Hahnenkamm-TrailsSand im Getriebe?

Gitta Beimfohr

 · 20.11.2020

Hahnenkamm-Trails: Sand im Getriebe?Foto: Privatfoto

Am Hahnenkamm bei Alzenau nahe Frankfurt läuft seit einiger Zeit ein sehr erfolgreiches Trail-Projekt. Wir haben nachgefragt, mit welchen Herausforderungen das Kammtrails-Team aktuell kämpft.

Legale Trails durchsetzen und bauen ist das eine – aber was, wenn die Probleme aus den eigenen Reihen kommen? Am Hahnenkamm bei Alzenau nahe Frankfurt läuft seit einiger Zeit ein sehr erfolgreiches Trail-Projekt. Locals haben hier zusammen mit dem Deutschen Alpenverein bereits vier legale Trails geschaffen. Zwei weitere sind genehmigt, zwei sollten noch hinzukommen, doch nun knirscht es im Getriebe. Warum das so ist, haben wir Sebastian Deller von der Trail-Arbeitsgemeinschaft Alzenau gefragt.

  Die MTB-Strecken am Hahnenkamm sind zum größten Teil durch die ehrenamtliche Arbeit der 12-köpfigen Trail-Arbeitsgemeinschaft entstanden. Gleichzeitig sind die Trails aber eine öffentliche Einrichtung der Stadt Alzenau.Foto: Privatfoto
Die MTB-Strecken am Hahnenkamm sind zum größten Teil durch die ehrenamtliche Arbeit der 12-köpfigen Trail-Arbeitsgemeinschaft entstanden. Gleichzeitig sind die Trails aber eine öffentliche Einrichtung der Stadt Alzenau.

„Solche Typen gefährden unser gesamtes Projekt.“

BIKE: Sebastian, Ihr habt bei Euch am Hahnenkamm bereits vier Trails offiziell auf Alzenauer Seite bauen dürfen, zwei sind in Mache. Ende Oktober gab es bei Euch einen Runden Tisch in Mömbris, um noch zwei weitere Trails auf der Ostseite des Bergkamms durchzusetzen. Hattet ihr Erfolg?

Sebastian Deller: Leider nur mäßigen Erfolg. Keine Probleme gibt es mit dem Forst: Der würde uns wenig sensible Waldregionen zuweisen. Auch die Untere Naturschutzbehörde steht unserem Vorhaben offen gegenüber. Die Bergwacht Hösbach befürwortet legale Trails, weil wir ein gutes Rettungskonzept aufgestellt haben, das ihre Arbeit erleichtert. Und auch ein Großteil des Gemeinderats samt Bürgermeister sind für legale Trails, weil wir im Gegenzug die illegal und teils gefährlich angelegten Trails zurückbauen würden. Ach ja, und der Deutsche Alpenverein ist sogar Träger und Vertragspartner unserer Initiative.

Klingt doch perfekt, wo liegen dann die Probleme?

Zum Beispiel beim Jagdpächter. Seiner Meinung nach sei der Wald durch die vielen Nutzer schon zu belastet und das Wild brauche seine Rückzugsorte.

Ein Problem, das der Jagdpächter auf der Alzenauer Kammseite nicht so sieht?

Nein. Dort sieht der Jäger in den legalen Trails eher eine Chance für die Wildtiere und die Jagd, denn an feste Trail-Verläufe und Nutzungszeiten gewöhnen sich die Tiere schnell. So finden sie größere Ruhezonen, als wenn der Wald von illegalen Trails durchkreuzt wird. Aber die größten Gegner unseres Projekts sind die Anwohner von Hemsbach. Ein Ort, der direkt am Fuße des Hahnenkamms liegt.

Warum?

Einige Anwohner befürchten eine Verkehrszunahme in ihrem Ort und berichten jetzt schon von Begegnungen mit „rasenden, aggressiven und pöbelnden“ Bikern.

Und, könnt ihr diese Argumente nachvollziehen?

Natürlich haben sie in einigen Punkten Recht. Der Hahnenkamm samt Gaststätte und Aussichtsturm lockt ohnehin viele Besucher an und durch die Corona-Pandemie hat sich die Zahl der Waldnutzer nochmal erhöht. Probleme mit der Parksituation waren also absehbar. Größtes Ärgernis ist dabei ein völlig zugeparkter Wandererparkplatz, der nur über Anwohnerstraßen zu erreichen ist. Wir haben – um diese Situation zu entspannen – von den ausgewiesenen Parkplätzen im Tal sogar schon eine Uphill-Route für Biker ausgeschildert.

  Brandfleck-, Speichenbach-, Burgen- und Giftiger Berg-Trail: Die vier legalen Trails am Hahnenkamm inklusive der ausgewiesenen Parkplätze im Tal.Foto: Privatfoto
Brandfleck-, Speichenbach-, Burgen- und Giftiger Berg-Trail: Die vier legalen Trails am Hahnenkamm inklusive der ausgewiesenen Parkplätze im Tal.

Mit Erfolg?

Geht so. Gerade Gastbiker sind sich der sensiblen Lage hier ja gar nicht bewusst. Sie parken trotzdem lieber oben am Berg und manche organisieren sich hier sogar mit Shuttle-Autos, weil sie die 300 Höhenmeter Uphill nicht treten wollen. Schon klar, dass das den Anwohnern hier extrem aufstößt. Dazu gibt es Klagen über rücksichtslose Biker, die sich mittels gefährlichen Bremsmanövern, verbalen Entgleisungen und Mittelfinger-Zeigen ihren Weg durch Wanderer-Gruppen bahnen. Einzelfälle, klar. Aber solche Typen torpedieren die Akzeptanz für unseren Sport und gefährden damit unser gesamtes Projekt.

Okay, wie kann man Euch in dieser Sache unterstützen?

Eure „Love Trails – Respect Rules“-Kampagne trifft es ziemlich auf den Punkt. Wenn sich alle Biker hier am Hahnenkamm einfach an diese simplen Regeln halten könnten. Freundlich grüßen, Rücksicht auf andere nehmen, die Öffnungszeiten und Parkplatz-Regeln einhalten – dann hätten wir hier einfach nur entspannte und sportliche Tage. Bitte, Leute, es kann so schwer nicht sein!

Das ganze Trail-Projekt am Hahnenkamm, Infos zu den Öffnungszeiten und News gibt's unter www.kammtrails.de

  Unser Interviewpartner Sebastian Deller (Mitte) ist im Trail-AG-Team für die Planung und Organisation der Kammtrails zuständig.Foto: Privatfoto
Unser Interviewpartner Sebastian Deller (Mitte) ist im Trail-AG-Team für die Planung und Organisation der Kammtrails zuständig.

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