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Test 2014: Shimano XTR Di2

Shimano XTR Di2: Die Elektro-Gruppe im ersten Fahrtest

Stefan Loibl am 21.06.2014

Piepsen, Gegen-Schalten und kraftvolles Drücken: BIKE-Testredakteur Stefan Loibl durfte die neue Elektroschaltung XTR Di2 von Shimano bereits fahren. Hier die Eindrücke des ersten Fahrtests.

Die Veröffentlichung von Shimanos neuer XTR Di2 ist die Sensation des Jahres. Nahezu keine Schaltgruppe am Markt polarisiert so stark wie die Elffach-Elektrogruppe der Japaner. Wir durften am Rande des UCI Worldcups in Albstadt die neue Supergruppe von Shimano erstmals testen. Die XTR Di2 war dabei mit Zweifach-Kurbel an einem BMC Teamelite-29er montiert.

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Das Test-Setup: Mit Zweifach-Kurbel an einem BMC Teamelite.

Die XTR Di2 im Fahrtest

Piep, piep! Kaum auf der Testrunde, drücke ich eifrig am Schalthebel, um den richtigen Gang für die steile Schotterrampe zu finden. Blitzschnell wandert die Kette mit einem leisen Surren über die Ritzel, bis mich ein "Piep, piep" aus dem Rhythmus bringt. Habe ich etwas falsch gemacht? Die Kette windet sich schräg vom großen Blatt zum zweitgrößten Ritzel. Im Wiegetritt presse ich weiter bergauf, bis mir der Gang zu schwer wird und ich "eins höher" schalte. Eine halbe Kurbelumdrehung später läuft die Kette übers kleine Ritzel der Zweifach-Kurbel. Ganz ohne Drücken am linken Schalthebel! Ein Blick aufs Ritzel verrät, dass die XTR Di2 auch hinten geschaltet hat: zwei Gänge runter. Alleine! Das ging so flott und geschmeidig, dass ich es fast nicht bemerkt hatte. "Syncro Shift" nennen die Japaner die Funktion, die es erlaubt, sich allein auf den rechten Schalthebel zu konzentrieren. Die Umwerfer-Steuerung übernimmt die Schaltzentrale, die im Display am Lenker sitzt. Oben am höchsten Punkt angekommen, wechsele ich in den Wiegetritt und beschleunige. Jetzt schnell ein großer Gang! Ich halte den längeren der beiden Shifter, die der aktuellen XTR von Shimano ähneln, für etwa 1,5 Sekunden gedrückt. Die Kette rasselt über die Ritzel, begleitet vom Surren des Stellmotors. Im Wiegetritt keule ich den Gang über die Schottergerade. Im Display unterm Lenker leuchtet eine schwarze "17", darunter zeigt mir eine ausgefüllte Batterie, dass ich mir keine Sorgen um den Akku machen muss. Durch zwei Klicks an der Display-Unterseite wechsele ich in eine zweite Variante des Syncro-Shift-Modus’. Nun schaltet der kraftvolle Umwerfer bereits deutlich früher aufs kleine Blatt. Sobald ich hinten das viert größte Ritzel erreiche, regelt die XTR Di2 alles von ganz allein: vorne runterschalten, hinten zwei Ritzel ausgleichen. Speziell mit Dreifach-Kurbel dürfte das eine Offenbarung sein. Von den elf statt zehn Ritzeln spürt man nicht wirklich was. Die Abstufung fällt bei der 11-40er-Kassette aber deutlich feiner aus als beispielsweise bei der XX1 von Sram.

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BIKE-Testredakteur Stefan Loibl beim Testride auf der Worldcup-Strecke in Albstadt.

Mein Fazit zur Shimano XTR Di2

„Shimano hebt das Gängewechseln mit der XTR Di2 auf eine neue Ebene. Noch nie war Schalten am Mountainbike so einfach, schnell und präzise wie mit der Elektro-Schaltgruppe der Japaner. Speziell der Syncro Shift-Modus erlaubt einhändiges Schalten mit Zwei- und Dreifach-Kurbeln und verbannt extrem schräg laufende Ketten. Die Umsetzung und Verarbeitung ist makellos und sicher einmalig in der Bike-Industrie – wie man es von Shimano eben kennt. Ich bezweifle weder die Langlebigkeit noch Zuverlässigkeit der XTR Di2. Denn die Elektronik-Versionen am Rennrad und im Querfeldein trotzen seit Jahren härtesten Bedingungen. Die cleane Optik mit im Rahmen verlegten Kabeln und integriertem Akku runden die Innovation, die die XTR Di2 zweifelsfrei darstellt, standesgemäß ab. Doch warum elektronisch schalten, wenn es doch mechanisch auch perfekt funktioniert? Ich will selbst schrauben und nicht beim kleinsten Hakeln sofort zum Fachhändler laufen. Lieber selbst das Schaltseil wechseln oder die Seilspannung erhöhen, statt das Display an den Laptop zu hängen. Deshalb würde ich mir trotz der makellosen Funktion am Ende eine mechanische XTR-Version ans Bike schrauben.“

Julien Absalon (FRA) zur XTR Di2:

„Ich bin bereits vor zwei Jahren die ersten Protoypen gefahren und seither eng in die Entwicklung eingebunden. Für mich sind die Präzision, die Zuverlässigkeit und die Schaltgeschwindigkeit die größten Vorteile. Auf modernen Worldcup-Kursen bin ich ständig am Schalten – auch unter Last. Schnelle Gangwechsel sind unverzichbar. Für mich ist Elektronik am Bike die Zukunft. Wer die XTR Di2 einmal gefahren ist, wird nicht mehr mechanisch schalten wollen.“

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Julien Absalon war beim Worldcup in Albstadt das erste Mal im Rennen mit der XTR Di2 unterwegs.

Daniel McConnell (AUS) vom Trek Racing Team:

„Ich fahre neben der XTR Di2 auch das elektronische Lockout von Fox. Vor allem im Matsch sehe ich die Vorteile, weil man keine Züge und Hüllen mehr hat, die verschlammen können und schwergängig schalten.“

Stefan Loibl am 21.06.2014
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