Cielo – Bikes von Chris King

Henri Lesewitz

 · 22.11.2016

Cielo – Bikes von Chris KingFoto: Hersteller

Chris King begann 1978 Rahmen für Rennfahrer unter dem Label Cielo zu fertigen. Dann ruhte seine Schmiede lange, seit 2008 schweißt King wieder.

Cielo Cycles – seit 1978/USA


Die Straße hinter Santa Barbara gab wundervolle Blicke auf den Pazifik frei, aber sie war der Tod für jedes Fahrrad. Für Chris King war sie Inspiration und gleichermaßen Teststrecke. Cielo, den Namen jener Straße, schrieb King dann auf die Rahmen, mit denen er erste Versuche als Schweißer unternahm. Dreißig Jahre lang ruhte die Produktion. King war mit seinen Steuersätzen zum Superstar in der Szene aufgestiegen. Nun schweißt er wieder. www.cielo.chrisking.com

Foto: Georg Grieshaber

Bike: Cielo 29

Die Erwartungen sind hypergalaktisch, schließlich stammt der Rahmen aus der Hand eines nahezu gottgleichen Wesens der Mountainbike-Kultur: Chris King, der Steuersatz-Künstler. Er will sich noch mal ausleben auf seine alten Tage. Handwerker sein statt Firmenboss. Ölige Hände haben statt immer nur Hände schütteln. Und schon sieht man die verchromten Verstärkungsringe am wuchtigen Steuerrohr blitzen und die gravierten Kappen auf den seitlich angesetzten Sitzstreben. Die Ausfallenden, die in formvollendeten Schlitten vor- und zurückfahren können, um den Radstand dem gewünschten Temperament anzupassen. Die Kombination mit einer Singlespeed-Nabe bietet sich an, da sich die Kette perfekt spannen lässt, begrenzt den Einsatzort aber auf gemäßigtes Terrain. Was aber eh besser zum Cielo passt als die Rennstrecke. Der Rahmen ist aus True-Temper-OX-Rohren geschweißt, die bei Rahmenmaterial ungefähr das darstellen, was Tabac Original im Segment der Duftwasser ist. Schweres, leicht miefiges Vorgestern. Ein Rahmen mit 2139 Gramm kann mit seiner Schönheit das erotische Empfinden stimulieren. Zeitgemäß ist er definitiv nicht. Ohne sportliche Ambition rollt das Cielo dann auch los. Und man möchte schier durchdrehen beim orchestralen Wahnsinns-Sound des Chris-King-Freilaufes, der jedes Metallica-Konzert als quäkendes Störgeräusch dastehen lässt. Es sollte CDs davon geben. Der Sound ist tausendmal aufregender als der Fahreindruck. Das Cielo kullert brav über den Trail und lässt Charakter vermissen. Es kann alles, aber nichts besonders beeindruckend. Es ist kein Sprinter. Es ist kein Kurvenflitzer. Es ist einfach ein orangenes Bike mit dünnen Rohren. Fast ein bisschen langweilig. Zumindest, wenn man es an der hypergalaktischen Erwartung misst. Das Cielo zwingt einem Gemütlichkeit und innere Balance geradezu auf. Man kann es auch Kurbel-Yoga nennen.

  Horizontaler Schienenverkehr: Auch Ausfallenden können Erotik versprühen.Foto: Georg Grieshaber
Horizontaler Schienenverkehr: Auch Ausfallenden können Erotik versprühen.
  Selbstverständlich an Bord: ein Chris-King-Steuersatz.Foto: Georg Grieshaber
Selbstverständlich an Bord: ein Chris-King-Steuersatz.


Test-Fazit: Das Cielo ist ein Oldtimer mit einem Hauch Moderne. Unverwüstlich, schön, aber etwas träge.


Preis: 4800 Euro /Rahmen 1798 Euro
Gewicht: 10,9 Kilo*/Rahmen 2139 Gramm
Material: Stahl
Lieferzeit: etwa 2 Monate
Geometrie: Standard oder auf Wunsch
Ausstattung: Chris King, Race Face


* Komplettgewicht ohne Pedale

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