Cube AMS 130 Race gegen Giant Trance X2

Christoph Listmann

 · 15.02.2011

Cube AMS 130 Race gegen Giant Trance X2Foto: Unbekannt
Cube AMS 130 Race gegen Giant Trance X2

Es müssen ja nicht immer 150 Millimeter Federweg sein. Wer nicht in Alpennähe wohnt, findet auch mit 130 Millimetern seine Erfüllung. Das beweisen Cube AMS 130 und Giant Trance X2 für je 2599 Euro.

OK, wir geben es ja zu. Bei uns in München, mit technisch fordernden Alpen-Trails vor der Haustüre, ist mehr Federweg gleich mehr Fahrspaß, Punkt. “Federweg ist südlastig”, nörgeln die Kritiker, “nördlich von Frankfurt braucht kein Mensch 150 Millimeter.” Wir sind einverstanden, 130 Millimeter tun es ja auch, das lehren uns die All Mountains von Cube und Giant. Schon optisch stehen zwei völlig verschiedene Konzepte am Start. Das klassische Diamantrahmen-Design des Cube AMS ist mit ein Grund, warum das Bike der Dauerbrenner in der Palette ist – es sieht für viele Menschen noch am ehesten wie ein Fahrrad aus. Mit Viergelenk-Hinterbau und dreifach verstellbarer Fox-Talas-Gabel (die 130er-Mittelposition ist als Basis gedacht) unterscheidet es sich klar vom Giant. Hier arbeitet das Giant-eigene, bekannt antriebsneutrale Maestro-System, der Gabel-Federweg ist auf 130 Millimeter festgelegt und folgt der Philosophie: Wo man nichts verstellen kann, stellt man auch nichts falsch ein. Allerdings schadet unserer Meinung nach die Niveau-Regulierung am Cube nicht, sondern erweitert den Einsatzbereich, ohne das Bike schwerer zu machen – beide Gabeln wiegen gleich viel.

Verlagssonderveröffentlichung


An der Waage herrscht Gleichstand. In unserem Testlabor sieht die Sache jedoch anders aus. Der Cube-Alu-Rahmen ist mit 3,1 Kilo überraschend schwer (Giant 2,8 kg), diesen Speck merzen die 300 Gramm leichteren Laufräder wieder aus. Der Steifigkeits-Prüfstand bescheinigt beiden Bikes gute Werte (Cube 78, Giant 71 Nm/Grad), auf dem Trail fühlt sich das Cube allerdings deutlich steifer und lenkpräziser an. QR15-Steckachse vorne und X12-Steckachse hinten leisten ganze Arbeit. Das AMS 130 wirkt dadurch sehr spurstabil und kontrolliert, im direkten Vergleich hinterlässt das Trance X2 einen schwammigeren Eindruck. Schwammig kann in gewissen kritischen Situationen aber auch heißen: fehlerverzeihend. Das Trance X lädt zum spielerischen Umgang mit dem Federweg ein, hier ein Drop, dort ein Slide. Festhalten kann man aber, dass Fahrer über 90 Kilo besser zum Cube greifen.

Bergauf diktiert dann das AMS klar das Tempo. Die sportlich flache Geometrie riecht nach Muskelöl und Marathon-Startblock. Tatsächlich sind solche Ausflüge kein Ding der Unmöglichkeit, sondern absolut im Einsatzbereich enthalten. Dafür sprechen auch die zwei Flaschenhalterpositionen, die sind bei den aktuellen Fully-Designs oft Mangelware. Durch die Gabel-Absenkung klettert man auch die steilsten Rampen rauf, wo der Konkurrent bereits aufbäumt. Wer beim Giant einen ähnlich sportlichen Charakter erzielen will, sollte den Luftdruck im Dämpfer erhöhen und mit wenig Negativ-Federweg fahren. Soft abgestimmt arbeitet das Heck viel und besitzt einen ausgesprochen komfortablen Charakter, das belegen auch die Kennlinien auf der rechten Seite.

Weil beide Bikes das gleiche Preisschild tragen, lässt sich gut vergleichen, was man wo fürs Geld bekommt. Schaltung und Bremsen schenken sich in der Praxis nichts. Bei den Federelementen spendiert Cube das wertigere Paket aus Fox-Talas-Top-Modell und RP23-Dämpfer. Dieses Setup hat mehr Verstellmöglichkeiten, die wir allerdings am Giant nicht vermisst haben. Mit den DT-Swiss-Laufrädern kriegt man beim Cube außerdem mehr fürs Geld – genau genommen weniger, denn sie sind 300 Gramm leichter als die des Giant. Schluss mit der Erbsenzählerei, am Ende des Tests steht fest: All Mountains mit 130 Millimetern Federweg sind wirklich die Bikes für jedermann, mit ihnen ist man immer gut ausgerüstet. Man fühlt sich selbst nördlich von Frankfurt nicht überpowert, aber auch im Münchner Raum nicht unterdimensioniert. Für schweres Gelände kann man ja fettere Reifen montieren – oder für leichteres Terrain eben weniger profilierte, schneller rollende.


Fazit: Der Preis ist heiß. Wie viel Bike man für 2600 Euro bekommt, zeigen die All Mountains von Cube und Giant eindrucksvoll. Es bleibt der Eindruck, dass man keinen Euro mehr ausgeben muss, um für (fast) jeden Einsatzbereich gerüstet zu sein. Giant liefert das spielerische All Mountain, ein spaßiges Touren-Trail-Bike. Das Cube wirkt straffer, sportlicher und seriöser, geradezu marathontauglich.

Foto: Unbekannt
  Cube AMS 130 RaceFoto: Unbekannt
Cube AMS 130 Race
  Das Cube AMS-130-Fahrwerk wurde für 2011 völlig überarbeitet. Die Kinematik ist bei jeder Rahmengröße speziell optimiert.Foto: Unbekannt
Das Cube AMS-130-Fahrwerk wurde für 2011 völlig überarbeitet. Die Kinematik ist bei jeder Rahmengröße speziell optimiert.
  Da wird der Kunde stinksauer: Beim Cube verkratzte die Sattelstütze durch das nicht sorgfältig ausgeriebene Sitzrohr extrem. Unbedingt verbessern!Foto: Unbekannt
Da wird der Kunde stinksauer: Beim Cube verkratzte die Sattelstütze durch das nicht sorgfältig ausgeriebene Sitzrohr extrem. Unbedingt verbessern!
  Giant Trance X2Foto: Unbekannt
Giant Trance X2
  Giants Maestro-Hinterbausystem arbeitet antriebsneutral und sehr komfortabel. Sportliche Fahrer fahren viel Druck und wenig Negativ-Federweg.Foto: Unbekannt
Giants Maestro-Hinterbausystem arbeitet antriebsneutral und sehr komfortabel. Sportliche Fahrer fahren viel Druck und wenig Negativ-Federweg.

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