Lynskey

Henri Lesewitz

 · 22.11.2016

LynskeyFoto: Hersteller

Nach dem Verkauf von Litespeed formierte sich das Familien-Unternehmen Lynskey neu und produziert seit 2006 in den USA edle Titan-Bikes und Rahmen.

Lynskey – seit 2006/USA

Die Lynskeys führen ein Familien-Unternehmen im Wortsinn. Mischlingshund Rambo eingerechnet arbeiten neun Lynskeys in der gleichnamigen Titan-Schmiede. William Lynskey hatte 1962 in Tennessee eine Schlosserei gegründet, in der Sohn David Mitte der Neunziger mit dem Fertigen von Fahrradrahmen begann. Aus ersten Schweißexperimenten keimte bald die Firma Litespeed, die bei Schweißnaht-Fetischisten Kultstatus erlangte. Nach dem Verkauf von Litespeed formierte sich der Lynskey-Trupp unter dem Familiennamen neu. www.lynskeyperformance.com

  Die XT-Gruppe wirkt blass am Titan. Sie will nicht mehr sein als eine Arbeitskraft.Foto: Georg Grieshaber
Die XT-Gruppe wirkt blass am Titan. Sie will nicht mehr sein als eine Arbeitskraft.

Bike: Lynskey 260

Man muss ein bisschen rangehen, um die Feinheiten zu entdecken. Das 260 hat amerikanische Gene, doch die DNA wurde wegen des europäischen Dreckwetters leicht verändert. Die Zugführung kam unter das Oberrohr, um sie aus der Schusslinie von Matsch und Regenplörre zu rücken. Die Hinterbau-Streben schwingen in einem besonders großen Bogen um die Reifen, damit die Schlappen breit sein können. Und auch an den rüden Charakter mancher Alpen-Trails wurde gedacht. Entgegen der US-Version rollt das 260 hierzulande mit abgestützter Bremssattel-Aufnahme und dünner, flexfreudiger Titan-Stütze durch das Gelände. Der deutsche Importeur Gerrit Gaastra ist nun mal ein Freund stressfreier Technik. Weswegen auch die Ausstattung eher funktionellen Vorgaben folgt als emotionalen. Was ja im Grunde genommen prima ist. Aber ach, die blasse XT-Gruppe würde man trotzdem am liebsten vomwunderschönen Rahmen reißen. Weil sie so ganz offensichtlich nicht mehr sein will als eine Arbeitskraft. Sie wirkt fehlplatziert. Wie ein Fassadenanstreicher in einem Gemälde-Atelier. Okay, aufsitzen und die schmollenden Geschmacksnerven mit Fahrtwind aufheitern. Und hopsala, plötzlich löst sich die innere Verspannung. Die Geometrie passt, die Steifigkeit ist spürbar. Eine flotte Reisegeschwindigkeit ist schnell erreicht. Was an Pedaldruck in das 260 eingespeist wird, schiebt umgehend von hinten an. Das Gewicht des Piloten ist genau richtig verteilt, sodass selbst in Steilstücken oder hakeligen Kurven keine Verrenkungen zur Korrektur des Fahrverhaltens erforderlich sind. Die Gänge rasten sauber ein, die SID-Gabel wehrt souverän Angriffe von unten ab. Und plötzlich ist man froh über die zickenfreie Ausstattung. Stressfrei fährt es sich eben doch am besten.


Test-Fazit: Das Lynskey 260 stellt sich in den Dienst des Fahrers. Es will Arbeiter sein, keine Diva. Tuning-Fans bauen sich den Rahmen selbst auf.

  Auf Stütze: Bremssattel-Abstützung…Foto: Georg Grieshaber
Auf Stütze: Bremssattel-Abstützung…
  …und Zugverlegung weichen vom US-Original ab.Foto: Georg Grieshaber
…und Zugverlegung weichen vom US-Original ab.


Preis: 3995 Euro/Rahmen 1895 Euro
Gewicht: 9,9 Kilo*/Rahmen 1568 Gramm
Material: Titan
Lieferzeit: bei Custom 3 Monate
Geometrie: Standard oder nach Wunsch
Ausstattung: Rock Shox SID, Shimano XT


* Komplettgewicht ohne Pedale

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