Zugzwang SystemintegrationSchaltzüge im Vorbau verstecken?

Tim Folchert

 · 20.05.2022

Zugzwang Systemintegration: Schaltzüge im Vorbau verstecken?Foto: Georg Grieshaber
Zugzwang Systemintegration: Schaltzüge im Vorbau verstecken?

Schaltung und Bremsen werden über Züge und Leitungen angesteuert. Zum Schutz und wegen der cleaneren Optik werden sie zunehmend ins Rahmeninnere verlegt.

Bremsleitungen, Schaltzüge und Lenkerfernbedienungen sind elementare Bauteile eines Mountainbikes. Sie geben die Befehle des Piloten an die einzelnen Komponenten weiter. Doch wenn bis zu sechs Leitungen den Lenker verlassen, erinnert das oft an den Kabelsalat unter dem Schreibtisch. Am Cockpit gilt: je weniger, desto besser. Diesem Prinzip der Systemintegration folgen die Hersteller mit ihren aktuellen Entwicklungen.

Einfach-Antriebe ersparen das Umwerferkabel und stellen dennoch eine ausreichend große Bandbreite bei der Übersetzung zur Verfügung. Mit der Funkschaltung AXS und der elektronischen Reverb-Tele-Stütze hat Sram zwei weitere Bowdenzüge vom Lenker verbannt. Und das kürzlich vorgestellte Automatikfahrwerk Flight Attendant macht eine Fernbedienung zur Fahrwerkskontrolle überflüssig. Ein cleaneres Cockpit ist nach heutigem Stand der Technik nicht möglich.

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  Paradebeispiel für ein aufgeräumtes Cockpit: Nino Schurters Scott Spark in Albstadt.Foto: Thomas Weschta
Paradebeispiel für ein aufgeräumtes Cockpit: Nino Schurters Scott Spark in Albstadt.

Bis zu 6 Akkus für die Komponenten-Steuerung

Eine digitale Übertragung der Bremsbefehle ist aktuell noch mehr als Zukunftsmusik. Auch wenn Sram mit seinen Elektro-Komponenten den Bowdenzug theoretisch überflüssig macht, muss man für die Elektro-Varianten das nötige Kleingeld übrig haben. Mechanische Züge haben neben den geringeren Kosten noch weitere Vorteile: Sie müssen nicht aufgeladen werden, und sie können im Fall eines Defekts zur Not auch unterwegs repariert werden. Wer mit elektronischer Schaltung, Sattelstütze und dem neuen Elektronikfahrwerk unterwegs ist, muss sich um den Ladezustand von bis zu sechs Akkus kümmern. Das nervt.

  Lenker-Vorbau-Einheit, Züge im Steuersatz geführt – das Scott Spark mischt beim Integrations-Trend ganz vorne mit.Foto: Wolfgang Watzke
Lenker-Vorbau-Einheit, Züge im Steuersatz geführt – das Scott Spark mischt beim Integrations-Trend ganz vorne mit.

Setzen Hersteller auf konventionelle Komponenten, versuchen sie zumindest, die Kabellage weitestgehend zu verbergen. Im Rahmen geführte Leitungen sorgen nicht nur für eine saubere Optik, sondern sind zudem besser vor Verschleiß und Beschädigungen geschützt. Wer allerdings seinen Schaltzug ersetzen möchte, hat es schwer. Die Züge durch die winzigen Öffnungen im Rahmen zu friemeln, kostet Zeit und Nerven. Die Lösung: Moderne Bikes verfügen oft über eingebaute Führungen, sodass die Leitung oben eingefädelt und einfach durchgeschoben werden kann.

Schwieriger wird es bei der Hinterradbremse. Auch mit Kabelkanal muss die Bremsleitung gekappt werden, um sie durch den Rahmen ziehen zu können. Unser Tipp: Die Leitungen immer etwas länger lassen und am Ende schräg abschneiden. So finden sie leichter in die engen Ausgänge im Rahmen. Eine sinnvollere Lösung bieten einige Hersteller wie Canyon. Hier laufen die Leitungen in einem offenen Kabelkanal am Unterrohr. So liegen sie bei demontierter Abdeckung frei, sind aber ansonsten gut geschützt, und die Optik ist ähnlich schick wie bei innen verlegten Zügen. Wie man es auch dreht und wendet, ein Komponententausch im Plug-and-Play-Stil ist bei den integrierten Lösungen nahezu nicht mehr möglich.

  Focus: formschön ja, aber wer die Leitungen verlegen oder wechseln muss, sollte Geduld mitbringen.Foto: Georg Grieshaber
Focus: formschön ja, aber wer die Leitungen verlegen oder wechseln muss, sollte Geduld mitbringen.

Die Kosten

Zeit ist Geld. Zumindest in der Bike-Werkstatt. Dauert das Verlegen der Leitungen jetzt länger, wird es auch teurer: innen verlegt 60 Euro, außen verlegt 40 Euro.

  Das sagt unser Experte Christoph Allwang, BIKE Testlaborleiter: Leitungen durch den Vorbau zu legen, mag schön sein, doch für den Schrauber bedeutet das einen enormen Mehraufwand. Denn die Kabel zwischen den Lagern und dem Gabelschaft hindurchzufummeln, kostet Nerven. Eingebaute Kabelkanäl machen das Verlegen der Leitungen deutlich einfacher.Foto: Georg Grieshaber
Das sagt unser Experte Christoph Allwang, BIKE Testlaborleiter: Leitungen durch den Vorbau zu legen, mag schön sein, doch für den Schrauber bedeutet das einen enormen Mehraufwand. Denn die Kabel zwischen den Lagern und dem Gabelschaft hindurchzufummeln, kostet Nerven. Eingebaute Kabelkanäl machen das Verlegen der Leitungen deutlich einfacher.

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