Angriff der Aggro-Bienen

Henri Lesewitz

 · 27.12.2018

Angriff der Aggro-BienenFoto: Henri Lesewitz
Angriff der Aggro-Bienen

Der US-Amerikaner Chris King gilt in der MTB-Szene als König der Steuersätze. Seine Naben sind nicht weniger legendär. Deren heiser-aggressiver Freilauf-Sound hat es sogar zum Klingelton gebracht.

Eine infernalische Symphonie – als würde ein Schwarm intergalaktischer Bienen einen Angriff fliegen. Der „Angry Bee“-Sound der Chris King-Hinterradnabe ist legendär. Fans hören das charakteristische Summen, das zwischen glockenhellem Kreischen und dunklem Brummen oszilliert, unter Hunderten anderer Freilauf-Töne heraus. Verursacht wird es vom patentierten „Ring Drive System“ aus Edelstahl, das 72 gleichzeitig greifende Zähne besitzt. Andere Naben* haben 36 oder 54 Zähne, viele sogar nur 24.

Frage an Chris King: Ist der Sound designed oder rein technisch bedingt? King schmunzelt. Er überlegt einen Moment. Dann erzählt er die Geschichte. „Ich habe das Freilauf-System so konstruiert, dass es die bestmögliche Kraftübertragung gewährleistet. Als wir es das erste Mal getestet haben, ist mir sofort dieser laute Sound aufgefallen. Ich hielt das zunächst für einen Konstruktionsfehler und überlegte, wie ich das Geräusch eliminieren könnte. Mit Öl oder wie auch immer. Doch die Leute waren begeistert von dem Sound. Die sagten: Lass das so, das ist perfekt. Also habe ich mich entschieden, es so zu produzieren.“

Verlagssonderveröffentlichung
  Vor 42 Jahren startete Chris King mit präzise gefertigten, unzerstörbaren Steuersätzen. Heute produziert er in Portland/Oregon (USA) mit 80 Mitarbeitern Steuersätze, Naben und Innenlager. Alles wird „in house“ gefertigt, sogar die Lager. Das Chef-Büro befindet sich im Obergeschoss des Gebäudes und ist vollgestellt mit Prototypen, Andenken und Bike-Teilen.Foto: Henri Lesewitz
Vor 42 Jahren startete Chris King mit präzise gefertigten, unzerstörbaren Steuersätzen. Heute produziert er in Portland/Oregon (USA) mit 80 Mitarbeitern Steuersätze, Naben und Innenlager. Alles wird „in house“ gefertigt, sogar die Lager. Das Chef-Büro befindet sich im Obergeschoss des Gebäudes und ist vollgestellt mit Prototypen, Andenken und Bike-Teilen.
  Chris King mit einem MTB seiner 1978 ins Leben gerufenen Zweitmarke Cielo. Die Rahmenschmiede wurde 2008 für ein paar Jahre reaktiviert. 2016 beschloss Chris King, sich vorerst wieder auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Cielo-Bikes sind Kult und haben eine weltweite Fangemeinde.Foto: Henri Lesewitz
Chris King mit einem MTB seiner 1978 ins Leben gerufenen Zweitmarke Cielo. Die Rahmenschmiede wurde 2008 für ein paar Jahre reaktiviert. 2016 beschloss Chris King, sich vorerst wieder auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Cielo-Bikes sind Kult und haben eine weltweite Fangemeinde.
  Die Glasvitrine im Foyer zeigt, was im Firmengebäude hergestellt wird: Steuersätze, Innenlager, Naben, aber auch Werkzeuge und Edelstahl-Ritzel.Foto: Henri Lesewitz
Die Glasvitrine im Foyer zeigt, was im Firmengebäude hergestellt wird: Steuersätze, Innenlager, Naben, aber auch Werkzeuge und Edelstahl-Ritzel.
  Knapp 90 Prozent des Rohmaterials werden zu Abfall. Um den ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten, hat Chris King ein ausgeklügeltes Konzept entwickelt. Die Fräsen laufen mit biologisch abbaubarem Rapsöl, dass zurück gewonnen und wieder verwendet wird. Die Späne werden zu Pucks gepresst und können so gut und effizient recycelt werden.Foto: Henri Lesewitz
Knapp 90 Prozent des Rohmaterials werden zu Abfall. Um den ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten, hat Chris King ein ausgeklügeltes Konzept entwickelt. Die Fräsen laufen mit biologisch abbaubarem Rapsöl, dass zurück gewonnen und wieder verwendet wird. Die Späne werden zu Pucks gepresst und können so gut und effizient recycelt werden.
  Fred ist der langjährigste Mitarbeiter bei Chris King und schon seit 1991 in der Firma. Er fertigt die Prototypen und die Ersatzteile für die Maschinen.Foto: Henri Lesewitz
Fred ist der langjährigste Mitarbeiter bei Chris King und schon seit 1991 in der Firma. Er fertigt die Prototypen und die Ersatzteile für die Maschinen.
  Weil die Fräsmaschinen mit Rapsöl betrieben werden, können sie zwar nicht so schnell laufen, halten dafür aber viermal so lange. Aus Öko-Aspekten eine gute Sache. Hier wird gerade ein Zahnrad für das Ring Drive System gefertigt.Foto: Henri Lesewitz
Weil die Fräsmaschinen mit Rapsöl betrieben werden, können sie zwar nicht so schnell laufen, halten dafür aber viermal so lange. Aus Öko-Aspekten eine gute Sache. Hier wird gerade ein Zahnrad für das Ring Drive System gefertigt.
  Die Fensterbank des Chefbüros. Chris King nennt sie „Wand der Erinnerung“.Foto: Henri Lesewitz
Die Fensterbank des Chefbüros. Chris King nennt sie „Wand der Erinnerung“.
  Eine Chris King-Nabe in freier Wildbahn. Hier die Singlespeed-Version der aktuellen ISO Disc-Nabe. Foto: Henri Lesewitz
Eine Chris King-Nabe in freier Wildbahn. Hier die Singlespeed-Version der aktuellen ISO Disc-Nabe. 

Der Rest ist Geschichte. Der „Angry Bee“-Sound wurde zur Erkennungsmelodie der Chris King-Naben. Fans feiern ihn auf YouTube, die Filmschnipsel haben so viele Likes wie Rocksongs. 2011 brachte Chris King den Angry Bee-Sound sogar als Klingelton heraus. Lehnt Euch zurück und schiebt die Lautstärke-Regler nach rechts. Hier kommt das wohl berühmteste Summen der Mountainbike-Szene.

BIKE war zu Besuch bei Chris King in Portland. Die große Chris-King-Reportage lesen Sie in BIKE 2/2019 – ab 2. Januar am Kiosk!

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