Shimano XTR Di2 und Fox iCTDStärken und Schwächen

Christoph Listmann

 · 02.11.2014

Shimano XTR Di2 und Fox iCTD: Stärken und SchwächenFoto: Christoph Listmann
Shimano XTR Di2 und Fox iCTD: Stärken und Schwächen

Schon vor der Auslieferung der ersten Serien-Bikes konnten wir Shimano XTR Di2 und das Fox iCTD-Fahrwerk ausgiebig testen. Hier lesen Sie, wie sich die elektronischen Systeme im Praxistest schlagen.


Teil 2 von 2


Teil 1: Shimano XTR Di2 und Fox iCTD – Erster Test von Schaltung und Fahrwerk
Teil 2: Shimano XTR Di2 und Fox iCTD – Stärken und Schwächen

Die elektronische Shimano XTR Di2 ist die erste Wahl des Cross-Country-Weltmeisters Julien Absalon. Und auch er hat die E-Schaltung schon mit seinem Fox-Fahrwerk verheiratet. Wir haben XTR Di2 mit dem brandneuen Fox iCTD-Fahrwerk getestet.

XTR Di2 plus iCTD = Technik am Display sichtbar gemacht

  Das Display zeigt den eingelegten Gang, den Modus des iCTD-Fahrwerks und auch die Position der Kette auf der Kurbel an.Foto: Christoph Listmann
Das Display zeigt den eingelegten Gang, den Modus des iCTD-Fahrwerks und auch die Position der Kette auf der Kurbel an.
Verlagssonderveröffentlichung

Am GT Helion-Testbike ist nicht nur die Schaltung, sondern auch das Fahrwerk akkubetrieben. ICTD von Fox ist eine kostspielige aber spannende Sache, ein Schieberegler rechts und Servos an Federbein und Gabel übernehmen hier die Einstellung von Climb über Trail nach Descend. ICD gibt es seit 2012, am 2015er iCTD ist der Trail-Modus neu integriert, eben das T im Kürzel.

  Beim Fox iCTD sitzt die Steuerungseinheit mit Servo auf dem Federbein. Die Zugstufe lässt sich wie gewohnt extern justieren.Foto: Christoph Listmann
Beim Fox iCTD sitzt die Steuerungseinheit mit Servo auf dem Federbein. Die Zugstufe lässt sich wie gewohnt extern justieren.

Im Prinzip verbindet Fox iCTD und XTR Di2 nichts weiter – außer dem gemeinsamen Display. Die Anzeige der Di2 leuchtet bei jeder Aktion ein paar Sekunden lang (einstellbar). Egal ob man das Fahrwerk verstellt oder schaltet. Man erkennt die Gangzahl, das eingelegte Kettenblatt und sieht, ob das Fox iCTD-Fahrwerk in Climb (Pfeil nach oben), Trail (Pfeil mittig) oder Descend-Modus werkelt (Pfeil nach unten).

  Der Akku für XTR Di2 und Fox iCTD sitzt noch provisorisch am Unterrohr.Foto: Christoph Listmann
Der Akku für XTR Di2 und Fox iCTD sitzt noch provisorisch am Unterrohr.


Im Fall vom iCTD könnte man darauf verzichten, weil man den Modus schon am kleinen Daumen-Schiebeschalter ablesen kann (ausgefüllter Kreis, halb gefüllter Kreis, Kreis nicht ausgefüllt). ICTD funktioniert also auch ohne Di2 gut, die Kombination beider Entwicklungen ist für Technikfreaks konsequent, für Traditionalisten aber genauso wenig notwendig wie die elektronische Schaltung per se.

  Die Steuerung für die Fox iCTD-Gabel sitzt oben auf der Gabelbrücke.Foto: Christoph Listmann
Die Steuerung für die Fox iCTD-Gabel sitzt oben auf der Gabelbrücke.

Einziger echter Vorteil der Verknüpfung von iCTD und Di2: Beide nutzen den gleichen Akku. Am Vorserien-Bike von GT ist er am Unterrohr angebracht, er lässt sich aber auch im Rahmen oder in der Sattelstütze verbergen.


Der Lockout fürs Fahrwerk gefällt gut, er reagiert zackig, der Daumen schiebt den Regler nach oben oder unten, daran gewöhnt man sich schnell. Der kleine Schieberegler schlägt die mechanischen Alternativen (besonders die seilzuggesteuerte Fox-Version) um Längen. Man muss den Griff am Lenker nicht lockern, es kostet keine Kraft.

Fazit:

Julien Absalon fuhr bei der Weltmeisterschaft ein BMC 29er-Fully mit Di2 und iCTD. Ob ihm diese Technik zum Sieg verholfen hat? Wir wissen es nicht. Klar ist aber, dass nun ein neues Zeitalter anbricht. Das Mountainbike hat mit dem Einzug der Elektronik seine Unschuld verloren, macht sich abhängig von Steckdose und Rechnerplatinen. Unterm Strich ist iCTD und die XTR Di2 eine technisch überzeugend gelöste Spielerei für Leute, die auf sowas stehen und es sich leisten können. Es ist ein Schritt nach vorne, aber kein Schritt, der den Sport nachhaltig verändert. Spaß machen mechanische Bikes genauso – und sie sind weniger laut. Auch wenn man das Piepsen in der Software abschalten kann.

Fox iCTD – Stärken und Schwächen:

+ Bedienbarkeit, Ergonomie
+ Dreistufiges iCTD-System macht mehr Sinn als iCD
+ Schnelle Reaktion
+ Vermutlich lange Akku-Laufzeit

- Mehrgewicht durch Akku
- Hoher Preis
- Geräuschentwicklung

Shimano XTR Di2 – Stärken und Schwächen:

+ Schaltgeschwindigkeit
+ definierter Druckpunkt
+ Mehrere Gänge nacheinander wechselbar (alle)
+ Technisch beeindruckend gelöst
+ Alle Gänge mit einem Hebel schaltbar
+ Di2 macht den Umgang mit der Vielzahl der Gänge einfacher. Schaltung denkt mit
+ Feinere Abstufung der Kassette als bei Sram (11-40 gegenüber 10-42)

- Deutliches Funktionsgeräusch
- Hebelweg so lang wie bei mechanischer Schaltung
- Hoher Preis

- Akkulaufzeit geringer als bei Dura Ace Di2
- Übersetzungsbandbreite bei Einfach-Kurbel wegen 11-40er-Kassette schwach


Weitere Eigenschaften:
Crash Mode: System schützt sich bei hartem Schlag und stellt das Schaltwerk in mittlere Position.
Dead Battery: Wenn die Spannung nachlässt, kann man nur noch hinten schalten.

Für die XTR spricht, dass man links den Hebel für die Teleskop-Stütze montieren kann und mit dem rechten Daumen Herr über die gesamte Übersetzung ist. Für den All-Mountain-Einsatz klingt das spannend, ganz abgesehen vom aufgeräumten Cockpit, bei dem sich die Schaltkabel verstecken lassen.


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Teil 1: Shimano XTR Di2 und Fox iCTD – Erster Test von Schaltung und Fahrwerk
Teil 2: Shimano XTR Di2 und Fox iCTD – Stärken und Schwächen


Der Artikel mit weiteren nützlichen Infos zur Shimano XTR Di2 erscheint in BIKE-Ausgabe 11/2014 – a
b 7. Oktober am Kiosk, im DK-Onlineshop und als Digital-Ausgabe für alle Endgeräte erhältlich.

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