ich die Schläuche nicht mit mehr PSI, aber mit Dichtmilch.


Verschleiß

• 700 km – Laufrad hinten: Alle Speichen im Hinterrad sind plötzlich lose. Nach einer Blitzreparatur hält das Hinterrad aber die gesamte Testdistanz.
• 1000 km – Reifen: Nach einem Frostschaden am Vorderreifen tauscht Schwalbe den Nobby Nic auf Kulanz aus.
• 1250 km – Sturz: Bei einem Sturz bekommt das Vorderrad einen Schlag ab. Der bleibt bis zum Schluss in der Felge.
• 1800 km – Bremsbeläge: Nach 1400 Kilometern Wechsel der vorderen Bremsbeläge, 400 Kilometer später kamen die hinteren dran.
• 2000 km – Dämpfer: Der Dämpfer schlürft: Die Heckfederung hat Luft gezogen und schlürft beim Einfedern. Nach dem Schmieren verstummt er wieder.

  Stephan Ottmar (34): Fährt Bike seit 1998; Gewicht/Größe 73 kg/1,85 m; Fahrertyp All Mountain; Lieblingsrevier OberlandFoto: Daniel Simon
Stephan Ottmar (34): Fährt Bike seit 1998; Gewicht/Größe 73 kg/1,85 m; Fahrertyp All Mountain; Lieblingsrevier Oberland
  Zugunglück: Die Verlegung der Außenhüllen könnte besser sein. Erst die Fixierung mit einem Kabelbinder verhindert Scheuern an der Wippe.Foto: Daniel Simon
Zugunglück: Die Verlegung der Außenhüllen könnte besser sein. Erst die Fixierung mit einem Kabelbinder verhindert Scheuern an der Wippe.
  Völlig entspannt: Die Speichen im Hinterrad gönnten sich nach 700 Kilometern eine kurze Auszeit.Foto: Daniel Simon
Völlig entspannt: Die Speichen im Hinterrad gönnten sich nach 700 Kilometern eine kurze Auszeit.

Meistgelesene Artikel