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MTB Schaltung: Vergleich Shimano XTR Di2 vs. Sram Eagle XX1

Keep it simple: Shimano XTR Di2 gegen Sram Eagle XX1

  • Stephan Ottmar
 • Publiziert vor 5 Jahren

Ein Schalthebel reicht. Shimano XTR Di2 und Sram Eagle XX1 machen den linken Shifter überflüssig und heben die Schalt-Performance auf ein neues Niveau. Wir haben es ausprobiert.


(Test aus BIKE 8/2016)   50 spitze Zähne rotieren am riesigen Ritzel im Hinterrad unseres Test-Bikes, das kleinste Zahnrad der Sram XX1 Eagle kommt mit zehn aus. Diese Spreizung (500 % an der Kassette) ist ein echtes Novum. Die Entwickler erweitern die Kassette auf zwölf Gänge und wollen damit Mehrfach-Kettenblätter an der Kurbel überflüssig machen. Die Eagle verzichtet vollständig auf Shifter, Umwerfer und Schaltzug: 1x12 ist der Ansatz.

Das Kürzel Di2 gibt bei Shimano den Hinweis: Hier wird elektronisch geschaltet. Die Top-Gruppe XTR in elektrifizierter Version besitzt zwar immer noch zwei (bei Bedarf auch drei) Kettenblätter, der Platz für den Shifter an der linken Lenkerhälfte kann jedoch ebenfalls leer* bleiben. Die Schaltung ist clever: Über den Schalthebel auf der rechten Seite wählt der Fahrer, ob er nach oben oder nach unten schalten möchte. Ein Klick, und die Kette wandert ein Ritzel weiter, wird der Schräglauf der Kette zu groß, wechselt das System entsprechend auch das Kettenblatt, um die richtige Übersetzung einzustellen. Auch mehrere Gänge sind schaltbar. Werden kleine Gänge angefordert, führt der Umwerfer automatisch einen Gangwechsel durch, ein kurzes Piepen kündigt es an. Schaltzüge benötigen die Japaner in ihrem System keine, dafür Stromkabel und einen Akku. Die Bandbreite am getesteten System: 26 und 36 Zähne an der Kurbel und eine Elf-Gang-Kassette mit 11–40 Zähnen: also 2x11.

Die entscheidende Rolle beim Vergleich Einfach gegen Zweifach spielt die Abstufung der Gänge und die Bandbreite der Übersetzung. Die Frage lautet: Fühlen sich auch Amateursportler mit der Abstimmung beider Systeme wohl, oder bleiben sie Rennsportlern vorbehalten? Ergo: Stehen genügend Gänge für eine feine Abstufung zur Verfügung? Reicht der kleinste Gang für steile Rampen, und liefert gleichzeitig der größte genügend Speed?

Robert Niedring 500 Prozent Gangspreizung packt Sram auf die neue 12er-Kassette der XX1 Eagle. An der Kurbel dreht sich nur ein Kettenblatt.

Das Handling der XTR Di2 ist so simpel wie leichtgängig. Die Schaltklicks des Hebels sind klar definiert. Der untere, etwas längere Schalthebel wechselt auf die höheren Ritzel, der kleine obere Knopf wirft die Kette nach unten auf die schweren Gänge (eine umgekehrte Belegung ist programmierbar). Die elf Gänge an der Kassette mit 11 bis 40 Zähnen rasten zügig ein, es muss kaum Druck vom Pedal genommen werden. Der Wechsel des Kettenblatts unter Last ist gut möglich – allerdings etwas rauer als an der Kassette. Wie von den mechanischen Kettenschaltungen bekannt, beschleunigt eine kurze Entlastung den Wechsel des vorderen Blatts und verhindert Schaltungsknirschen. Ein kleines Display am Vorbau gibt Auskunft über den eingelegten Gang.

Gewohnt knackig rasten die Gänge an der XX1 Eagle ein. Nach oben (Richtung große Ritzel) sind bis zu sechs Gänge mit einem Druck auf den langen Hebel möglich. Auch unter Last schiebt der lange Schaltkäfig die Kette definiert und präzise über die Ritzel.

