SRAM XX1 SRAM XX1

Langzeittest: SRAM XX1

Schaltgruppe SRAM XX1 im Dauertest

Christoph Listmann am 18.02.2014

Vor gut einem Jahr präsentierte Sram die erste 1x11-Gruppe. Wir haben den 1x11-Spezialisten ein Jahr lang über die Trails gescheucht und ausführlich getestet.

"Maximale Reduktion" hat sich Sram mit der Einführung einer 1x11-Schaltung auf die Fahne geschrieben. Ein Single-Kettenblatt vorne kombiniert mit einer Elffach-Kassette hat derzeit kein anderer Hersteller im Programm. Durch den Verzicht von Umwerfer und zugehörigem Schalthebel spart man etwa 250 Gramm im Vergleich zu einer herkömmlichen Schaltung und eliminiert die Gefahr von Kettenklemmern durch Schalten unter Last. Dank der großen Spreizung der Kassette von 10 bis 42 Zähnen (zehnfach 11-36 Zähne) erreicht die XX1 für ein Einfach-Kettenblattsystem eine noch nie dagewesene Bandbreite. Mit zwei oder gar drei Kettenblättern kann das System aber selbstverständlich nicht konkurrieren. Die XX1 ist somit ein Spezialist, der sich auf ein bestimmtes Anforderungsprofil maßschneidern lässt.  Wer hingegen einen Allrounder für alle Einsatzzwecke sucht, muss bei der gegebenen Bandbreite kompromissbereit sein.

Um zu überprüfen, wie sich die Gruppe im Dauertest bewährt, haben wir sie an Bikes mit unterschiedlichen Federwegen und Einsatzzwecken montiert: Marathon, All Mountain und Enduro.

Schaltwerk, Kettenblatt, Schalthebel: Die SRAM XX1 im Dauertest

Das Ergebnis: Generell hinterlässt die 1300 Euro teure XX1-Gruppe auf jedem Spielfeld einen äußerst wertigen Eindruck und kann mit einer zuverlässigen, präzisen Funktion, auch nach mehrmonatigem Einsatz, überzeugen. Durch die etwas enger zusammengerückten Ritzel auf der Kassette und die ebenfalls etwas schmalere Kette ist eine penible Justage besonders wichtig, um einen geräuscharmen Umlauf zu gewährleisten. In Sachen Verschleiß kristallisierte sich das Alu-Kettenblatt als schwächstes Teil im Antriebsstrang heraus. Die verschieden dick geformten Zähne des steifen Kettenblattes füllen die Zwischenräume der Kette optimal aus und verhindern in Kombination mit dem reibungsgedämpften Type-2-Schaltwerk ein Abspringen der Kette.

Sowohl im Marathon- als auch All-Mountain-Einsatz blieb die Kette souverän auf dem Blatt. Nach viermaligem Kettenverlust am Enduro wurde eine zusätzliche Kettenführung montiert. Durch die Kettenlinie von 49 Millimetern steht das Kettenblatt nicht exakt mittig vom Ritzelpaket, sondern etwa fünf Millimeter weiter außen. Liegt die Kette auf dem größten Ritzel, sind Drehmoment und Schräglauf der Kette maximal und führen zu einem hohen Verschleiß der Alu-Zähne an Ritzel und Kettenblatt. Vor allem die Außenseite des Kettenblattes verschleißt dadurch recht schnell, wodurch die Zähne schmaler werden und die spielfreie Passung der Zähne in den Freiräumen der Kette leidet. Je länger man die Kettenblätter fährt, desto leichter kann auch die Kette abspringen. Die einerseits positive, enge Passung zwischen Kettenblatt und Kette sorgt im Schlamm für ein spürbares Mahlen. Schmutzpartikel finden wenig Raum und werden zerrieben. Im Vergleich zum Kettenblatt besitzt die Kette eine sehr gute Haltbarkeit und längt sich kaum. Auch die Kassette, die bis auf das größte Ritzel aus gehärtetem Stahl besteht, hält überdurchschnittlich lange. Einen Kettenriss hatten wir bei keiner der getesteten Gruppen, und auch die Lager der Kurbel machten keinerlei Probleme.

Funktionalität *****
Haltbarkeit ****

(max. 6 Sterne)

FÜR WEN IST DIE XX1 GEEIGNET:

Nix für Marathon

Ich fahre Hardtail und mag simple, reduzierte Technik. Die XX1-Gruppe verspricht genau das. Und tatsächlich: Touren klappen prima. Selbst bei langen, schweren Marathons kommt man zurecht. Zwei Dinge fielen im Rennen auf. Entgegen meiner ursprünglichen Erwartung leidet nicht etwa der Klettercharakter des Bikes, sondern die Tempofähigkeit in der Ebene sowie auf abschüssigen Wegen. So musste ich im Rennen oft Gruppen ziehen lassen, um mich in den Anstiegen wieder heranzukämpfen. Zudem sind die Gänge deutlich gröber gestuft, was das Finden der optimalen Frequenz erschwert. (Henri Lesewitz, Reporter)

Gut für All Mountain

Die Saison mit der XX1 auf einem Cube Stereo 140 All Mountain (29 Zoll) hat mich von der Funktion der Gruppe überzeugt, und es hat mich überrascht, wie weit man mit der gebotenen Übersetzungsbandbreite kommt – sofern man überdurchschnittlich trainiert ist und das passende Blatt montiert hat. Bei extremen Anforderungen hatte ich ein zweites Kettenblatt im Rucksack. In Kombination mit Gripshift ist die Bedienung simpel und perfekt. Fazit: null Probleme mit der Schaltfunktion, ein Kettentausch nach 1700 km, ein defektes Gripshift – bekanntes Vorserien Problem. (Christoph Listmann, Test-Leiter)

Optimal für Enduro

Ich bin die XX1–Gruppe ein Jahr lang bei diversen Enduro-Rennen gefahren und würde trotz kleinerer Probleme nur noch ungerne auf die Funktion und für diesen Einsatzzweck ausreichende Bandbreite verzichten. Wenn es Probleme gab, dann am Schaltwerk. Einmal brach eine Einstellschraube, und auf den steinigen Kursen in Finale Ligure reagierte die Kunststoffplatte unten am Parallelogramm sehr empfindlich auf Steinkontakt. Der Lagerschaden am Leitröllchen sollte durch bereits überarbeitete Dichtungen der Vergangenheit angehören. Eine schmalere Kettenlinie würde den Verschleiß reduzieren. (Peter Nilges, Test-Redakteur)

Christoph Listmann am 18.02.2014
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