Fahrbericht: So schaltet sich Shimanos Elffach-XT Fahrbericht: So schaltet sich Shimanos Elffach-XT Fahrbericht: So schaltet sich Shimanos Elffach-XT

Shimano XT 2016: Test der Schaltgruppe

Fahrbericht: So schaltet sich Shimanos Elffach-XT

  • Stefan Frey
 • Publiziert vor 6 Jahren

Wir haben die brandneue Shimano XT direkt nach der Präsentation am Gardasee getestet. Wie nahe die preiswerte Elffach-Schaltgruppe zur XTR aufschließen kann, erklärt unser Test der Shimano XT.

Shimano XT: die Gruppe im Detail

11 Bilder

33 Jahre ist es her, dass Shimano mit der Deore XT die erste, speziell für den Mountainbike-Einsatz entwickelte Schaltgruppe auf den Markt brachte. Seitdem hat sich viel verändert: die Kette kletterte von 8, über 9, bis zu 10 Ritzel bei der letzten Evolutionsstufe. Die Shimano M8000 wird nun die erste XT-Gruppe sein, bei der sich insgesamt 11 Ritzel, mit maximal 42 Zähnen, auf den Freilauf drängeln.

Erste Testfahrt der neuen Shimano XT-Gruppe mit ordentlich Zug auf der Kette.

Auch optisch hat sich einiges getan. Während die XT im Laufe der Jahre mal verspielt, manchmal vielleicht sogar etwas billig wirkte, steht die aktuellste Version des Dauerbrenners richtig edel da. Mattschwarze Oberflächen und ein klares Design geben dem Fahrer schon beinahe etwas Shimano XTR-Feeling . Dass die XT in der M8000-Ausführung noch ein Stückchen näher an die große Schwester heranrückt, merkt man vor allem am Design der Kurbel. Der Spider, der jetzt als 1-, 2- oder 3-fach Variante erhältlich ist, nimmt deutliche Anleihen bei Shimanos Top-Gruppe. Auch beim Umwerfer hat sich einiges geändert. Der wird jetzt nicht mehr klassisch von oben, sondern wie bei der XTR, von der Seite angelenkt. Das soll zum einen den Rahmendesignern mehr Freiraum bei der Hinterbau-Konstruktion bieten, zum anderen die Kette noch geschmeidiger und kraftvoller auf die großen Blätter hiefen. Auch die Schalthebel sind optisch mittlerweile kaum mehr von XTR-Hebeln zu unterscheiden. Wie sie sich auf dem Trail anfühlen, wollten wir direkt nach der Präsentation am Gardasee erfahren.

XT-Kassette mit 11-40 Zähnen. 42 Zähne bleiben der Einfach-Version vorbehalten.

Der erste Fahrtest der Shimano Deore XT

Also ab zum Shimano-Stand. Dort steht bereits ein Cube-Stereo, komplett mit der neuen XT-Gruppe bestückt, bereit zur Ausfahrt. Für die Testfahrt hat Shimano die 2-fach-Variante der XT montiert. Das heißt: hinten stehen maximal 40 Zähne zur Verfügung. Die 11-42er Kassette bleibt aktuell der Einfach-Kurbel vorbehalten. Dort hat man die Wahl zwischen 30, 32 oder 34 Zähnen. Die Zweifach-Kurbel gibt es mit 38/28, 36/26 oder 34/24 Zähnen. Entsprechend den steilen Anstiegen am Gardasee kurble ich mit der mittleren 36/26-Übersetzung die Berge hoch. Damit bleibt auch bei meiner noch mageren Frühjahrs-Form Luft an den steilen Rampen.

Zweifach-XT-Kurbel mit 36/26 Zähnen.

Bessere Verstellmöglichkeiten mit I-Spec II

Die erste Überraschung erwartet mich noch vor dem Start. Beim Ausrichten der Schalthebel fällt der Blick auf die überarbeitete I-Spec-II-Schelle. Die fällt im Vergleich zur Vorgängerin etwas filigraner aus. Der eigentliche Benefit ist aber der erweiterte Verstellbereich. Öffnet man die Schraube, mit der der Schalt- am Bremshebel fixiert ist, lässt sich der Schalthebel sowohl horizontal als auch vertikal bewegen. Zudem gibt es zwei Positionen zur Befestigung des Schalthebels. Innen oder weiter außen. Damit sollte nun wirklich jeder – egal wie groß und lang die Finger sind – die optimale Position am Lenker finden können.

I-Spec-II-Schelle mit perfekter Einstellbarkeit.

