Shimano XTR M9100 Fahrbericht

Schon gefahren: Die Shimano XTR 12-fach Schaltung

  • Tobias Brehler
 • Publiziert vor 2 Jahren

Die neue Shimano XTR-Schaltung kommt mit elf oder zwölf Gängen, 1- oder 2fach-Option sowie E-MTB-Freigabe. Wir konnten die Top-Gruppe aus Japan bereits ausgiebig ausprobieren. Hier unser Fahrbericht.

Vor wenigen Wochen hat der japanische Komponentenriese Shimano beim Weltcup in Nove Mesto die neueste Ausbaustufe seiner Topgruppe gezeigt. Alle Details zur neuen Shimano XTR 12fach-Schaltung finden Sie hier . Jetzt konnten wir die neue XTR erstmals ausgiebig fahren. Doch hier zunächst die wichtigsten Fakten in aller Kürze. Es wird drei Optionen geben:

  • 1x12 mit 10-51er-Kassette
  • 1x12 mit 10-45er-Kassette
  • 2x12 mit 10-45er-Kassette

Bei den Einfach-Antrieben kann man Kettenblätter mit 30 bis 38 Zähnen fahren, beim Zweifach-Antrieb wird es nur eine 28-38er-Kombi geben. Mit einem Kettenblatt kommt man so auf maximal 510 Prozent Bandbreite, mit zwei sogar auf 620. Zum Vergleich: Die Sram Eagle-Schaltung bietet 500 Prozent Bandbreite. Außerdem stellte Shimano einen neuen Nabenstandard sowie neue XTR-Bremsen vor. Die neue XTR ist voraussichtlich ab September erhältlich, eine Di2 wird früher oder später folgen.

Wir konnten die neue Shimano XTR-Schaltung am Canyon Spectral testen.

Shimano XTR: Erster Fahreindruck der neuen 12fach-Schaltung

Wir hatten bereits die Möglichkeit, uns einen ersten Eindruck von der neuen Gruppe zu verschaffen. Leider standen nur Bikes mit Einfach-Antrieb zur Verfügung, einen Test der Schaltung mit zwei Kettenblättern werden wir baldmöglichst nachreichen.

Doch auch die 1fach-Kassette mit ihren 510 Prozent Bandbreite hält in nahezu jeder Lebenslage den richtigen Gang bereit. Die Kette gleitet beim Schaltvorgang geschmeidig über die Ritzel. Je nach Hebeldruck kann man wie gewohnt entweder bis zu vier Gänge runterschalten oder bis zu zwei auf einmal hoch. Letzteres kann die Konkurrenz-Gruppe von Sram nicht.

Mit der großen Bandbreite hat man auch für steile Passagen den passenden Gang.

Die Gangwechsel erfordern einen etwas kräftigeren Hebeldruck als bei der Sram Eagle. Gerade wer zwei Gänge hochschalten möchte, muss kräftig drücken. Generell liegen die Bedienkräfte jedoch auf einem sehr angenehmen Niveau und die Hebel sehr gut in der Hand. Was außerdem positiv auffällt: Die Kette bewegt sich sehr leise auf Kettenblatt und Ritzel.

Auch unter Last gleitet die Kette zielgerichtet über das 12-fach Ritzel.

Passend zur Einfach-Konfiguration bietet Shimano eine minimalistische Kettenführung an. Doch auch ohne diese saß die Kette während des ganzen Tests sicher auf dem Kettenblatt. Selbst bei hartem Geprassel im Bikepark konnten die neuen Zahnformen des Kettenblatts überzeugen und die Kette gut führen. Was für die Haltbarkeit sprechen dürfte: Shimano gibt die XTR-Schaltung auch für E-MTBs frei.

Das neue Kettenblatt zeigt sich selbst von fiesen Bikepark-Abfahrten unbeeindruckt und hält die Kette sicher an Ort und Stelle.

Der Wechsel auf 12fach läutet das Ende der Ära des bekannten Shimano-Hyperglide(HG)-Freilaufs. Die Japaner setzen ab der neuen XTR auf einen neuen Freilauf-Standard, welcher Platz für das kleine 10er Ritzel schafft. Den sogenannten Micro-Spline-Freilauf wird es vorerst nur in Naben von Shimano selbst und DT Swiss geben.

Shimano hat aber nicht nur die äußere Form verändert, sondern auch das Innenleben der XTR-Hinterradnabe komplett überarbeitet. Statt Sperrklinken sorgen Zahnscheiben für den Kraftschluss beim Treten. Ohne Last kuppelt eine Feder die beiden Scheiben sogar komplett auseinander. Die Shimano-Nabe ist deshalb äußerst leichtgängig, absolut lautlos und gefällt trotzdem mit schnellem Kraftschluss beim Antritt.

Die Kurbel wirk mit ihrem Hochglanz-Finish sehr edel.

XTR-Scheibenbremse jetzt auch mit vier Kolben

Ebenfalls neu sind die Bremsen. Je nach Einsatzbereich steht eine leichte Zweikolbenbremse oder eine standfestere, aber auch schwerere, Vierkolbenbremse zur Wahl. Beide überzeugen mit einem knackigen und stabilen Druckpunkt. Außerdem begeistern beide Bremsen mit einer sehr feinfühligen Modulation und erlauben so auch auf glitschigstem Untergrund gezielte Bremsmanöver.

Die Vierkolbenbremse zeigt sich deutlich kräftiger als die kleinere XC-Bremse. In dem nicht extrem steilen Testgelände konnten wir bei keiner der beiden Bremsen Fading feststellen. Auch die Bremsscheiben haben die Japaner überarbeitet, diese konnten wir allerdings noch nicht testen.

Die neuen Bremsen überzeugen mit ihrer guten Dosierbarkeit.

Im Rahmen der Präsentation konnten wir Henry Bosch von Shimano einige Fragen zur neuen XTR stellen.


BIKE: Warum sollte man anstelle einer Sram Eagle die neue Shimano XTR kaufen?
Bosch: Die neue XTR schaltet geschmeidiger, ist leiser und bremst besser. Außerdem bietet sie deutlich mehr Konfigurationsmöglichkeiten als die Eagle. Ein weiteres praktisches Feature ist, dass man mit der XTR zwei Gänge auf einmal hochschalten kann.


Warum bietet ihr für die XTR eine Kettenführung an, wenn die Kette doch ohne Führung am Kettenblatt halten soll?
Die Shimano XTR wird von Racern und im harten Enduro-Einsatz gleichermaßen genutzt. Diese Biker wollen die extra Sicherheit, dass sie ihre Kette unter keinen Umständen verlieren.


Wieso nutzt neben Shimano bisher nur DT Swiss den Micro-Spline-Standard?
Im Moment befinden wir uns im Gespräch mit vielen Laufradherstellern. Uns ist allerdings extrem wichtig, dass alle unsere extrem hohen Qualitätsansprüche erfüllen können. Aber es werden mit Sicherheit andere Firmen folgen.

Alle Gewichte der Shimano XTR und den direkten Vergleich zur Vorgänger-Gruppe sowie der Sram Eagle XX1 finden Sie in BIKE 8/2018 – erhältlich ab dem 3. Juli am Kiosk, in unserem Onlineshop und als Digital-Ausgabe für iOS und Android.


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