Wiesmann Bikes

Henri Lesewitz

 · 22.11.2016

Wiesmann BikesFoto: Hoshi Yoshida
Wiesmann Bikes

Wartezeiten von einem halben Jahr sind bei Florian Wiesmann die Regel. Oft dauert es auch länger. Aber das lohnt sich, denn die Stahl- und Titan-Bikes von Wiesmann sind wahre Kunstwerke.

Wiesmann Bikes – seit 1992/Freiburg

Florian Wiesmann zählte einst zu den schnellsten Downhillern der Schweiz. Und er hat die V-Brake erfunden. Das nur nebenbei. Denn bekannt ist der Wahl-Freiburger natürlich für seine Rahmen, die gleichzeitig schlicht sind und vollgepackt mit technischen Finessen. Wiesmann ist getrieben von seinem Anspruch nach absoluter Perfektion. Deshalb arbeitet er nicht selten bis zu drei Wochen an einem Rahmen. Die Warteliste ist entsprechend lang. www.wiesmann-bikes.de

  In der Werkstatt von Florian WiesmannFoto: Hoshi Yoshida
In der Werkstatt von Florian Wiesmann
Verlagssonderveröffentlichung

Bike: Wiesmann Thurot 29

Er schluckte kurz trocken, als ihn unsere Testanfrage erreichte. Schließlich warten seine Kunden etwa ein Jahr auf ihr bestelltes Bike. Doch dann legte Florian Wiesmann los. Irgendwie lebt er ja schließlich dafür, Probleme zu lösen. Und davon gab es beim Entstehungsprozess dieses Thurot jede Menge. Problem Nummer eins: Wiesmann hatte noch nie ein 29-Zoll-Bike gebaut. Alle Winkel, alle Maße, alle Rohrdurchmesser mussten in zeitraubender Feinarbeit ausgetüftelt werden. Das Thurot 29 in der gezeigten Ausführung bezeichnet Wiesmann als "Antipol" zum derzeitigen Trend, Bikes mit wartungsintensiver Technik zu überfrachten. Es verzichtet auf eine betreuungsintensive Federgabel und störanfällige Scheibenbremsen. Dafür hat das Thurot 29 einen superbreiten Hinterbau (145 Millimeter), der den Schwachpunkt aller 29-Zoll-Hinterräder eliminieren soll: der zu steile, rechte Speichenwinkel. So rutscht der Nabenkörper mit Hilfe einer Adapterlösung in die Mitte, was die Speichen nahezu symmetrisch stehen lässt. Das steife Hinterrad kann in keinem Fall schaden. Denn das Thurot zeigt sich schon auf den ersten Metern als wahrer Sprinter. Die nicht einmal neun Kilo Komplettgewicht lassen sich äußerst flinken Trittes bewegen, was den rustikalen Wiesmann-V-Brakes in Momenten plötzlicher Richtungsänderung schwer zu schaffen macht. Das Rad ist quirlig und giert nach Tempo, muss aber auf rauem Belag dem Antipol-Motto mächtig Tribut zollen. Einen Teil der Schläge puffern zwar die Riesenreifen weg. Doch je mehr es zur Sache geht, desto mehr verwandelt sich das Thurot in eine bockige, ungezähmte Höllenmaschine. Der Lenker zuckt in der Hand wie ein irre gewordener Dampfhammer. Ein raues, ein bedrohliches, ein interessantes Gefühl. Ein Tango mit dem Trail. Und wieso auch nicht? Warum fährt man eigentlich durch das Gelände, wenn man die Piste von Federungen einebnen lässt?


Test-Fazit: Mit dem Thurot 29 stellt Wiesmann auf Anhieb einen feinen 29-Zöller auf die Reifen. Starr aber nur bedingt zu empfehlen.

  Voll auf Anschlag: Ein Lenkungsbegrenzer schützt das Titan.Foto: Georg Grieshaber
Voll auf Anschlag: Ein Lenkungsbegrenzer schützt das Titan.
  Das Thurot 29 von Wiesmann BikesFoto: Georg Grieshaber
Das Thurot 29 von Wiesmann Bikes


Preis: 9600 Euro /Rahmen 4000 Euro
Gewicht: 8,7 Kilo */Rahmen 1449 Gramm
Material: Titan
Lieferzeit: 1 Jahr
Geometrie: nach Wunsch
Ausstattung: Tune, Shimano XTR


* Komplettgewicht ohne Pedale

Foto: Georg Grieshaber

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