Hebel-Ergonomie wie bei der XTR

Ich rolle los. Zur Eingewöhnung erst einmal die komplette Kassette durchschalten. Die Hebel liegen richtig gut am Finger und erinnern optisch stark an die Nobel-Gruppe XTR von Shimano. Ein kleiner Druck am leicht geriffelten, längeren Hebel schiebt die Kette sanft und ohne spürbaren Zeitverlust aufs nächstgrößere Ritzel. Der Gang sitzt.

XT-Schalthebel: Die neuen Shifter greifen sich wie die Hebel der teuren XTR-Gruppe.

Leichtere Schaltvorgänge, erhöhte Kettenspannung

20 Prozent leichter sollen die Schaltvorgänge mit der neuen Shimano XT ablaufen. Ich würde es als knackig und direkt bezeichnen. Scheinbar konnten die Shimano-Ingenieure den Leerweg beim Schalten nochmals etwas verkürzen. Bereits nach wenigen Millimetern liegt der Zug am Schalthebel an. Leichtgängig und geschmeidig wandert die Kette ohne spürbares Rasseln bis aufs elfte Ritzel. Die größere Überraschung folgt beim Runterschalten: ich drücke den hinteren 2-Way-Release-Hebel, nichts passiert. Erst als ich etwas fester drücke, gibt der Schalthebel mit einem deutlichen Knacken den Schaltzug frei – hörbar und fühlbar. Das kennt man so bisher noch nicht von den übrigen Shimano-Gruppen. Klar definiert, aber mit fast etwas hartem Druckpunkt lasse ich die Kette über die Kassette wandern. Wie bei der Vorgängerin lassen sich auch hier über die Multi-Release-Funktion zwei Gänge auf einmal wechseln, beim Drücken zumindest. Zieht man mit dem Zeigefinger von hinten, gibt der Schalthebel jeweils nur einen Gang frei. Das Schaltwerk ist wie gehabt mit dem Shadow-Plus-Standard ausgestattet. Hier wurde lediglich die Spannkraft etwas erhöht. Der Schaltkäfig hält die Kette zuverlässig auf Zug. Selbst im Gerumpel auf den Gardasee-Trails schlägt die Kette so kaum an die rechte Kettenstrebe.

XT-Schaltwerk mit erhöhter Kettenspannung.

Leichtgängiger Side-Swing-Umwerfer

Eine Neuerung gibt es auch beim Umwerfer: der wird jetzt von der Seite her angelenkt. Der Zug läuft dadurch direkter und weniger umgelenkt zum Umwerfer. Weniger Umlenkungen, weniger Reibung – das soll nicht nur den Kraftaufwand verringern, sondern auch die Zugkraft des Umwerfers erhöhen. 50 Prozent mehr Kraft will Shimano auf diesem Weg aufbringen. Tatsächlich lässt sich die Kette sehr leicht aufs größere Kettenblatt schieben. Allerdings ist der Weg, den der Daumen dabei zurücklegen muss, doch recht lang. Runter geht es flotter: kurz den Hebel antippen, schon fällt die Kette gezielt aufs kleine Blatt, ohne große Verzögerung. Auch am Umwerfer laufen die Schaltvorgänge sehr geschmeidig, schnell und ohne große Verzögerungen ab.

XT-Umwerfer: seitlich angelenkt für kraftvolles und leichtes Schalten.

Test-Fazit der neuen Shimano XT-Schaltung

Von einer Revolution zu sprechen, wäre vielleicht etwas übertrieben. Doch die neue XT ist mehr als nur die nächste Evolutionsstufe von Shimanos Bestseller-Schaltgruppe. Die verbesserte Hebel-Ergonomie und die zahlreichen Verstellmöglichkeiten am Schalthebel sind definitiv ein Highlight. Knackig, schnell und definiert: bei den Schaltvorgängen rückt die M8000 noch ein Stückchen näher an die Shimano XTR heran. Lediglich der lange Schaltweg am Umwerfer und der sehr harte Druckpunkt am 2-Way-Release-Hebel geben etwas Grund zum Meckern. Für den Kunden stehen nun sämtliche Möglichkeiten offen: egal ob ein-, zwei- oder dreifach die neue Shimano XT lässt sich perfekt auf die Bedürfnisse des Fahrers anpassen. Vor allem, weil die Möglichkeit besteht, durch einen Wechsel des Spiders an der Kurbel relativ leicht zwischen Einfach- und Zweifach-Setup zu wechseln. Und wer sich noch immer nicht von der Dreifach-Kurbel verabschieden möchte, bekommt mit 33 Gängen eine noch nicht da gewesene Bandbreite.

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