Der Wechsel nach unten benötigt für jedes Ritzel einen separaten Klick. Folgt einer Kuppe eine steile Abfahrt, muss man also schnell mehrfach schalten. Die Di2 kann mehrere Gänge schalten: Lässt man den Finger auf dem Hebel liegen, rattern Schaltwerk und Umwerfer alle Gänge bis zum Endanschlag durch.

Für Speed-Passagen liefern beide Schaltungen fast identische Werte: Bei einer Trittfrequenz von 80 Umdrehungen pro Minute erreicht man mit der Sram 34,0 und mit der Shimano 34,8 Kilometer pro Stunde – mit 27,5-Zoll-Laufrädern. Im leichtesten Gang beträgt die Reisegeschwindigkeit bei 80 Kurbelumdrehungen 6,8 (XX1) und 6,9 km/h (Di2). Diese Werte liegen auf dem Niveau von klassischen Übersetzungen mit Dreifach-Kettenblättern und sind auch für Hobby-Sportler vollkommen ausreichend.

An der XTR stehen nur theoretisch 22 Gangkombinationen zur Verfügung, durch das automatisierte Schalten (Synchro-Shift) sind es maximal noch 16, denn nach Erreichen des fünften Ritzels wechselt das System immer auf das große Kettenblatt. Zieht man noch die doppelten Gänge ab, die aufgrund der zwei Kettenblätter eine sehr ähnliche Übersetzung erzeugen, bleiben 13 gut abgestufte Gänge übrig. Die Eagle bietet zwölf.

Von den nackten Fakten liegen beide Antriebe also auf ähnlichem Niveau. Doch die Vorliebe der Tester nach dem Systemvergleich sprechen eine andere Sprache: die Einfachheit überzeugt. Wieso sich jede Menge Elektronik ans Bike montieren, wenn eine gute mechanische Gruppe ganz ähnliche Effekte liefert – und dabei mit deutlich weniger Komponenten auskommt?

Diese Ansicht teilt auch Timo Wölk, als Entwickler für unterschiedlichste Hersteller in der Bike-Branche tätig. Wölk sieht mit den Einfach-Gruppen rosige Zeiten auf die Bike-Designer zukommen. "Alles wird variabler, wenn der Umwerfer entfällt: Wir gewinnen viel Bauraum. Den können wir für mehr Reifenfreiheit, kürzere Hinterbauten, Festigkeits- oder Gewichtsoptimierung nutzen." Skeptiker der Einfach-Systeme bringen immer wieder die ungefederten Massen der Riesen-Kassetten ins Spiel. Das entpuppt sich bei genauem Hinsehen jedoch als Makulatur: Nur 30 Gramm liegen zwischen den beiden Hightech-Ritzelpaketen von Sram und Shimano.

Insgesamt verliert die Di2 beim Gewicht viel Boden: 1747 Gramm wiegt die Antriebseinheit. Das ist ein hervorragender Wert, wenn man davon ausgeht, dass darin auch ein Display, ein Akku mit Steuerungselektronik etc. enthalten ist. Im Vergleich spart man mit der XX1 Eagle trotzdem satte 266 Gramm, da diese mit wesentlich weniger Komponenten auskommt.

Die reduzierte Anzahl an Bauteilen bei der Sram Eagle bringt erwartungsgemäß auch einen Preisvorteil gegenüber Shimanos Di2 – teuer wird es dennoch bei beiden Gruppen: 1521 Euro muss man für die XX1 Eagle dem Radhändler des Vertrauens übergeben. Die Di2 schlägt mit 2749 zu Buche. Wer diese Zahlen liest, dem ist schnell klar: Für Normal-Biker sind die Systeme im Gegenwert vollwertiger Komplett-Bikes derzeit kaum eine Option. Dasselbe gilt für die Wartungskosten: Die Preise der Ketten liegen bei 92 Euro (XX1) und 65 Euro (XTR). Heftig wird es, wenn die Kassette verschlissen ist: 300 Euro sind für die 11fach-XTR-Ritzel fällig, die XX1-Eagle-Kassette kostet sogar 458 Euro!

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    Shimano XTR Di2 gegen Sram Eagle XX1: Die Details des Vergleichs

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