Test 2017: Mountainbike Antriebe Test 2017: Mountainbike Antriebe

Test 2017: Mountainbike-Schaltungen

Test: Sram Eagle gegen 2/3fach Shimano-Schaltungen

Stefan Loibl am 30.11.2017

Die Eagle-Gruppen sollen dem Einfach-Diktat von Sram endgültig zum Durchbruch verhelfen. Doch so leicht gibt sich Shimano nicht geschlagen. Drei Schaltungsduelle, die für Zündstoff sorgen.

Kaffee oder Tee, Aldi oder Edeka, SPD oder CDU: Unser Leben ist eine Endlosschleife von Entscheidungen, unzählige fällen wir täglich. Viele sind relativ unbedeutend, andere beeinflussen unser Leben nachhaltig. Aber die EINE Wahrheit gibt es meist nicht. Mit diesem Slogan wirbt auch Komponentenriese Shimano in seiner neuesten Kampagne. "There is no single truth" – jeder Biker entscheidet selbst, ob für ihn ein oder zwei Kettenblätter an der Kurbel optimal sind. Der Konkurrent der Japaner sitzt in den USA, entwickelt seine Schaltungen aber im unterfränkischen Schweinfurt und heißt Sram. Für "das Unternehmen, das 1x lebt", ist die Entscheidung dagegen bereits gefallen. Die Zukunft des Mountain­bikens soll ohne Umwerfer weitergeschrieben werden. In einem Video hat Sram den Umwerfer bereits beerdigt – Todesjahr 2017. Zukünftig sollen Bikes mit einem Kettenblatt vorne auskommen. Und aktuell mit elf oder zwölf Gängen.

Längst geht es bei Mountainbike-Schaltungen nicht mehr um ein Duell der Systeme, sondern der Philosophien. Um etwas Licht in das Gewirr aus Übersetzungen und Modellen zu bringen, haben wir neun aktuelle Schaltgruppen von Shimano und Sram zum Vergleich geladen. In drei Dreikämpfen müssen sich Edel-Parts, Mittelklasseantriebe und Einsteigerschaltungen beweisen. Alle Gruppen von Sram schwimmen selbstverständlich auf der Einfach-Welle. Bei Shimano haben wir Zwei- und Dreifach-Setups gewählt, wie sie an Tausenden Serien-Bikes vorkommen, und die Varianten mit einem Kettenblatt (XTR, XT und SLX) bewusst gemieden. Wer stur aufs Gewicht schielt, wird meistens am Ende bei Sram landen. Zu deutlich wirkt sich das Wegfallen von Umwerfer und linkem Schalthebel auf der Waage aus. Doch dass 1 x 11 nicht unbedingt leichter sein muss als 3 x 10, zeigt das Duell von NX und SLX. Und in Sachen Bandbreite trennen die beiden Gruppen Welten: Während bei der NX bei 382 Prozent Schluss ist, hält die SLX mit der Kurbelabstufung 40-30-22 satte 595 Prozent bereit. Einen deutlichen Schritt nach vorne machen die Einfach-Antriebe mit der Sram Eagle, die auf stolze 500 Prozent kommt. Und natürlich spricht auch die vereinfachte Schaltlogik für die Einfach-Antriebe. Biker können sich auf den Trail konzentrieren, anstatt sich Gedanken über die passende Schaltkombination aus Ritzel und Kettenblatt zu machen. Nur die hohen Anschaffungs- und Verschleißkosten bremsen den Hype um 1 x 12. Aber das wird sich mit günstigeren Gruppen bald ändern, da sind wir sicher. 

GLEICHE BANDBREITE

Durch das 12fach-Ritzel kann die Sram-Eagle-Gruppe der Shimano-2fach-Gruppe in Sachen Bandbreite fast das Wasser reichen. 

Test 2017: Mountainbike Antriebe

Die Übersetzung errechnet sich aus dem Quotienten aus Zähnen von Kettenblatt und Ritzel. Shimano XT mit 11–42er-Kassette, Sram Eagle mit 10–50er-Kassette. Bei der Zweifach-Schaltung sind von 22 Gängen nur 16 effektiv nutzbar. 


100 % – Bei einem Übersetzungsverhältnis von 100 % dreht sich das Hinterrad genauso schnell wie die Kurbel. Ein kleinerer Wert z. B. 61 % (26er-Blatt, 42er-Ritzel) beschreibt einen Klettergang. Werte jenseits der 300 % stehen für eine schnelle Übersetzung.

Kassette mit 50 Zähnen – Fährt man bei der Sram Eagle im kleinsten Gang, ergibt sich ein Wert von 64 %. Bei Shimano kommt man im Zweifach-Setup beim Klettergang auf 61 %. Zum Vergleich: Eine Dreifach-Kurbel (24/32/42) mit 36er-Ritzel liefert 66 %. Die Gangabstufung ist sehr ähnlich, wobei Shimano etwas feiner abgestuft ist. Shimano erreicht im größten Gang 327 %, die Eagle liegt bei 320 %. Im Vergleich zur Dreifach-Kurbel (42er-Blatt) hinken beide Systeme hinterher (381 %).


Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe BIKE 8/2017 können Sie in der BIKE-App (iTunes und Google Play) lesen oder die Ausgabe im DK-Shop nachbestellen:

iTunes StoreGoogle Play Store


Seite 1 / 3
Stefan Loibl am 30.11.2017